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"Von Löwen und Lämmern": Robert Redfords unbequeme Abrechnung

Der dienstälteste Liberale Hollywoods, Robert Redford, geht als Regisseur, Hauptdarsteller und Produzent gleich an drei Fronten zur Sache. Mit dem Politdrama "Von Löwen und Lämmern" holt er zum Generalschlag gegen Medien, Regierung und Amerikas Einwohner aus.

Redford rechnet ab: Mit Machthunger, Kriegslust und Inkompetenz in Washington, mit antriebslosen Studenten, unkritischen Journalisten und der Fernsehverdummung. Das wortlastige Drama über Amerikas Krieg, die Medien und die Jugend zieht an drei Handlungssträngen. Redford selbst spielt einen kalifornischen Soziologie-Professor, der einen smarten aber desillusionierten Studenten (Andrew Garfield) mit einem Wort-Duell zum Handeln auffordert.

In Washington liefert er eine liberale TV-Journalistin (Meryl Streep) einem charismatischen republikanischen Senator (Tom Cruise) in die Hände. Der will die skeptische und zugleich ehrgeizige Reporterin mit einem Exklusivinterview um den Finger wickeln und sie als Sprachrohr für eine neue militärische Strategie in Afghanistan gewinnen. Dort kämpfen zwei junge Studenten, ein Schwarzer (Derek Luke) und ein Latino (Michael Pena) freiwillig gegen die Taliban. In der Heimat wird mit Worten gefeuert, während die beiden Frontkämpfer in einem verschneiten Gebirge unter Beschuss geraten.

Zeigefinger für die Teilnahmslosen

"Was für ein Problem hat Redford mit Amerika?", fragte prompt ein konservativer Kolumnist beim Sender FoxNews. "Ich habe nur das Problem, dass ich Amerika sehr liebe und es nicht ertragen kann, was sie damit anstellen", konterte Redford im dpa-Gespräch in San Francisco. Mit "sie" ist die Regierung in Washington gemeint und da nimmt Redford kein Blatt vor den Mund. "Cruise (in der Rolle des Senators und engen Bush-Freundes) hat eine sehr enge Sichtweise, genau wie unsere derzeitige Administration, die sehr einspurig und ideologisch denkt und keine anderen Denkweisen erlaubt." Dies habe die amerikanischen Werte in den letzten Jahren ruiniert.

Redford selbst erhebt in der Rolle des unangepassten Professors den Zeigefinger. "Es scheint, als ob die jungen Leute in den letzten 10, 15 Jahren teilnahmsloser und zynischer geworden sind, vielleicht mit gutem Grund", klagt der Filmemacher. Unter dieser Regierung halte er es für sehr gefährlich, wenn der Nachwuchs sich nicht engagiere. Seine Lehrerqualitäten stellt Redford mit einem Augenzwinkern in Frage. "Als Lehrer wäre ich wie versteinert", räumt er im Interview ein. "Ich bin selbst schließlich aus der Schule geflogen, hoffe aber, das dies nicht in irgendwelchen Biografien auftaucht."

Der heute 71 Jahre alte Star wurde schon 1972 auf der Leinwand politisch, als Hauptdarsteller in der Polit-Satire "Bill McKay - Der Kandidat", dann mit Dustin Hoffman als "Watergate"-Spürhunde der Washington Post in dem Drama "Die Unbestechlichen" (1976), die Richard Nixon zu Fall brachten. Als Regisseur der "Quiz Show - Der Skandal" beleuchtete er 1994 einen Fernsehskandal der 50er Jahre.

Gemischte Kritik für Redford und Cruise

Redford und Cruise, die "Von Löwen und Lämmern" kürzlich beim Filmfest in Rom vorstellten, konnten bei den italienischen Kritikern wenig punkten. Auch in den USA sind die ersten Kommentare gemischt. Das Fachblatt "Variety" mokiert sich über eine "Star-lastige lange Rede, mit vielen Worten aber wenig Neuem", während der "Hollywood Reporter" lobt: "Politiker, die Medien, Pädagogen, Militärführer und das fügsame Volk kommen allesamt unter Beschuss, in einem gut gemachten Film, der keine Antworten gibt, aber viele Fragen aufwirft." Ob das amerikanische Publikum Redfords Mühe honoriert, ist noch offen. Der Streifen läuft erst am 9. November in den USA an.

Redford packt schon das nächste politisch-brisante Thema an. "Variety" zufolge wird der Hollywoodstar die Regie des Films "Against All Enemies" übernehmen, der auf den gleichnamigen Memoiren von Richard A. Clarke basiert. Clark, der frühere Anti-Terror-Berater von US-Präsident George W. Bush, wirft darin der US-Regierung vor, die Bedrohung durch das Terrornetz El-Kaida ignoriert und selbst nach den Angriffen vom 11. September 2001 den Irak zur wichtigeren Zielscheibe gemacht zu haben.

Barbara Munker/DPA / DPA