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Emmy-Verleihung: Über Engel und die Mafia

Bei der Emmy-Verleihung hat die Serie "Angels in America" gleich elf Emmys abgeräumt. Die Serie über die mörderische Mafioso-Familie "Sopranos" wurde mit drei der begehrten Trophäen ausgezeichnet.

Die packende Verfilmung von Tony Kushners Bühnenstück "Angels in America" über die Aids-Krise in den achtziger Jahren gewann am frühen Montagmorgen in Los Angeles elf Emmys. Ein Rekord für die Mini-Serie, die mit 21 Nominierungen der Favorit gewesen war. Von dessen exzellenter Starbesetzung konnten gleich vier Schauspieler - Al Pacino, Meryl Streep, Mary-Louise Parker und Jeffrey Wright - einen Fernseh-Oscar mit nach Hause nehmen. Auch Bühnen-Autor Tony Kushner und Regisseur Mike Nichols wurden geehrt.

"Der Kampf gegen Aids ist noch nicht vorbei. Wir müssen sehen, was wir für Afrika tun können", sagte Nichols in seiner Dankesrede. Kushner nutzte seine Live-Minuten, um vor einem Millionen-Publikum für die gleichgeschlechtliche Ehe zu werben. "Vielen Dank an meinen wundervollen Gatten Mark. Irgendwann in nächster Zeit können wir eine legale Ehe eingehen, und Du kannst einen ehrenhaften Homosexuellen aus mir machen", sagte Kushner. Nur die Mini-Serie "Eleanor and Franklin" hatte in der Geschichte der Emmys 1976 ebenfalls 11 Auszeichnungen gewonnen.

Triumph auch für die mörderische Mafiosi-Famile "Sopranos", die 20 Nominierungen bekommen hatte. In der fünften Saison nahmen sie erstmals den Preis in der Top-Kategorie als beste Drama-Serie nach Hause. Außerdem gewannen die Schauspieler Michael Imperioli und Drea DeMatteo jeweils einen Emmy für beste Nebendarsteller. "Es gibt so viele Leute, die dafür verantwortlich sind. Wenn ich nur anfange, ihnen zu danken, würde ich mich übergeben, würgen, weinen oder sterben. Und Sie haben mich das schon tun sehen", sagte Emmy-Gewinnerin DeMatteo, die in ihrer Rolle als Mafia-Braut zum Ende der letzten Staffel umgebracht wurde.

Donald Trump geht leer aus

Komiker Garry Shandling führte durch das dreistündige Programm und machte sich mit Vorliebe über das neue Genre "Reality-Show" lustig. "Mittlerweile sind wir an einem Punkt, dass, wenn die Werbung kommt, ich sage: Gott sei Dank, professionelle Schauspieler in einer Story", scherzte er. In der besagten Kategorie gewann die Show "The Amazing Race", in der sich Paare kreuz und quer über den Globus durchschlagen müssen. Auch die Reality-Show "The Apprentice" des New Yorker Bau- Milliardär Donald Trump war nominiert. Er saß im Publikum, ging aber leer aus.

Die offenherzigste Dankes-Rede hielt die 79-jährige Elaine Stritch, die für ihre Bühnen-Show "Elaine Stritch: At Liberty" auf HBO ausgezeichnet wurde. Sie benutzte einige deftige Schimpfworte, die in der mit Verzögerung übertragenen TV-Sendung ausgeblendet wurden und rief triumphierend: "Schaut mal, wer hier noch alles ist. Ich bin so froh, dass die nicht gewonnen haben". Ihre Konkurrenten waren Oscar-Moderator Billy Crystal, Komikerin Ellen DeGenres und Polit-Moderator Bill Maher.

"Sex And The City"-Star Jessica Parker geehrt

Schauspieler aus beliebten lang laufenden Comedy-Sendungen - "Friends", "Frasier" und "Sex And The City" - von denen sich die Zuschauer in diesem Jahr verabschieden mussten, wurden ausgezeichnet. Überraschend nahm jedoch eine neue Serie, "Arrested Development", den Preis als beste Komödie mit nach Hause. Die Geschichte um einen Geschäftsmann und Vater im Gefängnis, der seine exzentrische Familie im Zaum halten muss, überzeugte vor allem die Fernsehkritiker. Dafür holte sich Sarah Jessica Parker ("Sex And The City") einen Emmy für ihre Rolle der Kolumnistin Carrie Bradshaw. Cynthia Nixon (Miranda) stach ihre beiden Co-Stars Kim Cattrall (Samantha) und Kristin Davis (Charlotte) als beste Nebendarstellerin aus. "Sex And The City", dessen letzte Staffel jetzt auf Pro Sieben anläuft, war insgesamt elf Mal nominiert.

Die Emmys wurden zum 56. Mal von der Amerikanischen Fernsehakademie in 91 verschiedenen Kategorien verliehen.

Carla S. Reissman/DPA / DPA