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"Pacific Rim"-Regisseur im Interview: "Perfektion ist Faschismus"

In "Pacific Rim" lässt er die größten Roboter auf die größten Monster los: Regisseur Guillermo del Toro sprach mit stern.de über den "Hobbit", Geheimgänge und Räume, in denen es immer regnet.

Von Sophie "Izubuchi" Albers

Mister del Toro, wie finden Sie eigentlich den "Hobbit", der ohne Sie entstehen musste?
Ich habe ihn noch gar nicht gesehen. (kichert)

Wie bitte?
Ich musste einen Film drehen (bricht in lautes Lachen aus)! In letzter Zeit habe ich wirklich nur Filme gesehen, die meine Frau und meine Töchter ausgesucht haben. Zum Beispiel "Les Misérables"...

Oh.
Ja, ich weiß. Normalerweise nicht so mein Ding. Aber ich verstehe, warum sie ihn mögen. Die Schauspieler waren toll.

"Pacific Rim" ist wie "Transformers" vs. "Godzilla" vs. "Top Gun" - kommt das hin?
Für Jugendliche heute ist die Referenz natürlich "Transformers", aber meine ist viel älter. Ich bin mit Mangas großgeworden. Godzilla ist der Opa von allem. Aber warum um Himmels Willen "Top Gun"?

Wegen der Rockstar-Nummer.
Ich habe mir Sportfilme angeguckt, als ich an den "Jägern" gearbeitet habe. Hockey, Baseball, Boxen, Football. Filme, in denen ein Neuer ins Team kommt.

Wie politisch ist "Pacific Rim"?
Jeder Film ist politisch. Und bei so einem Action-Sci-Fi-Film kommt es darauf an, dass das Audiovisuelle eins ist mit der humanen Botschaft. Wenn du nur Oberfläche machst, alle Roboter poliert sind, das Licht kalt ist, wenn es aussieht wie ein Armee-Rekrutierungsvideo, wenn der Held eine kämpfende Sexbombe ist, dann interessiert mich das nicht. Bei mir muss es regnen, das Mädchen verliebt sich NICHT in den Helden, und der Böse wird am Ende gut.

Sie sind ein Optimist?
Ich bin Romantiker! Ich glaube an Abenteuer. Heldentum existiert. Aber meine Helden sind keine Supermänner, sondern normale, verletzliche Menschen. Und das ist eine politische Entscheidung.

Haben Sie selbst je Held sein müssen?
Ja, ich habe mal jemanden nach einer Explosion ins Krankenhaus gefahren. Ich fühle mich wie ein Held, weil wir meinen Vater 1998 aus den Händen von Kidnappern befreit haben. Außerdem bin ich Vater, da ist man jeden Tag ein Held!

Haben Ihre Kinder sich je vor dem Monster unterm Bett gefürchtet?
Die nie, aber ich schon! Als Kind hatte ich Klarträume. Ich bin mitten in der Nacht aufgewacht, und mein Zimmer war voller Monster. Aber ich habe sie geliebt! Und langsam verstehe ich auch warum: Ich glaube ganz fest an die Unvollkommenheit des Menschen! Perfektion ist Faschismus. Jeder ist unvollkommen. Warum sollten wir also Perfektion feiern? Lasst uns das Unvollkommene hochleben! Und Monster sind die Schutzheiligen der Unvollkommenheit.

Und als Sie keine Angst mehr hatten, sind die Monster verschwunden, oder?
Genau! Deshalb sammle ich seit ich klein bin alles über das Fantastische. Mittlerweile habe ich zwei Extra-Häuser für meine ganzen Comics, Statuen, Bücher, Sammlerstücke ...

Wie ein Museum.
... und es gibt zwei Geheimgänge, die die Häuser miteinander verbinden. Und einen Raum, in dem es immer regnet.

Wie bitte?
Ich habe eine ewige Regennacht geschaffen. Du kommst rein, es ist dunkel und kühl, du hörst den Regen im Suround-Sound, und am Fenster läuft das Wasser runter. Da arbeitet meine Fantasie am besten. Aber in Los Angeles regnet es eben nie.

Mister del Toro, sind Menschen Monster?
Wir sind das Beste und Schlimmste, was diesem Planeten passieren konnte. Aber es gibt eben nur uns.

Sophie Albers