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"Jackass 3D" neu im Kino: Kacke, Kotze und Schweiß

Männer, die sich gegenseitig anpinkeln und dabei irre Spaß haben - das ist "Jackass". Die Jungs um Johnny Knoxville treten in ihrem dritten Kinofilm in 3D auf. Sie sind älter geworden, aber nicht anständiger.

Kinotrailer: "Jackass 3D"

Sind die "Jackass"-Jungs etwa Weicheier geworden? Ok, wer sich freiwillig fast nackt in einen Schwarm wildgewordener Bienen begibt, den beruhigt es sicher, wenn ein Krankenwagen gleich um die Ecke steht. Aber muss man gleich heulen, wenn die Biester dann wirklich zustechen? "Das ist nicht lustig", jammert Bam Margera, als er in eine Grube voller Schlangen fällt. Und sein Kumpel gerät bei einem Stunt mit einem wütenden Esel derart ins Zittern, dass man Mitleid bekommt. In ihrem dritten Kinofilm "Jackass 3D" übertreten Johnny Knoxville und seine Crew nicht nur sämtliche Grenzen des schlechten Geschmacks, sondern eindeutig auch ihre eigene Schmerzgrenze.

Die "coolste Sau" ist immer noch Steve-O. Der wunderbar irre grinsende Typ beherrscht das sadomasochistische, absolut pubertäre und analfixierte Spiel mit Schmerz und Lust perfekt. Nicht mehr zu überbieten dürfte sein ekelhafter "Poo Cocktail"-Stunt sein. Dabei nimmt er fast ungerührt in einer Dixi-Toilette Platz, die an einem Bungee-Seil in die Luft katapultiert wird - auf dass die Fäkalien fliegen.

Leichte Überwindung kostet es ihn dann doch, den gesammelten Schweiß seines schwergewichtigen, in eine Plastikfolie eingewickelten und sich auf dem Laufband quälenden Kollegen Preston Lacy zu trinken. Spätestens dann wird es dann auch dem Kameramann zu viel - ein Spuckbeutel ist nur leider mal wieder nicht zur Hand.

Kotze, Kacke und Schweiß spielen wie immer eine exorbitant große Rolle bei den Spielen der bösen Anarcho-Truppe. Dazu noch ein bisschen "Spaß mit gefährlichen Tieren" wie gereizten Büffeln, Skorpionen und Ziegenböcken. Die üblichen Stunts mit getunten Skateboards, Jetski, Rollschuhen oder Schlitten. Und die unvermeidlichen, mit allergrößter Freunde im Team aufgenommenen Treffer in die Weichteile.

Obwohl das alles gewohnt fies und ekelerregend ist, waren die Einfälle von Knoxville & Co auch schon mal besser. In die ersten beiden Kinofilme konnten sie die Bösartigkeit der MTV-Serie noch ganz gut hinüberretten. Jetzt wiederholen sich die Abartigkeiten etwas. Die mit Tattoos übersäten Männer sind außerdem deutlich in die Jahre gekommen. Immerhin ist Knoxville auch "schon" 39.

Die früheren MTV-Helden Beavis und Butthead erklären den Kinozuschauern am Anfang, wie sie die 3D-Brillen benutzen sollen. Dass der Film in 3D gedreht wurde, spielt dann aber so gut wie keine Rolle. Es gibt einfach zu wenig Szenen, in denen der Zuschauer durch auf ihn zuschießende Paintball-Treffer oder wild umherschwirrende Bienen mit ins Bild gezogen wird.

Die besten und ansteckendsten Momente sind immer dann, wenn sich Knoxville, Wee Man, Ryan Dunn, Dave England, Steve-O, Bam Margera und die anderen selbst fast tot über ihre Hinterhältigkeiten lacht. Zum Beispiel, wenn eine selbst gebaute "High Five"-Riesenhand alle gnadenlos zur Strecke bringt, die das Büro betreten. Toll sind auch die torkelnden Gestalten im Sturm einer Flugzeugturbine. Gemein ist dagegen das Zahnziehen mit Hilfe eines Lamborghini. Im übrigen ist das natürlich alles Geschmackssache. Und wenn es wehtut - selber schuld.

Elke Vogel, DPA / DPA