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"Prince of Persia" im Kino: Draufgänger mit Aufmerksamkeitsdefizit

Es war einmal ein persisches Reich, in dem Wohlstand und Ordnung herrschten. Einst adoptierte der persische König den mutigen Straßenjungen Dastan. Als Erwachsener nimmt Dastan mit seinen prinzlichen Brüdern und seinem Onkel Nizam an der Belagerung der heiligen Stadt Alamut teil.

Die Stadt wird erobert, weil dort angeblich Waffen für die Feinde Persiens hergestellt werden: Und so hat der am Donnerstag anlaufende Fantasy-Abenteuerfilm "Prince of Persia" zumindest einen winzigen Bezug zur Realität.

Das mit den Waffen kommt einem bekannt vor. Andererseits wird hier kein schnauzbärtiger Tyrann gestürzt, sondern die liebreizende Prinzessin Tamina. Sie ist die Wächterin eines magischen Dolches, der sich als wahrer Grund des Feldzuges erweist. Als Tamina mit Stadtbezwinger Dastan zwangsverheiratet werden soll, stirbt bald darauf sein Ziehvater, der König, den Gifttod. Dastan, als Mörder verdächtigt, macht daraufhin den Dr. Kimble: Er flieht und versucht verzweifelt, seine Unschuld beweisen. Ihm zur Seite reitet die zickige Tamina, die ihn jedoch davon überzeugt, dass es furchtbar wichtig ist, den Dolch an einen sicheren Ort zu bringen.

Nach seinen "Fluch der Karibik"-Kassenknüllern, mit denen Produzent Jerry Bruckheimer das totgesagte Piratengenre wieder belebte, will er mit der Verfilmung des Kult-Computerspiels "Prince of Persia" den nächsten Coup landen. Auch diesmal gelang es ihm, einen Hollywoodstar an Land zu ziehen. So hat sich Jake Gyllenhaal, seit dem schwulen Cowboy-Drama "Brokeback Mountain" als Charakterdarsteller gehandelt, beeindruckende Muckis antrainiert und turnt mit nacktem Oberkörper im Stil des angesagten Parkour-Sports die exotischen Kulissen 'rauf und runter. Die paar Mädchen im Publikum wollen schließlich auch was sehen.

Gyllenhaals Schmerzensgeld für diesen Ausflug ins Fantasy-Genre für taschengeldstarke Jungs war sicher großzügig. Doch ein zweiter Johnny Depp ist er mit seinen treuen Hundeaugen leider nicht. Auch Gemma Arterton, zuletzt in "Kampf der Titanen" und kurz als Bond-Girl in "Ein Quantum Trost" zu sehen, fehlt es als hochnäsiger Prinzessin, die sich mit dem Draufgänger zusammenraufen muss, an Charisma. Ben Kingsley, der sich traditionell vor keiner Rolle ziert, gibt mit Kajal umrandeten Augen den Dunkelmann, und Alfred Molina spielt einen listigen Scheich, der sich in der Wüste ein Steuerparadies eingerichtet hat und für etwas Komik sorgt.

Doch dem gediegenen britischen Regisseur Mike Newell, dessen Karriere mit "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" begann, gelingt es nicht, diesem typisch krawalligen, mit Special Effects überladenen Bruckheimer-Spektakel seinen Stempel aufzudrücken. Nicht nur die kreativen Möglichkeiten des Wunderdolches, eine Mischung aus Sanduhr und Joystick, mit dem sich die Zeit zurückdrehen lässt, werden verschenkt. Auch sieht der Film trotz seines 150-Millionen-Dollar-Budgets mit seinen Palästen im orientalischen Zuckerbäckerstil eher fade aus; die computeranimierten Stadtpanoramen wirken verwaschen.

Auch die Figuren sind trotz Starpower kaum ausdrucksvoller als im Computerspiel. Die "Kopf ab!"-Brutalität und Action mit gezückten Säbeln, Messerstechereien und Pixel-Schlangen lassen aber keine Langeweile aufkommen. "Jerry leidet meiner Ansicht nach an ADHS - und sein Publikum tut es auch. Entweder hat er das erkannt, oder er hat dieses Aufmerksamkeitsdefizit mit seinen Filmen erst erschaffen. Er ist die Hollywoodmaschine in ihrer perfekten Ausprägung", sagt Newell über seinen instinktsicheren Produzenten, und meint dies durchaus als Kompliment. Demnächst will Newell wieder einen kleinen britischen Film drehen.

Birgit Roschy, APN / APN