"Weber"-Inszenierung Von der Textzeile zum Theaterstreit


Sabine Christansen fühlt sich von einer Textzeile in der Dresdner "Weber"-Inszenierung verletzt und will sie verbieten lassen. Jetzt hat auch der Verlag, der die Aufführungsrechte besitzt, eine Einstweilige Verfügung eingereicht.

Der Streit um die Dresdener Inszenierung des Gerhart-Hauptmann-Stücks "Die Weber" und die darin enthaltene Passage über die ARD-Moderatorin Sabine Christiansen zieht offenbar immer weitere Kreise. Nach Christiansen selbst soll jetzt auch der Bühnenverlag Felix Bloch Erben, der die Aufführungsrechte an dem Stück besitzt, eine Einstweilige Verfügung eingereicht haben, wie Christiansens Anwalt Christian Schertz am Sonntag der Nachrichtenagentur AP sagte. Der Anwalt des Bühnenverlags habe ihn angerufen und ihm dies mitgeteilt, sagte Schertz.

Im Falle der von der ARD-Moderatorin beantragten Einstweiligen Verfügung will das Dresdener Landgericht laut Schertz am Montag den Termin der mündlichen Verhandlung bekannt geben. Er habe um den Mittwoch gebeten, da am Donnerstag die nächste "Weber"-Aufführung auf dem Programm stehe.

Persönlichkeitsrecht verletzende Formulierung

Christiansen geht es nach Angaben ihres Anwalts nicht um ein Verbot der Aufführung an sich, sondern lediglich um ein Verbot der konkreten, ihr Persönlichkeitsrecht verletzenden Formulierung. In der modernen Inszenierung von Regisseur Volker Lösch heißt es in einem Dialog von Betrunkenen und Verzweifelten: "Wen ich sehr schnell erschießen würde, das wäre Frau Christiansen, weil sie so oft die Chance gehabt hätte, eben diese Leute auch wirklich zu schlagen, diese ganzen alten blöden Männer".

Der Intendant des Staatsschauspielhauses, Holk Freytag, hatte sich noch am Freitag dagegen gewandt, aus dem Stück etwas herauszunehmen oder einzelne Zitate aus dem Zusammenhang zu reißen.

"Die Weber" hatten schon bei der Premiere Anfang November in Dresden für Aufsehen gesorgt, weil der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt in einer Szene von Amateurschauspielern als "dumme Sau" bezeichnet wurde. An anderer Stelle wird auch Bundeskanzler Gerhard Schröder mit Schimpfwörtern bedacht.

AP/DPA AP DPA

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