Deutscher Filmpreis Pannen-Spaß im Komödiantenstadl


Das Branchen-Bataillon in Gönner-Laune: Bully alberte, Bernd weinte ein bisschen, ansonsten waren alle bester Laune bei der Verleihung des wichtigsten Filmpreises in Deutschland, der Lola. Bei der anschließenden Party im schwarz-weißen Lounge-Gehege stahl allerdings ein Musiker den Schauspielern die Show.
Von Bernd Teichmann

Na, das fing ja schon mal Panne an: Die erste Lola des Abends für den Besten Nebendarsteller war gerade an Devid Striesow gegangen, aber Devid Striesow war gar nicht da. Sein Auto hatte auf dem Weg zum Palais am Funkturm, wo gestern wieder die Deutschen Filmpreise verteilt wurden, den Geist aufgegeben. Während der Mann also irgendwo an einem Berliner Straßenrand auf Hilfe wartete, enterte Stefan Ruzowitzky, sein Regisseur bei "Die Fälscher", die Bühne und amüsierte die versammelte Belegschaft mit Sätzen wie: "Also, Devid würde jetzt sagen, dass er sich echt freut." Eine knappe halbe Stunde später war Devid dann auch tatsächlich eingetroffen und durfte noch mal kurz mit Lola in der Hand hallo sagen.

Striesows Kfz-Problem sollte die einzige Panne eines Abends bleiben, der sich nach der befürchtet Löschblatt-trockenen Ansprache des Staatsministers für Kultur und Medien, Bernd Neumann, äußerst kurzweilig und amüsant entwickelte. Das lag natürlich zum einen an Michael "Bully" Herbig, der bereits zum dritten Mal mit Pfiff und Augenzwinkern durch die Gala ulkte ("Hannah Herzsprung hat in zwei Filmen mitgespielt und hat zwei Nominierungen. Jürgen Vogel spielt in jedem zweiten Film mit und hat eine Nominierung").

Showbühne wird zum Komödiantenstadl

Aber auch die Preisträger gestalteten ihre - vom Saalorchester stets nach schon 30 Sekunden penetrant gestörten - Dankesreden zu quirligen Mini-Events. Hannah Herzsprung etwa, Beste Nebendarstellerin für "Das wahre Leben", wollte gleich die ganze Welt umarmen, und die Welt hätte auch sie am liebsten umarmt. Oder die knuffige Bajuwarentruppe um "Wer früher stirbt, ist länger tot", die überraschend und zur allgemeinen Freude drei Hauptpreise (Regie, Drehbuch, Silber-Lola als Zweitbester Film) abräumte und die Bühne kurzzeitig zum Komödiantenstadl umfunktionierte.

Und dann natürlich die wunderbare Monica Bleibtreu, die als Beste Hauptdarstellerin im Hauptgewinner "Vier Minuten" geehrt und mit einem kollektiven Geburtstagsständchen verwöhnt wurde, um dann ihrem Sohn Moritz zu danken, der sich daraufhin in Tränen aufgelöst an seinen Stuhl klammerte.

Alle hatten sich lieb, nur der Bernd war ein bisschen traurig

Ja, alle hatten sich doch ziemlich lieb in dieser Nacht, nur Bernd Eichinger wirkte nicht so ganz glücklich. Nachdem sein von Tom Tykwer inszeniertes Geruchs-Epos "Das Parfum" schon fünf Trophäen für Kamera, Kostüme, Szenenbild, Schnitt und Ton errungen hatte, war der Mitinitiator der preisvergebenden Filmakademie wohl davon ausgegangen, dass der Film auch als Bester des Jahres prämiert würde. Als er dann da oben auf der Bühne mit einer Silbernen Lola für die lediglich Drittbeste Produktion stand, konnte er seine Enttäuschung nur schwerlich verbergen. Er wird's überleben. Abgesehen davon, dass Sven Taddickens süße Love Story "Emmas Glück" völlig leer ausging, gibt's an den Akademie-Entscheidungen wenig auszusetzen. Alles schön paritätisch diesmal.

So gegen halb zehn strömte das 2000-köpfige Branchen-Bataillon dann im Schildkrötentempo zum Feiern in die Nebenräumlichkeiten des Palais. Weil ja immer alles etwas anders sein muss als letztes Mal, verwandelten die Organisatoren jenen Saal, der im vergangenen Jahr noch als Pressezentrum diente, in ein schwarzweißes Lounge-Gehege, das zweitweise derart überfüllt war, dass man sich wie in einem Kaufhaus-Fahrstuhl fühlte. Wer über zwei Meter groß war - also nur Florian Henckel von Donnersmarck - konnte feststellen, dass sich inmitten dieses Tohuwabohus auch das Büffet befand.

Party-Saal wie Kaufhaus-Fahrstuhl

Und während man noch das Trauma verarbeitete, dass es dieses Jahr keinen Schokoladen-Springbrunnen gab, musste man gleichzeitig darauf achten, sich nicht auf einer der überhohen Stufen zu der Sitzbereich-Empore die Gräten zu brechen. Oder mit vollem Rotweinglas in die unverwüstliche Uschi Glas zu fallen, die mittlerweile eine frappierende Ähnlichkeit mit dem offiziellen WM-Ball von 1954 hat.

Mittendrin: Die circa gefühlten 10.000 Kamerateams und Fotografen, die weniger berühmten Gästen mit ihren Gerätschaften blaue Flecken oder Quetschungen der inneren Organe beibrachten und mehr berühmten Gästen originelle Sätze und Gesichtsausdrücke zu entlocken versuchten. Til Schweiger musste erklären, warum er eben noch das bunte Treiben auf dem roten Teppich für seinen neue Kino-Komödie "Keinohrhasen" abfilmte, Anja Kling ihr reizvolles Dekolleté vor allzu lüsternen Kamera-Objektiven beschützen und Schönheiten wie Bettina Zimmermann, Nora Tschirner, Jördis Triebel oder Anna Maria Mühe immer wieder lächeln, lächeln, lächeln.

Hingucker der Nacht: Trompeter Till Brönner

Doch irgendwann waren die Blicke so glasig und die Sätze so unverständlich, dass auch die penetrantesten Promi-Jäger- und Sammler aufgaben, um sich endlich mal zu amüsieren. Möglich, dass sie deshalb nicht mitbekommen haben, dass der männliche Hingucker des Abends kein Mime, sondern ein Trompeter war: Till Brönner. "Der ist so sexy - der stellt hier fast alle Schauspieler in den Schatten", schwärmte es aus zahlreichen Mündern angeschickerter Party-Grazien. Die tummelten sich dann mit anderen Hundertschaften noch auf der Tanzfläche, als draußen schon der Himmel sein Schwarz in ein schönes Blau verwandelte und die um drei Uhr kredenzten Currywürste und Gulaschsuppen längst verdaut waren.

Nun liegen sie inzwischen alle wieder in ihren Betten. Sie träumen von Goldenen Lolas, über 25 Prozent Marktanteil, der Blüte des deutschen Films und zwölf neuen spannenden Kino-Monaten. Und übermorgen werde sie alle erneut ausschwärmen und dafür sorgen, dass wir im nächsten Jahr um diese Zeit wieder etwas zu feiern haben.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker