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Das Remake und der Hass: "Ghostbusters" - der meistgehasste Film des Jahres

Die Neuverfilmung von "Ghostbusters" macht einigen Jungs offensichtlich Angst. Wer hätte gedacht, dass eine Actionkomödie über Geisterjäger und Ektoschleim eine Krise des Internets herbeiführen könnte?

Von Sophie "Holtzmann" Albers Ben Chamo

Ghostbusters - Melissa McCarthy, Leslie Jones, Kate McKinnon und Kristen Wiig

Witzig, stoffelig, nerdig: die neuen Ghostbusters Melissa McCarthy, Leslie Jones, Kate McKinnon und Kristen Wiig

Vier Frauen tun sich zusammen, um New York vor einer Geister-Apokalypse zu bewahren. Es gibt Ektoschleim, Monster, coole und uncoole Sprüche und viel zu lachen in Paul Feigs Hommage an das Geisterjäger-Original "Ghostbusters" von 1984. Eine fröhlich-wilde, nostalgische Sommerkomödie, sollte man meinen. Falsch gedacht: Seit der Bekanntgabe, dass es ein Remake geben wird, wächst ein stinkender Haufen Hass im Netz. Genauer gesagt: Frauenhass. Und das führt zu einem interessanten Schluss. (Wenn Sie einfach nur die Kritik lesen wollen, scrollen Sie bitte bis: "Ich will einfach nur die Kritik lesen")

Ghostbusters Plakat


Damit Sie wissen, wie sehr es stinkt: Abgesehen davon, dass der Film und alle Mitwirkenden exzessiv beschimpft werden - von selbstredend anonymen Trolls, aber auch in Foren mit Millionen-Following - und der Trailer der meistgehasste in der Geschichte von Youtube ist. (Buch und Umschlag, Sie wissen schon), zeigt vor allem der Umgang mit Leslie Jones, wie ernst die Lage ist. 

Jones, eine der Darstellerinnen und brillante "Saturday Night Live"-Komikerin hat ihren Twitter-Account vorübergehend gelöscht, weil sie zum Ziel Hunderter unbegreiflich ekelhafter rassistischer und frauenhassender Beleidigungen geworden ist. Über Wochen. Weil sie in einem Film mitspielt. Selbst wenn Sie Ihrer Fantasie freien Lauf ließen, Sie kämen nicht drauf, welch krankes Zeug manchen Hirnen entspringt, die - ganz genau - einen Film nicht mögen.

Des Slimers Kern

Im internationalen Feuilleton wurde das Thema politisch betrachtet. Die sozialen Medien wurden mal wieder aufgefordert, ihre Trolle unter Kontrolle zu bringen. Und es wurde auch die Frage gestellt, was dieser geballte Hass eigentlich für die Internet-Ära bedeutet. Aber vor allem eine bisher unerwähnte Erkenntnis drängt sich auf, und die hätte, - wenn sie denn endlich mal groß zum Thema gemacht würde, was aber nicht passieren wird, weil das Internet ein Geldesel ist - durchschlagende Konsequenzen:

Das Internet ist kein Abbild der Gesellschaft. Punkt. Es ist vor allem die Spielwiese weißer, verbitterter Jungs. Das weiß eigentlich jeder, der jemals mit Kommentaren in Berührung gekommen ist. Natürlich nutzen auch gutgelaunte, wundervolle Menschen jedes Hauttons das Netz. Aber das sind nicht die, die ihm immer wieder eine Stimme geben. Und weil das Netz ein allein von wirtschaftlichen Interessen getriebener Raum ist, wird es auch so bleiben. Jedes einzelne Unternehmen - vom Browser über die Suchmaschine bis zum Endgerät - will Geld machen. Und das verdient man vor allem mit den weißen, verbitterten Jungs. Nur mal so am Rande. (Und jede verdammte Pöbel-Nachricht wird ungelesen gelöscht) 

"Ich will einfach nur die Kritik lesen"

Kommen wir endlich zum Wesentlichen: Taugt "Ghostbusters" was? Ein entschiedenes Ja! Melissa McCarthy, Leslie Jones und Kristen Wiig sind genauso nerdig, stoffelig und witzig wie ihre so heiß verehrten Vorgänger Bill Murray und Dan Aykroyd, die Cameo-Auftritte haben und den Film loben - Aykroyd hat ihn sogar co-produziert. Aber eine stiehlt allen die Show: "Saturday Night Live"-Star Kate McKinnon als Techno-Nerd mit einem Schuss 007-Q Jillian Holtzmann. Sie rockt den Laden wie Harley Quinn das "Suicide Squad", nur besser. Denn Holtzmann überzeugt, ohne das Sexkitten raushängen lassen zu müssen. Das ist neu und einfach nur großartig! "Ihr wurdet soeben geholtzmannt!" Und apropos Sexkitten: Chris Hemsworth (ganz genau: Thor) hat eine große Karriere als Comedian vor sich. Das verspricht jedenfalls sein rasender Auftritt als Vollpfosten und Ghostbuster-Rezeptionist Kevin.

"Ghostbusters" ist ein gelungenes Remake

Remakes haben immer ein Problem, weil ihnen der Aufschlag des Originals fehlt, das eine neue Idee, neue Helden, eine neue Welt geschaffen hat. Aber der neue "Ghostbusters" ist solide, erfrischende Unterhaltung. Er wollte nie mehr sein.