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Biolek: Letzter Gang auf dem Boulevard

Nach 485 Sendungen verabschiedet sich Alfred Biolek von seiner wöchentlichen Talkrunde "Boulevard Bio". Seine Nachfolgerin Sandra Maischberger plant, durchs Programm zu zappen ohne dabei die Fernbedienung zu benutzen.

Wenn am späten Dienstagabend (10. Juni) der letzte Applaus abebbt, ist eine der ältesten Gesprächsrunden im deutschen Fernsehen zu Ende gegangen. Nach 485 Sendungen in zwölf Jahren verabschiedet sich Alfred Biolek als Gastgeber von "Boulevard Bio". Am 2. September übernimmt Sandra Maischberger in der ARD den Sendeplatz am Dienstag um 23 Uhr mit einer Talkshow aus dem Berliner "Tränenpalast". Der 68 Jahre alte Biolek bleibt dem TV-Publikum allerdings mit seiner Sendung "Alfredissimo!" (ARD, freitags um 16.30 Uhr) erhalten, in der er seit 1994 mit prominenten Gästen deren liebste Kochrezepte ausprobiert.

Die Freunde seines ihm eigenen Talkstils schätzen an "Bio" vor allem seine besonnene und einfühlsame Art, mit der er seinem Gegenüber stets begegnet. Im schlichten Salon-Ambiente des "Boulevard"-Studios zeigten sich auch eher verschlossene Gäste oft von einer offenherzigen und privaten Seite. Das Themenspektrum war dabei schier unbegrenzt: Von den Schicksalen einzelner Menschen oder von Minderheiten in Sendungen wie "Ein X für ein U - Analphabeten in Deutschland" (17.1.1995) oder "AIDS: Der einsame Tod" (4.12.1991) bis hin zu Unikaten der Unterhaltungsbranche in "25 Jahre Heino - Ein deutsches Phänomen" (16.10.1991) wählte der studierte Jurist die unterschiedlichsten Ansätze für seine einstündigen Gespräche.

Auch politisch brisante Themen fanden bei Biolek ein Diskussionsforum. Beispiele sind "Der Stammtisch der Überlebenden" mit jüdischen Emigranten (18.6.1996) oder "Die RAF und ich" (19.5.1998). Und natürlich lud der Träger des Adolf-Grimme-Preises (1983) immer wieder nationale und internationale Größen zu sich ein. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (11.9.1996), Fußball "Kaiser" Franz Beckenbauer (3.12.1996), die Schauspiel-Legenden Gina Lollobrigida (1.12.1998) und Sir Peter Ustinov (9.4.1997), der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Dalai Lama (15.6.1999) sowie der russische Präsident Wladimir Putin (9.4.2002) - sie alle unterhielten sich mit Biolek vor dem Panorama des nächtlichen Köln in häufig privater Atmosphäre.

Den Versuch, ihren Vorgänger zu kopieren, wird Sandra Maischberger gar nicht erst unternehmen. Die Diskussionsrunden der 36-Jährigen sollen vielmehr einen Mix aus aktuellen politischen und unterhaltsamen Themen mit einem eigenen Charakter bieten. "Wir versuchen durchs Programm zu zappen, ohne die Fernbedienung anzufassen", meint Maischberger. Auch nach der letzten Ausgabe des "Boulevard" können seine Fans "Bio" noch einmal zur gewohnten Sendezeit erleben: Am 17.6. um 23 Uhr spricht er mit Hansjürgen Rosenbauer über seine Karriere als Talkmaster - dieses Mal als Gast.