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"The Good Shepherd": Der Strippenzieher in Berlin

Von vielen Fans am Roten Teppich erwartet: Robert De Niro kam zur Präsentation seines CIA-Epos "The Good Shepherd - Der gute Hirte" höchstpersönlich nach Berlin. Der vom Paten zum Hirten mutierte De Niro hatte Matt Damon und Martina Gedeck dabei.

Von Bianca Kopsch

Schauspieler, die auch Regie führen, sparen sich gern mal langwierige Erklärungen zur Botschaft ihres Films. Sie sind einfach Macher. Robert De Niro ist so einer. Hunderte von Journalisten warten bei der Pressekonferenz zu dem Spionagefilm "Der gute Hirte" gespannt auf die Antwort, was die Kernaussage seiner zweiten Regiearbeit ist, was er wirklich damit sagen will. Und alles, was er sagt, ist: "I don´t know!" Er lacht. Und gibt die Frage weiter an seinen Hauptdarsteller Matt Damon.

Ein gemeiner Trick vom einstigen Mafiaboss. "Das kann man nicht so einfach runterbrechen", windet sich Damon überrumpelt. Verlegenes Lächeln, verständnissuchende Handbewegung. "Genau!", bestätigt De Niro immer noch bester Laune. Kein Wort zuviel - das ist der Ruf, der dem Filmgangster vorauseilt. Und De Niro beherrscht seine Rolle. Die Stimmung im Saal steigt.

Doch ein paar Dinge möchte er dann doch preisgeben zu seinen Beweggründen, einen Film über die CIA zu drehen, den "mächtigsten Geheimdienst der Welt", wie es im Pressetext heißt. Als Kind des Kalten Krieges habe ihn diese Zeit schon immer fasziniert, sagt er. Bei seinen Recherchen zum Film tauchte er tief in die Spionagewelt ein. "Als Amerikaner möchte ich den amerikanischen Geheimdienst nicht kritisieren. Ich wollte mir nur mein eigenes Bild machen und das so realistisch wie möglich darstellen." Der graumelierte Oskarpreisträger gibt sich versöhnlich.

Gedeck lobt professionelle Arbeit in Hollywood

Schließlich kommt auch die deutsche Filmprominenz zu Wort. Martina Gedeck spielt in der amerikanischen Produktion eine kurze, aber prägnante Nebenrolle als Übersetzerin. Während der Pressekonferenz eher zurückhaltend in der Art, dafür auffällig im roten Blazer, möchte sie gegen Ende noch ein paar lobende Worte loswerden - für den Regisseur, amerikanische Produktionen und überhaupt... "Robert De Niro war kein Regisseur, der die ganze Zeit alles erklärt." Das glaubt man ihr sofort! "

Wir haben viel zusammen besprochen und die Szenen gemeinsam entwickelt." Dieses "freie Arbeiten" habe ihr besonders gut gefallen. Und, dass Hollywoodproduktionen eben einfach mehr Zeit, Geld und Gelassenheit mit sich brächten. Wie schön. "Und außerdem herrscht am Set ein freundlicherer Umgangston." Das war deutlich.

Deutscher Synchronsprecher stellt sich vor

Matt Damon revanchiert sich bei den anwesenden Journalisten mit dem Kompliment, dass die Berlinale das beste Filmfestival überhaupt sei. "Das sage ich natürlich nur, um euch Honig um den Mund zu schmieren!" Lachen. Die Anwesenden sind offensichtlich froh darüber, hier wieder den stets zu Scherzen aufgelegten Matt Damon vor sich zu sehen. Der nicht, wie in seiner Rolle als verschlossener CIA-Agent, sein jungenhaft, sympathisches Aussehen hinter dicken Brillengläsern und unter grauen Hüten verstecken muss.

Robert De Niro selbst hat auch eine kleine Rolle in seinem Film übernommen. Natürlich als Strippenzieher im Hintergrund. Vom Paten zum Hirten. Als sich ihm überraschend seine deutsche Synchronstimme in der Person von Christian Brückner vorstellt, sorgt auch De Niro noch für einen Lacher. "Ich habe ihre Stimme zwar noch nie gehört, aber sie sind bestimmt gut, sonst würden sie das nicht schon seit 30 Jahren machen!" Und am Ende hat der häufig so wortkarge Hollywoodstar nicht nur ein bisschen was erzählt, sondern auch noch einen Saal voller Filmjournalisten bei Laune gehalten.