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TV-Kritik

"Tatort": Mann trägt Shorts - Devid Striesows Debüt als Kommissar Stellbrink

Die ARD wiederholt Devid Striesows Debüt im Saarland-"Tatort". Das ist trotz der absurden Handlung einigermaßen gelungen. Denn Jens Stellbrink ist einer der schrägsten Vögel unter den TV-Kommissaren.


Tatort

Devid Striesow in seinem Debüt als Hauptkommissar Stellbrink im Saarland-"Tatort".

Arbeiten, noch bevor der Dienst offiziell begonnen hat: Das scheint bei vielen "Tatort"-Folgen in Mode zu sein. So nimmt auch der Saarbrücker Hauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) in seinem ersten Einsatz die Ermittlungen auf, noch bevor er offiziell seinen neuen Job angetreten hat.

Es ist Samstagnachmittag, Stellbrink ist in seinem - gewöhnungsbedürftigen - Freizeit-Outfit unterwegs: gelber Friesennerz, karierte Bermuda-Shorts und Gummistiefel. So fährt er auf seinem knallroten Motorroller zum Baumarkt, wo er noch ein paar Dinge für seine neue Saarbrücker Wohnung einkaufen will. Da fällt ihm ein elternloses Mädchen auf. Es heißt Melinda, stammt aus dem arabischen Raum, spricht kein Wort deutsch - und wirkt verängstigt. Warum, erfährt der Neu-Saarländer kurz darauf, als er von drei finster aussehenden Männern verfolgt und beschossen wird. Stellbrink flüchtet mit Melinda in den Wald, wo sie sich in einem stillgelegten Märchenland verstecken.

Und auf einmal gewinnt dieser hart und realistisch gestartete Fall eine neue Ebene, dreht sich ins Zauberhafte: Die Fremde aus dem Morgenland und der lustig gekleidete Clown inmitten des verwunschenen Kinderparadieses - kurzzeitig vergisst der Zuschauer, dass er sich im Sonntagabendkrimi befindet und wähnt sich in einer Traumwelt.

Absurde Verfolgungsjagd im "Tatort"

Zumal alles auf ein schnelles Happy End rauszulaufen scheint: Die Polizei rettet die beiden aus den Fängen der Verfolger. Das Mädchen wird in Sicherheit gebracht - ein Dolmetscher kommt und will das Kind seinem Vater, einem hohen Diplomaten seines Heimatlandes überstellen. Weil Melinda ängstlich ist, kommen Jens Stellbrink Zweifel. Kurzerhand entführt er die Kleine - und reißt die bis dahin gute Folge aus der Ebende des Traumhaften in eine bisweilen comichaft überdrehte Action, bei der man nie weiß, ob sie ernst gemeint ist.

Da der Kommissar gegen die ausdrückliche Anweisung der Staatsanwältin (übertrieben gespielt von Sandra Steinbach) gehandelt hat, sind ihm nicht nur die finster dreinschauenden Araber auf den Fersen, sondern die gesamte Polizei des Saarlandes. Eine nette ältere Dame gewährt den beiden Unterschlupf, doch deren Ehemann verpfeift sie bei der Polizei. Und schon geht die absurde Verfolgungsjagd durch die Straßen Saabrückens weiter.

Ist Stellbrink wirklich so verrückt?

Derweil kommen seiner neuen Kollegin, Kommissarin Lisa Marx (Elisabeth Brück), Zweifel, ob Stellbrück wirklich so verrückt ist - oder nicht vielleicht doch Recht hat. Und so entschließt sie sich, Stellbrink zu helfen. Gemeinsam enttarnen sie das Geheimnis des Mädchens.

Deutlich interessanter als dieser etwas krude Fall ist die Figur des neuen Ermittlers: Kommissar Stellbrink ist ein tiefenentspannter Typ. Er macht Yoga, raucht gelegentlich Joints, und sieht in seinem Unterbewusstsein nach. Der Lebensstil bekommt ihm gut: Er ist zu allen freundlich und stets optimistisch gestimmt. Also ein Kerl, den man einfach gernhaben muss.

Devid Striesows Debüt als "Tatort"-Kommissar wurde erstmals am 27. Januar 2013 ausgestrahlt. Die ARD wiederholt den Krimi am 18. Oktober 2019  um 22:00 Uhr.