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Russell T. Davies Drehbuchautor fordert: Nur Homosexuelle sollten Homosexuelle spielen

"The Prom" mit Meryl Streep und James Corden
"The Prom" mit Meryl Streep und James Corden
© ©Netflix/Courtesy Everett Collection / Picture Alliance
Nur Homosexuelle sollten homosexuelle Rollen in Film und Fernsehen spielen, fordert der Drehbuchautor Russell T. Davies. Er selbst will mit gutem Beispiel vorangehen – und übt Kritik am aktuellen System. 

Im Dezember vergangenen Jahres erschien auf Netflix "The Prom", ein Film über eine Gruppe abgehalfterter Broadway-Stars, die ihre Karriere retten wollen. James Corden spielt darin Barry Glickman. Die Kritiken: vernichtend. Tim Robey, Kritiker des britischen "Telegraph", schrieb, die Performance Cordens habe dazu geführt, dass es ihm "peinlich" war, homosexuell zu sein. Mit Corden hatten die Casting-Agenten einen heterosexuellen Schauspieler engagiert, der die Rolle des Broadway-Stars so wahnsinnig überzeichnete, dass es als Zuschauer unangenehm auffiel. 

Drehbuchautor fordert: Nur Homosexuelle für homosexuelle Rollen casten

Bereits nach den Kritiken flammte erneut die Diskussion darüber auf, wie in Zukunft gecastet werden solle. "Doctor Who"-Drehbuchautor Russell T. Davies hat laut "Radio Times" dazu eine klare Meinung: Er fordert, nur homosexuelle Schauspieler*Innen dürften homosexuelle Rollen übernehmen. Er fordert, Regisseure sollten schwule Männer für schwule männliche Rollen besetzen, schließlich würde man auch niemanden "schwarz anmalen", ließ er wissen. 

Dabei sagt er selbst, er wolle nicht auf Biegen und Brechen politisch korrekt sein, vielmehr würden heterosexuelle Schauspieler immer wieder gewisse Klischees bedienen, was ihre Performance angeht, sodass die Darstellung am Ende schlicht nicht authentisch sei.

Nicht alle sind der Meinung

Davies neue britische Fernsehserie, "It's a Sin", behandelt die Geschichte von drei homosexuellen Männern in London am Anfang der HIV-Epidemie. Alle homosexuellen Rollen wurden auch mit homosexuellen Schauspielern besetzt. Für die Authentizität sei das unabdingbar. 

Nicht alle Filmemacher sind der gleichen Meinung. Luca Guadagnino, Regisseur des Dramas "Call Me By Your Name" verteidigte die Entscheidung, mit Armie Hammer und Timothée Chalamet zwei heterosexuelle Schauspieler für den Film gecastet zu haben. "Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass ich das Recht habe, zu entscheiden, ob ein Schauspieler hetero ist oder nicht. Ja, Armie ist ein heterosexueller Mann mit Frau und Kindern, und dasselbe kann man von Timothée sagen. Aber verlange ich von ihnen ein Bekenntnis zu ihrer Sexualität, zu ihrer Identität, zu ihren Wünschen, bevor ich sie caste? Nein", sagte er vor Jahren dem "Independent". 

Verwendete Quellen: "Radio Times" / "The Independent" / "The Guardian"

ls

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