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"Rossini": Bernd Eichingers Esszimmer schließt

Hier wurde Filmgeschichte geschrieben: Bernd Eichinger, Patrick Süskind oder Helmut Dietl waren Stammgäste im Müncher Restaurant "Romagna Antica", Vorlage für "Rossini". Alles vorbei. Der Wirt erzählt im stern.de-Interview, warum er zurück nach Italien geht.

Fabrizio Cereghini hat in den letzten Tagen viel telefoniert: Von jedem seiner Stammgäste und Freunde hat er sich persönlich verabschiedet. 33 Jahre lang war er der Padrone des Schwabinger Restaurants "Romagna Antica", dem Wohnzimmer der Bavaria Filmproduktionsfirma. Rainer Werner Fassbinder, Bernd Eichinger, Volker Schlöndorff kamen nicht nur wegen des Essens. Das Restaurant inspirierte Helmut Dietl zu seinem Film "Rossini". An diesem Ort bekniete Bernd Eichinger jahrelang den Autor Patrick Süskind, ebenfalls Stammgast, ihm die Filmerechte für "Das Parfum" zu verkaufen, was ihm letztendlich ja auch gelang. Aber die Blütezeit des "Romagna Antica" war Ende der 90er vorbei - jetzt kann Cereghini die höheren Mietforderungen des neuen Eigentümers, einer Münchener Immobilienfirma, nicht mehr erfüllen. Er geht zurück in seinen Geburtsort Madonna di Campiglio und steigt in das Pasta-Geschäft seines Bruders ein. Cereghinis Nachfolger wird das Restaurant als "Mediteranee" neu eröffnen.

Herr Cereghini, warum ist Ihnen das Geld ausgegangen? Der Dichter Wolf Wondratschek sagt, das Essen sei nicht gut gewesen.

Bestellen Sie Herrn Wondratschek einen schönen Gruß, er hat keine Ahnung.

Wie haben Ihre Stammgäste reagiert?

Die waren alle sehr traurig. Einer hat zu mir gesagt: "Du hast mir meine Heimat weggenommen."

Und Helmut Dietl?

Der war auch sehr traurig. Er lebt ja jetzt in Berlin, aber er ist fast 30 Jahre immer hier gewesen, wenn er in München war.

Würden Sie ihn als Freund bezeichnen?

Das würde ich sagen. Ich lebe im Moment bei ihm, passe auf seine Münchener Wohnung auf.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Die guten Gespräche und die Freunde, die ich über die Jahre gesammelt habe. Es war immer jemand da, mit dem ich reden konnte: über Filme, über neue Projekte, über Edmund Stoiber - worüber man mit Freunden eben so spricht.

Nehmen Sie das Rossini-Leuchtschild mit nach Italien?

Nein, das hat mein Nachfolger gekauft, aber er darf es nicht im Restaurant aufhängen. Das wollte er aber auch gar nicht, der macht ja seine eigene Sache.

Wollen Sie irgendwann zurück nach Deutschland kommen?

Langfristig will ich in Italien bleiben, weil es meine Heimat ist. Außerdem ist das Wetter schöner.

Glauben Sie, dass es noch einmal so ein Restaurant wie das "Romagna Antica" geben kann?

Ich glaube, diese Zeiten sind vorbei sind. Das war konservativ von der Küche, konservativ von den Gästen, konservativ von mir.

Warum hat das "Romagna Antica" lange so gut funktioniert, was war Ihr Konzept?

Wir haben einfach aufgemacht und das Beste daraus gemacht. Heute haben immer alle ein "Konzept". Ich weiß nicht, ob sich viele der italienischen Restaurants in Deutschland auch in Italien halten könnten. Obwohl: Vielleicht denken die Italiener dann, das ist typisch deutsches Essen.

Interview: Inga Leister

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