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Filmfest in Venedig Catherine Deneuve und die Revolution der Frauen


Die Frauen sind im Kommen. Das ist die Botschaft der Komödie "Potiche" von François Ozon. Catherine Deneuve, gefeierter Star dieses Wettbewerbsbeitrags von Venedig, ist schon lange ganz oben. Der Lido lag ihr zu Füßen.

Endlich ein Star, dem die Filmwelt am Lido richtig zu Füßen liegen konnte - Catherine Deneuve (66), "première dame" des französischen Kinos, hat die Lacher und die Fans beim Filmfestival von Venedig ganz auf ihrer Seite: Beifall nach der Pressevorführung von François Ozons Komödie "Potiche" mit einer fulminanten Deneuve, die auch ihren Filmpartner Gérard Depardieu glatt an die Wand spielt. Danach der gefeierte Auftritt vor den TV-Kameras, die eine energische 66-Jährige einfangen, wie sie für mehr Frauenemanzipation eintritt. Abends dann der rote Teppich - "Potiche" ist im 67. Wettbewerb um den Goldenen Löwen. Und für eine Komödie ist allein das schon ein Erfolg.

Catherine Deneuve tanzt Wange an Wange mit Gérard Depardieu, singt davon, wie wunderbar das Leben ist und will ganz Frankreich verändern: Der 42-jährige Pariser Filmemacher und Drehbuchautor Ozon bietet also Frankreichs Top-Stars für eine Komödie mit etwas Tiefgang auf - und er kommt damit auch dem Motto des Festivalleiters Marco Müller nahe, der doch spritzige Filme von jüngeren Regisseuren für den Festivaljahrgang 2010 in der Lagunenstadt versprochen hatte.

Doch auf das Alter kommt es gar nicht an, macht eine dynamische und selbstbewusste Catherine Deneuve vor der Presse in Venedig klar. In "Potiche" setzt sie sich gegen einen Macho-Mann durch, im richtigen Leben will sie die Revolution der Frauen fortgesetzt wissen: "Es hat sich vieles verbessert, aber es geht doch sehr langsam voran", sagt sie energisch, dabei wie immer charmant lächelnd. "Frauen sollten mehr Anerkennung in der Welt finden, vor allem am Arbeitsplatz."

François Ozon wechselt immer mal ab zwischen abgründigen und sehr dichten Filmen wie "Unter dem Sand" mit Charlotte Rampling zum einen und recht grellen Farcen mit viel Musik wie "8 Frauen" zum anderen. Das Dutzend seiner Filme macht er nun mit diesem Werk der leichteren Art voll. Es geht um den verblüffenden Aufstieg der Unternehmergattin Suzanne (Deneuve), die zuvor doch nur das attraktive Anhängsel ihres autoritären Mannes Robert Pujol (Fabrice Luchini) war. Als der Patron der Firma und Haustyrann ausfällt, bringt sie die stark kriselnde Regenschirmfabrik im Nu auf Vordermann. Und schwimmt sich damit frei.

Das Wort "Potiche" ist für einen Franzosen nicht nur die eher billige, in jedem Fall aber überflüssige Vase auf dem Kaminsims, sondern bezeichnet auch jene Frau ohne eigene Identität, die als Trophäe an der Seite eines erfolgreichen Mannes steht. Eine Frau, der man nichts zutraut außer Repräsentieren und vielleicht noch Kochen.

Regisseur Ozon, der schon so oft Frauen in den Fokus rückte, lässt Suzanne einfach alles umkrempeln. Sie kehrt dabei kurz zurück zu dem gealterten Kommunisten Babin (Depardieu), mit dem sie einmal eine Affäre hatte. Doch auch der steht ihr bei ihrem Befreiungsschlag im Weg. Für die ebenso resolute wie routinierte Deneuve ist es ein Leichtes, sich mit dieser Rolle für einen Preis zu positionieren.

"Ach, ist das Leben schön", so singen am Ende alle zusammen mit Suzanne, die das Unternehmen wieder an ihren Tyrannen zurückgeben muss, sich dafür aber zur Abgeordneten wählen lässt. Und das alles im Nordfrankreich Ende der 1970er Jahre. Die Frauen sind im Kommen.

Hanns-Jochen Kaffsack, DPA DPA

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