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Busen-Song von MacFarlane: Der Herrenwitz erreicht die Oscars

Er ist für den Einzug des Busen-Humors bei den Oscars verantwortlich: Moderator Seth MacFarlane schockiert mit seinem "We Saw Your Boobs"-Song das prüde Hollywood. Sexismus oder lustig?

Von Jens Maier

Er wird als vulgärster Moderator aller Zeiten in die Oscar-Geschichte eingehen: Seth MacFarlane schockierte bei der Verleihung der Academy Awards mit derben Sprüchen nicht nur Hollywood, sondern die US-Fernsehnation. Vor allem sein Herrenwitz über nackte Brüste von Hollywoodschauspielerinnen erhitzt die Gemüter.

"We Saw Your Boobs" (Wir haben deine Möpse gesehen) heißt das Lied (der Link zum Video), mit dem MacFarlane gleich zu Beginn der dreistündigen Live-Übertragung seinem Bad-Boy-Image gerecht wurde. In einer nicht enden wollenden musikalischen Aufzählung besang der 38-Jährige die "Möpse" von Meryl Streep, Naomi Watts, Angelina Jolie, Halle Berry, Charlize Theron oder Kate Winslet. Von der Show-Bühne des altehrwürdigen Dolby Theatres hallte es dazu von einem schwulen Männerchor:

Wir haben deine Möpse gesehen
Wir haben deine Möpse gesehen
In dem Film, den wir geschaut haben, haben wir deine Möpse gesehen.

MacFarlane nimmt das prüde Hollywood aufs Korn

Die so besungenen Damen saßen teilweise im Publikum. Zum Beispiel Charlize Theron, die sich bei der Textzeile "Und in 'Monster' sahen wir die Möpse von Charlize Theron" angewidert zu ihrem Sitznachbarn drehte. Doch ihre Empörung war nur gespielt. Die Südafrikanerin war eingeweiht und tanzte nur wenige Minuten später selbst neben MacFarlane auf der Bühne und nahm sich damit selbst und die Doppelmoral der prüden Hollywood-Filmindustrie aufs Korn.

MacFarlanes Gesangsdarbietung war zum einen eine Verballhornung auf das Musical-Genre, das mit der Verfilmung von "Les Misérables" in Hollywood einen neuen Boom erlebt. Zum anderen eine Anspielung auf die Filmindustrie Amerikas, die von meist extrem konservativen Männern beherrscht wird, sich aber nicht zu schade ist, mit nackten Tatsachen Kasse zu machen. Doch die Ironie, die in dem Song steckte, fand nicht jeder lustig.

Kritiker werfen dem Moderator Sexismus vor

Die Witze seien "sexistisch" und "anzüglich" gewesen und "ein schlechtes Beispiel für Kinder", wirft die Publizistin Angie Meyer dem Moderator vor. Marlow Stern, Autor der Nachrichtenseite "The Daily Beast", geht sogar noch weiter: Der Abend mit MacFarlane sei eine "vollkommene Katastrophe" gewesen. Ein Programm mit dem Humor von "kindischen 12-Jährigen" und mit dümmlichen, rassistischen und sexistischen Anspielungen und schlechten Nazi-Witzen. Denn MacFarlane riss nicht nur Zoten über Busen, sondern lieferte auch eine Anspielung auf Hitler.

War Seth MacFarlane der schlechteste Oscar-Moderator aller Zeiten? Viele weibliche Fans verteidigen ihn gegen den Vorwurf des Sexismus. "Ich fand ihn umwerfend. Die Leute müssen lernen zu verstehen, was Satire ist", kommentiert eine Leserin der "Huffington Post" seinen Humor. "Political correctness" sei der Tod der Satire, findet eine andere. "Comedians machen über alles Witze. Kommt drüber hinweg."

Die Produzenten der Oscar-Show schweigen sich bislang über ihren Moderator aus. Dabei hat MacFarlane genau den Skandal geliefert, den sie von vornherein einkalkuliert hatten, um nach sinkenden Einschaltquoten im vergangenen Jahr bei jüngeren Zuschauern ins Gespräch zu kommen. Dass er mit seinem Humor die Grenze des guten Geschmacks übertreten würde, war von vornherein klar. Trotzdem wird es vermutlich MacFarlanes erste und letzte Oscar-Moderation gewesen sein. Im nächsten Jahr darf wieder Langeweile einkehren. Ironiefrei und ohne Busen-Songs.