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Falschmeldung: Tony Blair kann aufatmen

Michael Moore will keinen Film über den britischen Premierminister Tony Blair drehen. Die Ankündigung in einem Interview sei ein Scherz gewesen. Sehr zum Ärger des Filmemachers wurde sein neuer Film "Fahrenheit 9/11" in den USA erst ab 17 Jahren freigegeben.

Der US-Filmemacher und Satiriker Michael Moore gab ein Interview und kündigte darin an, demnächst einen Film über den britischen Premierminister Tony Blair zu machen. Blair habe besser als US-Präsident Bush gewusst, dass der Irak-Krieg ein Fehler sein würde. Deshalb müsse er auch einen Film über die Rolle Blairs drehen.

Diese Ankündigung war den Kulturredaktionen natürlich eine Nachricht wert. Michael Moore ist gerade in Europa mit seiner Kritik an Bush und dem Irak-Krieg überaus populär. Seine satirisch-kritischen Bücher über den Präsidenten der USA verkaufen sich millionenfach. Mit dem Dokumentarfilm "Bowling for Columbine", für den er im letzten Jahr einen Oscar erhielt, war Moore weltweit bekannt geworden. Sein aktueller Film "Fahrenheit 9/11" ist bei den Filmfestspielen in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden. In den USA hat er am 25. Juni und in Deutschland am 29. Juli Premiere.

"Tut mir leid, dass ich Dir Angst gemacht habe, Tony"

"Das war nur ein Witz", erklärte Moore jetzt. Einige Medien hätten eine scherzhafte Interviewäußerung für bare Münze genommen. Berichte über einen Blair-Film seien "nicht wahr", war am Montag auf Moores offizieller Website zu lesen. Überschrift: "Sorry to Scare You, Tony" (Tut mir leid, dass ich Dir Angst gemacht habe, Tony). Wie andere Zeitungen hatte auch die Londoner "Times" am Samstag berichtet, nach seinem Film "Fahrenheit 9/11" über US-Präsident George W. Bush wolle Moore nun Blair als dessen engsten ausländischen Verbündeten aufs Korn nehmen.

Tony Blair kann also aufatmen. Die Kritik an seiner Irak-Politik, parlamentarische Untersuchungsausschüsse, angefeindet von Teilen der eigenen Partei, die jetzt bei der Europawahl herbe Verluste hinnehmen musste - Blair kann froh sein, dass ein derart öffentlichkeitswirksamer Film nicht gedreht wird.

Dafür aber hat Michael Moore jetzt Ärger. Seinen Bush-kritischen Film "Fahrenheit 9/11" dürfen Jugendliche unter 17 Jahren in den USA wegen angeblich zu harter Gewaltdarstellungen nur in Begleitung von Erwachsenen sehen.

Aufnahmen von getöteten US-Soldaten

Die Kontrollabteilung des Verbandes der US-Filmindustrie MPAA stützte die Altersbeschränkung für den regierungskritischen Dokumentarfilm darauf, dass unter anderem Aufnahmen von getöteten US-Soldaten sowie von mutmaßlichen Folterungen irakischer Gefangener durch Amerikaner zu sehen sind.

Moore sagte dazu, es sei leider durchaus möglich, dass 16- und sogar 15-jährige Amerikaner für Militäreinsätze im Irak rekrutiert werden. "Wenn sie alt genug sind, um rekrutiert werden zu können und ihr Leben zu riskieren, dann steht ihnen ganz sicher auch das Recht zu sich anzusehen, was im Irak vor sich geht."

"Fahrenheit 9/11" soll in mehr als 1000 US-Kinos zu sehen sein - ein Rekord für einen Dokumentarfilm. Die Altersbeschränkung könne jedoch dazu führen, dass viele junge Amerikaner den Film zunächst nicht sehen können, schreibt "Daily Variety".

DPA, TIS / DPA