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"The Reaping": Wenn Frösche fliegen und Flüsse bluten

Im Film "The Reaping" versucht Hilary Swank als ehemalige Priesterin, die der Kirche schon lange abgeschworen hat, eine Kleinstadt vor den zehn biblischen Plagen zu beschützen. Und gerät dabei in einen Kampf mit sich selbst.

Von Felix Disselhoff

"Da sprach der Herr zu Mose: Recke deine Hand, dass Heuschrecken auf Ägyptenland kommen und alles auffressen, was im Lande wächst." So heißt es im Alten Testament. In Stephen Hopkins neuem Okkult-Thriller muss sich die ehemalige Missionarin und Universitätsprofessorin Katherine (Hilary Swank), die nach der Ermordung ihrer Familie den Talar abgelegt hat, gleich allen zehn Plagen stellen. Als Reaktion auf diesen Schicksalsschlag hat sie sich zur führenden Expertin für die Widerlegung religiöser Phänomene entwickelt: Weinende Statuen, vermeintliche Stigmata und Marienerscheinungen.

Doch als sie dem Hilferuf des Lehrers Doug (David Morrissey) in die Kleinstadt Haven im tiefsten Süden Amerikas folgen, müssen Katherine und ihr Partner Ben (Idris Elba) feststellen, dass sich nicht alle Naturerscheinungen rational erklären lassen. In dem von der Außenwelt abgeschnittenen Städtchen stirbt ein Kind und das Wasser des Flusses verwandelt sich in Blut. Eine Plage nach der anderen bricht über das Land herein und droht, sich auf die Welt auszubreiten.

Erstmals in ihrer Laufbahn findet Katherine keine wissenschaftliche Antwort. Die eingeschworene Gemeinde glaubt, die kleine Loren (Anna Sophia Robb) sei verflucht und bringe den Zorn Gottes über die Stadt. Selbst ihre eigene Mutter will sie tot sehen. Katherine erinnert sie aber an ihre Tochter, die während einer Mission von abergläubischen Eingeborenen geopfert wurde. So wird die Suche nach dem Mädchen in den entlegenen Sümpfen Louisianas zu einem Trip durch Katherines dunkle Vergangenheit. Der Grat zwischen Glaube und Aberglaube scheint gefährlich schmal.

Dreharbeiten zwischen Katrina und Rita

Auf der Suche nach dem idealen Schauplatz sah sich das Filmteam um Regisseur Hopkins in Louisiana um. Als Drehort diente das kleine Örtchen St. Francisville. Schon die Stadtgeschichte schien zum Film zu passen: Vor über einem Jahrhundert wurde der Ort durch ein Hochwasser komplett zerstört. Nach der Überschwemmung zogen die Einwohner auf einen Hügel, weg von den Sümpfen.

Doch auch bei den Dreharbeiten spielte das Wetter nicht mit. Die Hurrikans Katrina und Rita zogen über das Land. Die Schauplätze wurden nur unwesentlich beschädigt, aber viele der Mitwirkenden hatten mit persönlichen Verlusten zu kämpfen; "Der erste Drehtag danach war sehr bewegend. Viele brachen in Tränen aus. Aber grundsätzlich waren wir uns einig, dass wir bleiben und die Menschen in der Region beim Wiederaufbau unterstützen mussten", erinnert sich Produzent Herb Gains.

Erschreckend oder schrecklich?

Nicht nur im von Heuschrecken und der Pest geplagten Haven müssen die Gesetze der Logik neu formuliert werden. So strotzt das Werk vor erschreckenden Bildern, krankt aber an mangelnder Atmosphäre und Lücken in der Story: Dass Katherines Mann ebenfalls ermordet wurde, lässt sich erahnen, wird im Film aber nicht gezeigt. Katherines Kampf mit ihrer eigenen Erinnerung geht in den bedrohlich inszenierten Plagen einfach unter.

Trotzdem ist den Machern ein guter Schocker gelungen. Obwohl hinter der nächsten Ecke allzu berechenbar der nächste Schrecken lauert, zuckt man immer wieder zusammen. Doch das ist das große Problem mit diesem Film. Er ist einfach zu berechenbar. Allwissende Kinder, eigenbrötlerische Südstaatler und jede Menge religiöser Symbole hat man einfach schon zu Genüge gesehen.

Ein typisches "Dark Castle"-Produkt

Eben ein typischer Horrorstreifen aus den "Dark Castle"-Filmstudios, die sich nach Thrillern wie "Gothika" mit Halle Berry dem Genre treu bleiben. Dark Castle Entertainment wurde 1999 von den Produzenten Joel Silver (The Matrix) und Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft) gegründet, um für die große amerikanische Film- und Fernsehgesellschaft Warner Bros. regelmäßig Horrorfilme zu produzieren. Wer aber schon an "The Village" oder "Silent Hill" keinen Gefallen fand, wird diesen Film nicht genießen können.

Hilary Swank ist unterfordert

Dass sich eine Charakterdarstellerin wie Hilary Swank für solch eine dünne Story hergegeben hat, verwundert da umso mehr. Zumal sie das Drehbuch für "The Reaping" kurz vor ihrer Oscar-Auszeichnung für "Million Dollar Baby" gelesen hat. "Ich konnte es nicht aus der Hand legen. Ich habe mich echt gegruselt, wobei die Story sehr klug und dramatisch aufgebaut ist", erinnert sich die zweifache Oscargewinnerin.

Auf ihre Rolle als skeptische Theologin hat sie sich eingehend vorbereitet: "Ich habe eine Menge Bücher über die Entlarvung von Mythen gelesen. Auch die Bibel. Es war äußerst interessant, sich mit dieser Welt zu beschäftigen und mitzuerleben, wie die einen von der Wissenschaft angespornt werden und die anderen vom Glauben." Doch gerade, weil sie all ihre Rollen so facettenreich und detailgetreu spielt, wünscht man ihr eine Rolle mit mehr Tiefgang. Die wenigen trockenen Monologe über falsche Plagen verleihen dem Film und ihrer Rolle leider nicht die nötige Tiefe. Sie macht das Beste aus ihrer Rolle als schicksalsgebeutelte Mutter, wirkt aber einfach unterfordert.

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