HOME

"Happy Feet": Tanz oder stirb, du Pinguin

Die kleinen Frackträger sind zurück auf der Leinwand. Nach "Die Reise der Pinguine" machen sich die tierischen Stars nun in dem computeranimierten Musical "Happy Feet" für Liebe, Freundschaft und den Schutz der Umwelt stark.

Von Svenja Friedrich

Muss man akzeptieren, dass richtige Pinguine nur watscheln, schwimmen und der antarktischen Kälte trotzen können? Nein, findet der australische Filmemacher George Miller ("Schweinchen Babe") und produzierte das tierische Märchen "Happy Feet". Der Kinderfilm mit computeranimierten Pinguinen erinnert an eine Kombination aus "Die Reise der Pinguine" und "Riverdance". Die flugunfähigen Wasservögel singen gekonnt Pop-Hits von Prince, Queen oder den Beatles und steppen wie die Profis über das Eis.

Aber Miller springt nicht einfach auf den Zug auf und nimmt sich etwa die lebenden Pinguine aus dem Oskar-prämierten Dokumentationsfilm "Die Reise der Pinguine" von Regisseur Luc Jacquet (2005) zum Vorbild. Im Gegenteil, die Produktion von "Happy Feet" begann bereits mehrere Jahre zuvor. Dass in der Zwischenzeit die Dokumentation die Kinobesucher begeisterte, bietet "Happy Feet" nun die Grundlage für einen perfekten Start. In den USA haben die singenden und tanzenden Pinguine bereits den neuen James-Bond-Streifen "Casino Royale" vom Spitzenplatz der Kinocharts verdrängt.

Pinguin-Step auf dem Eis

"Happy Feet" ist die Geschichte des Kaiserpinguins Mumble, der in einer Pinguin-Kolonie in der Antarktis aufwächst. Um einen Lebenspartner zu finden, schmettern die Wasservögel "Herzenslieder". Wer nicht singen kann, bleibt allein und erhält keinen Rückhalt in der Großfamilie. Und so wird Mumble ein Außenseiter: Seine Stimme ist nur ein Krächzen und seine Liebe zum Stepptanz stößt auf Unverständnis. Wie das Schicksal so spielt, verliebt sich Mumble in die schöne Gloria; aber ohne "Herzenslied" kann er nicht bei ihr punkten. Einsam zieht er durch das Eis, bis er auf die Amigos, fünf coole Adelie-Pinguine, trifft.

Aber die Abenteuer der Pinguine nehmen eine unerwartete Wendung: Die Kaiserpinguine seiner Kolonie machen Mumble dafür verantwortlich, dass es immer weniger Fische im Meer gibt und sie hungern müssen. Weil seine Tanzerei den Großen Pinguin erzürnt, wird er verbannt. So macht er sich zusammen mit den Amigos auf den Weg, das Geheimnis der fehlenden Fische zu lüften.

Bis zum Horizont, immer weiter

Vor allem die Animationen von "Happy Feet" sind liebevoll gestaltet. In einigen Sequenzen kann man die computeranimierten Pinguine nicht von ihren lebenden Vorbildern aus "Die Reise der Pinguine" unterscheiden. Auch die Kameraführung ist gelungen. Kein anderer Animationsfilm hat jemals mit so vielen verschiedenen Blickwinkeln gearbeitet wie "Happy Feet". Wie in einem richtigen Film zoomen Szenen heran und wechseln zwischen Nah- zu Panoramaaufnahmen. So erlebt man hautnah die wilde Abfahrt durch einen Eistunnel mit und überblickt eine riesige Seeelefanten-Kolonie bis zum Horizont.

"Happy Feet" brilliert aber nicht nur durch Technik, sondern durch Rhythmusgefühl. Mumble tippelt mit den Füßen fröhlich über das Eis und sorgt mit seinem Pinguin-Stepptanz für herzhaftes Lachen. Bei Songs wie "My Way" von Frank Sinatra oder "Hit me up" von Gia Farrell wippt man auf den Kinosesseln mit. Wenn dann zehntausende Pinguine sich im Takt über das Eis bewegen, möchte man am liebsten aufspringen und mittanzen.

Aufruf für mehr Umweltschutz

Nach zwei Dritteln des Films ist man überzeugt, den ersten wirklich guten computeranimierten Film seit "Die Unglaublichen" zu sehen. Diese Euphorie hält aber nicht lange. Im letzten Teil entwickelt sich die Handlung nicht mehr stringent, die Aussage verändert sich schlagartig - von Liebe und Anderssein hin zur ökologischen Thematik über die Ausrottung einer Tierart. Dieser abrupte Themen- und Tonwechsel wird dem Zuschauer ohne Vorwarnung an den Kopf geknallt.

Insgesamt versucht "Happy Feet" einfach, zu viele Ideen auf 108 Minuten Spielzeit zu vereinen. Der Film will gleichzeitig Komödie, Romanze, Absage an religiösen Fundamentalismus, Aufruf zu mehr Selbstbewusstsein und schließlich auch Warnung vor Umweltzerstörung sein. Wenn sich das Pop-Musical mit seiner heiteren Tonart im letzten Filmdrittel zum Ökomärchen mit Greenpeace-Touch wandelt, meint der Zuschauer, mindestens zwei verschiedene Filme in einem gesehen zu haben.

Letztlich verlässt man den Kinosaal ziemlich verwirrt. Soll die Botschaft des Films nun lauten: Wir schützen Tiere, die etwas Besonderes können? Also frei nach dem Motto: Tanz oder stirb, du Pinguin? Gut, dass Kinder unter zehn Jahren das nicht erfassen und alle anderen fragen können, ob das tatsächlich ernst gemeint sein soll.

Themen in diesem Artikel