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"Mord und Margaritas": Pierce Brosnan legt Bond-Image ab

Pierce Brosnan ist zurück auf der Leinwand. Allerdings nicht im Auftrag Ihrer Majestät, sondern als selbstgefälliger, überdrüssiger Auftragskiller. Damit beweist der Schauspieler, dass es ein Leben nach James Bond gibt.

Warum Pierce Brosnan trotz seines weltweiten Erfolgs keine Lust mehr hatte, als James Bond auf den Leinwänden zu agieren, zeigt er in seinem neuen Film "Mord und Margaritas", der ab dem 20. April in den deutschen Kinos anläuft. Denn Brosnan hatte offenbar unbändige Lust, sich als Schauspieler von einer ganz anderen Seite zu präsentieren als der des ewig siegreichen Geheimagenten Ihrer Majestät. Und dieser Lust kann er in der schwarzen Komödie um eine Männerfreundschaft mit ansteckender Spiellaune frönen.

Brosnan verkörpert den selbstgefälligen, aber seines Jobs auch überdrüssigen Auftragskiller Julian Noble, der an einer Hotelbar in Mexico City die Bekanntschaft eines biederen amerikanischen Geschäftsmannes macht. Danny Wright heißt der, und beide Männer stehen unter Druck. Noble soll mal wieder einen mörderischen Auftrag hinter sich bringen, hat aber nicht mehr die kaltblütige Sicherheit früherer Tage. Wright hingegen muss in der mexikanischen Hauptstadt unter allen Umständen einen erfolgreichen Geschäftsabschluss tätigen, will er nicht Bankrott anmelden.

Mit Augenzwinkern in Szene gesetzt

Ansonsten haben die beiden Männer herzlich wenig gemeinsam. Denn Noble ist ein einsamer Wolf, der mit einer Blutspur durch die Welt streift, schnellen Sex sucht, aber keine Freunde hat. Wright hingegen ist häuslich, hat eine nette Frau und lebt das typische Dasein eines Angehörigen der amerikanischen Mittelklasse. Als solcher ist er allerdings latent ebenso vom jähen Absturz bedroht wie jener Auftragskiller, der ihm an der Bar einen Drink nach dem anderen aufnötigt, um nicht allein mit seinem Weltschmerz zu sein. Aus dieser Zufallsbekanntschaft wird eine schicksalhafte Verbindung, die allerdings stets mit einem Augenzwinkern in Szene gesetzt wird.

Geschliffene Wortwechsel und Selbstironie

Denn Regisseur Richard Shepard, der auch das Drehbuch verfasst hat, inszeniert die durchaus originelle Geschichte mit leichter Hand. In den Dialogszenen lässt er seinen Figuren oft viel Zeit für geschliffene Wortwechsel. Das ist fast etwas altmodisch, aber auch sehr angenehm im Vergleich zu den meisten gegenwärtigen Produktionen, die nur auf Tempo und schnelle Schnitte aus sind. Mit Greg Kinnear in der Rolle des Danny Wright und Hope Davis als dessen Ehefrau hat Brosnan Mitspieler von Format, auch das ist eine Qualität des 96-minütigen Films.

Ein Leben nach James Bond

"Mord und Margaritas" wird es nicht leicht haben in den Kinos, weil der Film für das noch immer anteilmäßig dominierende junge Publikum zu wenig Actionthriller und auch wohl zu selbstironisch ist. Doch reifere Zuschauer, die gute Unterhaltung mit Niveau suchen, sollten sich diesen bemerkenswerten Auftritt eines der attraktivsten Schauspieler der Welt nicht entgehen lassen. Denn Pierce Brosnan beweist, dass es ein Leben nach James Bond gibt. Und das macht dem gebürtigen Iren, der sich nun als Komödiant von Format erweist, sichtlich Spaß.

Wolfgang Hübner/AP / AP
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