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Regisseur von "Twin Peaks": Donald Trump missversteht David Lynch - und wird von diesem belehrt

In einem Interview äußerte sich Regisseur David Lynch über Donald Trump. Darüber hat sich der US-Präsident so gefreut, dass er die Aussagen per Twitter verbreitete. Doch er hat sie falsch verstanden.

Donald Trump und David Lynch

David Lynch hat sich in einem Interview zu Donald Trump geäußert - und ist falsch verstanden worden.

AFP

David Lynch ist ein Regisseur, dessen Filme sich einer genauen Deutung entziehen. Gerade deshalb hinterlassen seine bildmächtigen, von surrealen Traumwelten durchsetzten Werke wie "Mulholland Drive", "Lost Highway" oder "Twin Peaks" bei vielen Zuschauern einen so starken Nachhall: Sie regen zum Nachdenken und zur eigenen Interpretation an.

Kein Wunder, dass ein solcher Künstler Missverständnisse provoziert, wenn er sich zu politischen Fragen äußern soll. In einem langen Gespräch mit der britischen Tageszeitung "The Guardian" sprach Lynch über sein Wahlverhalten und den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump

Das (un-)missverständliche Zitat über Donald Trump

Wörtlich sagte er: "He could go down as one of the greatest presidents in history because he has disrupted the thing so much. No one is able to counter this guy in an intelligent way." Auf Deutsch: Er könnte als einer der größten Präsidenten in die Geschichte eingehen, weil er die Dinge so durcheinandergewirbelt hat. Niemandem gelingt es, dem Mann in einer intelligenten Weise beizukommen. Trump habe eine Schwäche im politischen System offenbart. "Our so-called leaders can’t take the country forward, can’t get anything done. Like children, they are. Trump has shown all this." "Unsere sogenannten Anführer könnten das Land nicht voranbringen, sie kriegen nichts gebacken. Sie sind wie Kinder. Trump hat das deutlich gemacht."

Es sind wenig schmeichelhafte Sätze über die politische Klasse der USA. Ein Lob für Trump lässt sich aus den Sätzen eigentlich auch nicht herauslesen. Doch das stört den Präsidenten nicht im Geringsten. Wer liest schon lange Artikel und komplexe Satzzusammenhänge, wenn er auf einen kompakten "Breitbart"-Artikel verlinken kann, der Lynchs Aussagen sehr eigenwillig zusammenfasst. Trump jedenfalls verwies auf Twitter stolz auf die Aussagen des Regisseurs.

Auf seiner Facebook-Seite hat Lynch das nun noch einmal klargestellt. In einem offenen Brief an den Präsidenten schrieb er: "Das Zitat, das gerade die Runde macht, wurde etwas aus dem Zusammenhang gerissen und bedarf einer Erklärung."  Wenn Trump so weitermache, "werden Sie leider keine Chance haben, als ein großer Präsident in die Geschichte einzugehen. Das wäre sehr schade für Sie - und das Land. Sie verursachen Leid und spalten." Einen Rat gab der Filmemacher dem Milliardär mit auf den Weg: "Alles, was Sie tun müssen, ist jeden Menschen so zu behandeln, wie Sie selbst behandelt werden wollen."

Ob die Botschaft bei Trump ankommt? Vermutlich nicht: Sofern nicht "Breitbart" das Posting verbreitet oder es im Fernsehsender "Fox News" zur Nachricht wird, dürfte der US-Präsident davon wohl keine Notiz nehmen.

Eine Bildkombo zeigt links US-Präsident Donald Trump vor einer US-Flagge, rechts ein Schwarz-weiß-Bild von Martin Luther King
che