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"Keine Lieder über Liebe": Heike Makatsch und der Bartwuchs

Mit "Keine Lieder über Liebe" hat ein mit Spannung erwarteter deutscher Film auf der Berlinale Weltpremiere gefeiert. Hauptdarsteller Jürgen Vogel stieg in der Nacht sogar noch als Sänger auf die Bühne.

Von Florian Güßgen

Der modische Mann trägt wieder Vollbart, zumindest beim jungen deutschen Film. Auf der Leinwand hat sich dieser Trend zwar noch nicht vollends durchgesetzt. Aber die Trendsetter, jene also, die bei Weltpremieren und Weltpremieren-Partys das Bild prägen, haben sich definitiv schon geeinigt: Etwas längere, fast schon zottelige Haare müssen es sein, mindestens Backenbart. Reinhold Messner, der Bergsteiger, könnte als Vorbild gedient haben, aber auch der jugendliche Paul Breitner.

"Keine Lieder über Liebe" heißt das Werk, das die deutsche Filmszene auf der Berlinale bewegte und das am Montagabend im Zoo Palast Premiere feierte. Regisseur Lars Kraume erzählt darin die Geschichte von Tobias (Florian Lukas), der glaubt, dass seine Freundin Ellen (Heike Makatsch) ihn mit seinem Bruder Markus (Jürgen Vogel) betrogen hat. Um herauszufinden, was zwischen den beiden wichtigsten Menschen in seinem Leben wirklich geschehen ist, beschließt er, er einen Dokumentarfilm zu drehen. Die Hamburger Band seines Bruders - "Hansen" - will er auf ihrer Deutschland-Tour filmen. Ellen soll ihn dabei begleiten, direkt mit Markus konfrontiert werden.

Amüsantes Beziehungsgeplänkel

Was als verwackelte Pseudo-Dokumentation beginnt, entwickelt sich schnell zum amüsanten, wenn auch immer noch verwackelten Beziehungsgeplänkel mit Gehalt. Gerade wenn die Makatsch girliehaft ausrastet, ist sie wunderbar komisch. Dass das Wort "ficken" vielleicht ein paar Mal zu oft vorkommt, wird durch die Gigs der Band wett gemacht. Vogel singt gar nicht schlecht. Sehen wollten das Werk am Montag fast alle, die irgendwie zur jüngeren deutschen Filmszene dazu gehören, Daniel Brühl ("Die fetten Jahre sind vorbei") zum Beispiel, Robert Stadlober ("Crazy") oder Goebbels-Darsteller Ulrich Matthes ("Der Untergang"). Sie alle klatschten Beifall, wenn auch nicht allzu frenetisch - als die Schauspieler sich auf der Bühne noch fotografieren ließen, zog das Publikum schon ab.

Hamburger "Astra"-Bier

Größer war die Begeisterung bei der Premierenfeier in einem alten Grand Hotel am Kurfürstendamm. Während sich alle Kameras auf Makatsch (mit Kriemhild-Zöpfchen), ihren Freund (Vollbart), und Vogel konzentrierten, konnte sich Regisseur Kraume vor Umarmungen kaum retten. Alt-Profi Otto Sander trank Astra, jene Biermarke also, die die Veranstalter passend zur Band "Hansen" extra aus Hamburg importiert hatten.

Kurz nach Mitternacht hatte der sympathische Vogel noch einmal einen großen Auftritt. Vor johlendem Publikum markierte er mit viel Spaß den Rocker, spielte mit "Hansen" noch einmal jene Lieder, die er auch im Film gesungen hatte.

Vogels Gitarrist trug, wenig überraschend, Vollbart. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der Bart auch wieder die Leinwand erobert, gefolgt von der gepflegten Männer-Handtasche aus braunem Leder.