Agentenfilm-Parodie "Kiss & Kill" Seicht, aber herzlich


Zu ernst sollte der Zuschauer "Kiss & Kill", die neue Actionkomödie von Regisseur Robert Luketic, nicht nehmen. Aber wenn Ashton Kutcher als ehemaliger Top-Spion seiner Angetrauten im Kugelhagel seine Vergangenheit gestehen muss, ist zumindest eins garantiert: gute Popcorn-Unterhaltung.

Mit ihren Eltern reist Jen an die französische Riviera, um ihren Verflossenen zu vergessen. Kaum im Luxushotel angekommen, begegnet sie dem überaus schnuckeligen Spencer. Auch der vermeintliche Traumprinz verliebt sich in die patente Blondine, die jedoch nicht weiß, dass Spencer ein Profikiller ist. Erst Jahre nach der Heirat erfährt sie in der romantischen Actionkomödie "Kiss & Kill" (deutscher Kinostart: 5. August) die Wahrheit - hat aber kaum Muße, sich darüber aufzuregen.

Wer nun an das zurzeit laufende Actionspektakel "Knight & Day" oder an "Mr. & Mrs. Smith" denkt, liegt nicht falsch. Komödienspezialist Robert Luketic ("Natürlich blond") hält jedoch in puncto Logik und Anspruch den Ball flach. Schon die rasante Ouvertüre seiner Komödie, in der Topspion Spencer an der malerischen Cote d'Azur herumballert und in den Pausen Jen den Hof macht, ist als gut gelaunte Agentenparodie inszeniert. Spencer hat denn auch mehr Respekt vor Jens Vater, einem grimmig blickenden Kontrollfreak, als vor hartgesottenen Killermaschinen.

Ist Papa erst mal überzeugt, taucht der berufsmüde Topagent Spencer begeistert in die amerikanische Suburb ab und führt als kleiner Bauunternehmer an der Seite der mätzchenfreien Jen ein geruhsames Normalo-Leben zwischen Supermarkt, Büro und Barbecue. Doch spätestens nach seinem 30. Geburtstag stellt sich schlagartig heraus, dass sich in dem schläfrigen Vorort ein paar Schläfer zuviel befinden. Verfolgt von unzähligen Auftragskillern, muss das Paar inmitten des Kugelhagels dringend über seine Beziehung reden.

Beziehungsgespräche im Kugelhagel

Dabei verströmt die turbulente Actionromanze dank gut getimter Handlungstwists und gepfefferter Dialoge erheblich mehr Charme als Cruise & Co in "Knight and Day". Frauenschwarm Ashton Kutcher als ausstiegswilliger Topspion, dem es gar nicht spießig genug zugehen kann, harmoniert recht passabel mit Katherine Heigl, in der sich der Geist von Doris Day im Körper einer Sexbombe materialisiert. Wer Nicht-Schauspieler Ashton Kutcher als Second-Hand-James-Bond ernst nimmt, ist selbst dran schuld - und Heigl versteht sich seit jeher sehr gut darin, ihre Doofi-Rollen mit einer süßsauren Miene zu garnieren.

Neben den beiden Turteltauben, die sich seit Jahren erfolgreich in Hollywoods B-Liga tummeln, setzen viele furchtbar nette Film-Nachbarn ihre Duftmarken und verleihen dem albernen "Trau-schau-wem"-Treiben einen Hauch von schwarzem Humor. Eine willkommene Überraschung ist TV-Altstar Tom Selleck, bekanntgeworden als Detektiv "Magnum", als zackig schnauzbärtiger Schwiegervater; die stets zuverlässige Nebendarstellerin Catherine O'Hara gibt seine trinkfreudige Gattin. Selbst wenn diese ehelichen Abenteuer so viel Nährwert wie eine Tüte Kartoffelchips haben, reicht es doch für 100 amüsante Kinominuten aus.

Birgit Roschy, APN APN

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