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60. Geburtstag: Robert de Niro: Ein New Yorker Chamäleon in Hollywood

Die große Besessenheit, mit der er seine Verwandlungen perfektionierte, wird nur noch selten herausgefordert. Das Schauspieler-Genie wird 60 Jahre alt.

Als Mafioso war er herausragend. Aber auch als Boxer oder Taxifahrer, Kriegsveteran oder Baseballfan, Aristokrat oder Jazzmusiker hat Robert De Niro das Kinopublikum begeistert. Am 17. August wird der «Rollenfanatiker», den die amerikanische Filmkritik längst mit Altmeister Marlon Brando auf eine Stufe stellt, 60 Jahre alt.

Seine enorme Wandlungsfähigkeit trug ihm den Beinamen «Chamäleon» ein. «Das Wunderbare am Schauspielerberuf ist für mich, dass ich verschiedene Leben haben kann, ohne deren reale Risiken eingehen zu müssen», sagte De Niro einmal. Größten Respekt rang er der Fachwelt durch die akribische Gründlichkeit ab, mit der er sich auf Rollen in so unvergessbaren Filmen wie «Der Pate II», «Taxi Driver», «New York, New York», «Die durch die Hölle gehen» oder «Wie ein wilder Stier» vorbereitete.

Fast ein Jahr lang trainierte er bei Jake La Motta, um diese Boxerlegende so glaubwürdig wie möglich darstellen zu können. «Ich wollte unbedingt diese Art sich zu bewegen ganz genau treffen», erzählte De Niro. «Die Sache mit dem Gewicht ist allerdings ziemlich aufgebauscht worden.» Aufgebauscht oder nicht - dass De Niro wochenlang Fettes in sich hineinstopfte und 25 Kilogramm zunahm, nur um in der zweiten Hälfte von «Wie ein wilder Stier» den gealterten La Motta authentisch geben zu können, gehört zu Hollywoods unausrottbaren Legenden. Für den Film in der Regie von Martin Scorsese wurde er 1981 als bester Hauptdarsteller mit einem Oscar ausgezeichnet.

Mehrfach Oscar-gekrönt

Seinen ersten Oscar hatte er 1975 als bester Nebendarsteller mit Francis Ford Coppolas «Der Pate II» gewonnen. Auch um diesen Film ranken sich De-Niro-Anekdoten. Der große Brando hatte die Rolle des Mafiosi Corleone bereits geprägt, in die De Niro nun schlüpfen musste. Er ging zum Zahnarzt von Brando und ließ sich ein ähnliches Gebiss machen, um dessen Nuscheln besser andeuten zu können. Obendrein übte er mit einem sizilianischen Lehrer den richtigen Akzent.

Abkassieren und schnell weg

«Eine Darbietung Robert De Niros zu beobachten, ist wie die Teilnahme an einem Meisterlehrgang der Schauspielkunst», lobte das Amerikanische Filminstitut (AFI), das den Star zum 60. mit dem AFI-Lebenswerkpreis ehrte. Für so manchen seiner jüngeren Filme wollen Kritiker das nicht uneingeschränkt gelten lassen. Bei «15 Minuten Ruhm» oder «Reine Nervensache» kam schon der Eindruck auf, dass sich der Weltstar gesagt haben könnte «Nimm die Millionen und schnell weg damit».

Engagement für Filmfestival

Eine Reihe von gut bezahlten Rollen soll De Niro tatsächlich nur für die Finanzierung seiner TriBeCa Productions und seines ebenfalls nach dem New Yorker Viertel benannten Filmzentrums übernommen haben. Großzügig unterstützt der Star auch das jährliche TriBeCa-Filmfestival. Er hatte es nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 initiiert, um bei der Wiederbelebung der wirtschaftlich angeschlagenen Gegend im Süden von Manhattan zu helfen.

In den Fußstapfen Marlon Brandos

Durchaus nicht zufällig ist der «Big Apple» Schauplatz vieler De-Niro-Filme. Als kleiner Junge war der gebürtige New Yorker Stammgast des Kinos «Laugh Movie» an der 42. Straße von Manhattan. Um seinen Traum vom Schauspielerberuf wahr werden zu lassen, verzichtete De Niros Mutter auf einen Teil ihres Lohns als Schreibkraft bei Maria Ley und Erwin Piscator. Dafür bekam Robert als Kind in Piscators «Dramatic Workshop» jeden Samstag Schauspielunterricht. Vor ihm hatte dort schon Marlon Brando einiges gelernt.