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Witherspoon & Co. - die Heuchler aus Hollywood: Mit Schlangentasche zum Shopping

Ausgerechnet die bekennende Tierschutz-Verfechterin Reese Witherspoon stolziert mit einer Handtasche aus Schlangenleder durch Los Angeles. Die Schauspielerin reiht sich damit nahtlos in Hollywoods Heuchlertruppe ein.

Von Frank Siering, Los Angeles

Wenn Oscar-Gewinnerin Reese Witherspoon dieser Tage in Hollywood zum Shopping geht, dann greift sie gerne nach ihrer neuen Handtasche. Es ist ein "Chloe Paraty-Bag", und die ist aus Schlangenleder, Python, um exakt zu sein. Das teure Modeaccessoire hat in Los Angeles jetzt einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Nicht nur, weil Schlangenleder schon seit den 70er-Jahren in Kalifornien offiziell nicht mehr verkauft werden darf, auch, weil Witherspoon als öffentliche Person somit "Tierquälerei legitimisiert".

Das sagen zumindest die Vertreter der wohl bekanntesten Tierschutzorganisation in den USA, die "People for the Ethical Treatment of Animals" (Peta). Sprecherin Nicole Dao zur Schlangentasche von Witherspoon: "Egal, wie viel Reese für diese Tasche auch ausgegeben hat, die Tiere, die dafür sterben mussten, haben einen wesentlich höheren Preis gezahlt." Brisant ist dieser Zwischenfall insofern, da Witherspoon vor einigen Jahren eben von Peta zur "sexiest Vegetarierin" nominiert worden war und als großer Anhänger der Organisation gilt.

Und auch Witherspoons Kollege Joaquin Phoenix dürfte so seine Probleme mit dem Mode-Statement der frisch vermählten Schauspielerin haben. Fungierte Phoenix doch erst kürzlich als Sprecher für ein Undercover-Video von Peta, das als Kampagne gegen die Exotiktierindustrie genutzt wurde. Phoenix mit ernster Miene und vorwurfsvoll: "Jedes Jahr werden Millionen von Reptilien geschlachtet, damit aus ihnen Handtaschen, Gürtel und Schuhe gemacht werden können." Handtaschen auch für Frau Witherspoon.

Leonardo DiCaprio als CO2-Schleuder

Vegetarierin Witherspoon, die in Interviews schon häufig das grausame Abschlachten von Tieren als Grund für ihre Fleischaversion angegeben hat, scheint ihre Loyalität für die Tierschützer beim Anblick der 4000 Dollar teuren Schlangen-Handtasche kurzerhand vergessen zu haben. Und drückt doch nur in trauriger Art und Weise erneut die heuchlerische Doppelmoral in Hollywood aus, wenn es darum geht, losen Worthülsen echte Taten folgen zu lassen.

Leonardo DiCaprio, auch einer jener Stars, der keine Gelegenheit auslässt, die "Verbrechen an unserer Umwelt" anzuprangern, fliegt, ­ so musste er während einer Pressekonferenz zugeben,­ kaum noch Linie. Wenn es der 36-Jährige verlangt, wartet meist ein vollgetankter Privatjet auf den viel beschäftigten Mimen am Santa Monica Airport und düst ihn schnell zum nächsten Set. Der CO2-Ausstoss beim Start der Jetdüsen macht Leos Hybrid-Vehikel, mit dem er zum Flughafen tuckert, damit schnell zum unwichtigen Nebendarsteller.

Hilary Swank fliegt für 1,5 Millionen zu Diktator

Und auch Hilary Swank reihte sich unlängst in Hollywoods-Heuchlertruppe ein. Die bekennende Humanistin und Verbalposaunistin, wenn es um die Verletzung von Menschenrechten geht, ließ sich kürzlich nach Tschetschenien einfliegen, um dem Despoten Ramsan Kadyrow mal eben schnell alles Liebe zum Geburtstag zu wünschen -­ für die Gage von 1,5 Millionen Dollar, versteht sich.

Als die zweifache Oscar-Gewinnerin auf die mutmaßlichen Gräueltaten des tschetschenischen Diktatoren angesprochen wurde, tat ausgerechnet sie - die sich sonst gerne damit brüstet, immer "bestens vorbereitet" zu sein - zunächst ahnungslos. Wieder in Los Angeles gelandet und einem Mediensturm ausgesetzt, feuerte das Million Dollar Baby erst einmal sein gesamtes Management. Das liberale Image von Swank bleibt dennoch arg angekratzt.

Ob nun auch Reese Witherspoon nach den jüngsten Peta-Attacken ähnlich reagieren oder zumindest die Schlangen-Handtasche im Schrank lassen wird, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass die Oscargewinnerin in absehbarer Zeit wohl keine Nominierung für ihren Kampf gegen die Tierquälerei erhalten dürfte.