Fernsehen Wohin steuert der Grand Prix?


Nach dem bösen Quoteneinbruch vom Wochenende beginnt das Nachdenken über die Konsequenzen: Von Dieter Bohlen als Berater bis zu einer Verschmelzung mit der österreichischen "Starmania" ist alles möglich.

Nach dem Quoteneinbruch bei der Grand-Prix-Vorentscheidung hält Chef-Organisator Jürgen Meier-Beer endgültige Konsequenzen noch für verfrüht. «Wir haben schließlich keinen Flop gelandet, sondern sind nur vom Quotenknüller auf ein geringeres Maß geschrumpft», sagte der Unterhaltungschef des Norddeutschen Rundfunks (NDR) am Montag in Hamburg. «Außerdem geht es beim Grand Prix nicht nur um die Quote, sondern um die Suche nach einem Titel, der ins internationale Finale passt und mit dem sich die deutschen Zuschauer identifizieren können.»

Desaströse Quoten

Den Grand-Prix-Vorentscheid hatten am Freitagabend lediglich 5,64 Millionen Zuschauer gesehen - das Finale des RTL-Wettbewerbs «Deutschland sucht den Superstar» einen Tag später knapp 13 Millionen. ARD-intern wird nach dpa-Informationen innerhalb der in München ansässigen Programmdirektion darüber nachgedacht, die österreichische Show «Starmania», ein ähnlicher Wettbewerb wie der «Superstar», zu übernehmen. Auch eine Verschmelzung von «Starmania» und Grand Prix scheint als Diskussionsgrundlage für eine Neuausrichtung nicht ausgeschlossen.

Kritik: Konzept ausgereizt

Kritiker-Meinungen, dass das Grand-Prix-Konzept ausgereizt sei, kommen nach Meinung Meier-Beers zu früh. «Dennoch mache ich mir natürlich schon Gedanken, denn wir haben ja 1998 schon einmal ein erfolgreiches Relaunch geschafft.» Dass Erfolgsproduzent und «Superstar»-Übervater Dieter Bohlen ihm 2004 möglicherweise als Berater zur Seite stehe, kommentierte er: «Wir tauschen uns schon seit Jahren aus und haben auch in Kiel kurz vor der Show miteinander gesprochen. Wir waren beide der Meinung, dass der Grand Prix nicht überholt ist und dieser Wettbewerb und der "Superstar" zwei unterschiedliche Konzepte sind, die beide ihren eigenen Wert haben.»

Harte "Superstar"-Konkurrenz

Ob es bei einem einzelnen Wettbewerb bleibe, oder an dessen Stelle möglicherweise eine Casting-Showreihe oder ein Mix aus «Big Brother» und «Popstars» wie bei der spanischen Grand-Prix-Auswahl trete - denkbar sind für Meier-Beer viele Konzepte. «Ich kann gar nichts ausschließen, denn noch im letzten Jahr haben wir die emotionalste Musikshow im deutschen Fernsehen geboten, diesmal ist der "Superstar" einen Schritt weiter gekommen als wir», sagte er. Andererseits zeige das spanische Beispiel (7. Platz): «Die nationale Identifikation, die mit einer Casting-Show erreicht wird, lässt sich international nicht übertragen.»

Hoffen auf Riga

Meier-Beers Hoffnungen konzentrieren sich jetzt erst einmal auf das internationale Finale am 24. Mai im lettischen Riga, bei dem Sängerin Lou (39) mit einem Song aus der Feder von Grand-Prix- Urgestein Ralph Siegel (57) für Deutschland antreten wird.


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