FILMFESTSPIELE Woody Allen beschert Cannes freundlichen Auftakt


Mit Woody Allens »Hollywood Ending« sind die 55. Filmfestspiele von Cannes gestartet. Zur Eröffnung erschienen zahlreiche Prominente, darunter Sharon Stone, David Lynch und Catherine Deneuve.

55 Lichtsäulen strahlten schon in der Nacht vor dem Festivalbeginn in Cannes unübersehbar in den Himmel. 55 Lichter, für jedes Jahr der Internationalen Filmfestspiele eines, ließen die echten Sterne blass aussehen und sollten den Blick auf die menschlichen Stars des Festivals lenken. Schon am frühen Morgen des Eröffnungstages bezogen die ersten Schaulustigen mit Proviant und Trittleitern vor den Stufen zum Palais Stellung, um dann am Mittwochabend die beste Sicht auf Berühmtheiten wie Martin Scorsese, Sharon Stone oder Catherine Deneuve zu erhaschen.

Woody Allen, der Regisseur des diesjährigen Eröffnungsfilms, passt mit seiner Schüchternheit so gar nicht in das turbulente Glamour- Ritual rund um den Boulevard La Croisette. Mit seiner neuen Komödie »Hollywood Ending« nimmt er das cineastische Spektakel auch ein wenig ironisch auf die Schippe.

Dass der 67-jährige Regisseur aus New York sich in diesem Jahr zum ersten Mal in seiner langen Karriere mit seiner Frau Soon-Yi an die Cote d?Azur gewagt hat, sei vor allem als »Dank an die Franzosen« zu verstehen, sagte Allen am Mittwoch wenige Stunden vor Beginn des Festivals. »Die Franzosen entdecken amerikanische Künstler, bevor wir es tun. Das ist ein Phänomen, das wir nicht verstehen. Aber viele amerikanische Künstler sind sehr dankbar dafür.«

Die Vorliebe der Franzosen für schwierige, eigenwillige Filme, von denen in diesem Jahr wieder etliche im Wettbewerb um die Goldene Palme stehen, sorgt denn auch in »Hollywood Ending« für den amüsanten Schlussakkord: In dem Werk voller Situationskomik - und einigen Längen - spielt Allen selbst einen ehemals erfolgreichen Regisseur. Ausgerechnet durch seine Ex-Frau, die mit einem reichen Produzenten verlobt ist, bekommt er seine letzte große Chance.

Doch der Neurotiker und Hypochonder erblindet vor lauter Stress vor dem ersten Drehtag - und stellt den Film fertig. Natürlich ist der Streifen für den Geschmack der Hollywood-Studiobosse verheerend schlecht. Aber die Kritik in Frankreich feiert den Regisseur, der irgendwann auch wieder sehen kann, als Genie.... »Gott sei Dank, es gibt die Franzosen«, heißt es zum Happy End. Alles wird gut.

Bei seiner Verbeugung vor der »Großen Nation« Frankreich wandte sich der Oscar-Preisträger auch gegen den Boykottaufruf einer jüdischen Interessenvertretung in den USA in Schutz. »Die Franzosen können stolz drauf sein, wie sie bei den letzten Wahlen reagiert haben«, sagte Woody Allen in Cannes mit Blick auf den rechten Präsidentschaftskandidaten Jean-Marie Le Pen. »Sie haben doch gezeigt, dass sie sich gegen Intoleranz und Rassismus stellen.«

Alles wird gut? Das Motto von »Hollywood Ending« wollen sich die in diesem Jahr sichtlich nervösen Sicherheitsleute nicht zu eigen machen. Hunderte von Polizisten und Wachmännern kontrollieren beim Einlass ins Festivalpalais jeden Menschen, jede Tasche. In die großen Hotels kommt niemand ohne »Security Check«. Sogar bei den Gala-Vorstellungen soll das Publikum in Abendkleid und Smoking allabendlich gefilzt werden. Auch wenn angeblich keine konkreten Drohungen gegen das Festival vorliegen: Niemals war die Angst vor Anschlägen in Cannes größer.


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