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"Schwesterherz": Abgesang auf die Spaßgesellschaft

Der neue Film von Regisseur Ed Herzog ist ein Porträt zweier Schwestern, deren Wertvorstellungen weit auseinander liegen. In "Schwesterherz" spielt Heike Makatsch eine Frau, die von ihrer kleinen Schwester das Erwachsenwerden lernt.

Das Leben der Musikmanagerin Anne (Heike Makatsch) scheint perfekt: Sie hat einen coolen Job in der Musikbranche, eine schicke Wohnung und einen lässigen Freund (Marc Hosemann), mit dem sie die Nächte durchfeiert. Doch in einem gemeinsamen Urlaub mit ihrer kleinen Schwester Marie (Anna Maria Mühe) bröckelt die schöne Fassade. Ohne ihr hektisches Umfeld wird die scheinbar so taffe Karrierefrau, die ungewollt schwanger ist, gezwungen, über ihr Leben nachzudenken. Langsam erkennt sie, wie oberflächlich, fremd gesteuert und einsam sie innerlich ist - und dass sie endlich erwachsen werden muss.

"Schwesterherz", der neue Film von Ed Herzog ("Almost Heaven", 2004) ist ein Porträt über zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während die 33 Jahre alte Anne das rastlose Leben eines Ex-Girlies führt, in dem es nur Spaß und Karriere zu geben scheint, hegt ihre 18 Jahre alte Schwester ernstere Pläne. Nach dem Abitur möchte sie Agraringenieurin werden und Brunnen in Afrika bauen. In dem gemeinsamen Urlaub im spanischen Benidorm prallen diese unterschiedlichen Lebenskonzepte aufeinander und die Schwestern erkennen, wie wenig sie doch von einander wissen.

Unausgeglichene und unglückliche Karrierefrau

Heike Makatsch spielt die Anne als überdrehte, unausgeglichene und unglückliche Karrierefrau. Ihre Selbsterkenntnis ("Ich reiß mir den Arsch auf für etwas, das ich nicht mag") ist ein schmerzhafter Prozess bis zum totalen Zusammenbruch. Anna Maria Mühe verleiht Marie dagegen von Anfang an die Ruhe und Stärke, die ihrer großen Schwester fehlt. Zunächst noch voller Bewunderung, fragt sie am Ende nur noch: "Warum bist du eigentlich so destruktiv? Ist die Welt so scheiße, in der du lebst?"

Die reduzierte Farbgebung und die vorrangig verwendete Handkamera (Sebastian Edschmid) vertiefen die eher gedrückte Stimmung des Films. Die Hochhäuser und die leeren Strände des spanischen Ferienortes unterstützen die innere Leere der Hauptfigur. Die Spannung liegt allein in der Entwicklung der Figuren - und das ist vielleicht auch das Manko des ansonsten handwerklich und schauspielerisch gut gemachten Films. Denn dass im Leben der Anne einiges im Argen liegt, ist dem Zuschauer ziemlich schnell klar.

Werte jenseits der Spaßgesellschaft

Heike Makatsch, früher selbst Girlie, heute Mutter einer Tochter, hat zusammen mit der Journalistin Johanna Adorjàn auch das Drehbuch verfasst. Für sie ist Annes Geschichte "eine ehrliche Deskription der Problematik einer neuen Generation. Aus Angst davor, den Schritt in die Zeit jenseits der Jugendlichkeit und dafür ins Erwachsensein zu wagen, klammert sie sich zu lange an die Steckenpferde, die sie zehn Jahre früher noch attraktiv gemacht haben. Und heute eigentlich nur noch unglücklich." Ob dem so ist, muss der Zuschauer selbst entscheiden. Aber mit Anfang/Mitte 30 sollte eigentlich jeder begriffen haben, dass es noch andere Werte im Leben gibt - jenseits der Spaßgesellschaft.

Carola Große-Wilde/DPA / DPA