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Geburtstag: Frauenheld Jean-Paul Belmondo wird 70

Nachdem Frankreichs Filmstar Jean-Paul Belmondo 2001 fast einem Schlaganfall erlag, feiert der rüstige Herr, nur wenige Monate nach seiner Hochzeit, nun seinen 70. Geburtstag.

Im August 2001 wurden in manchen Redaktionen schon die Nachrufe auf Jean-Paul Belmondo verfasst. Damals hatte Frankreichs populärer Filmstar während eines Urlaubs auf Korsika einen Schlaganfall erlitten. Es bestand akute Lebensgefahr. Doch schon zwei Wochen später konnte er aus dem Krankenhaus entlassen werden. Das verdankte der durchtrainierte Schauspieler, der in seinen Filmen sogar Stunts selbst übernommen hatte, seiner guten Konstitution. Am 9. April kann er seinen 70. Geburtstag feiern.

"Bebel", der Weltstar

"Bebel", wie ihn seine Landsleute mit echter Zuneigung nennen, ist eine französische Institution, zugleich aber auch international ein aus vielen Kinojahren vertrautes Gesicht und ganz sicher einer, der die Bezeichnung Weltstar verdient. Gewiss ist die große Zeit des frechen Herzensbrechers auf der Leinwand endgültig vorbei. Doch Belmondo als Rebell, Liebhaber, Actionheld ist Millionen auch in Deutschland noch in Erinnerung.

Glamouröser Beginn einer Karriere

Die besten Rollen waren dem 1933 in Neuilly-sur-Seine geborenen Sohn eines Bildhauers und einer Malerin zu Beginn seiner langen Karriere vergönnt. Bereits einer der ersten Filme, in denen Belmondo mitwirkte, Jean Luc Godards Klassiker "Außer Atem", sicherte ihm 1959 einen Platz in der Filmgeschichte. Darin spielt Belmondo einen halbstarken und kriminellen Außenseiter, der von seiner Freundin (Jean Seberg) an die Polizei verraten wird.

Spontan und ungezwungen

Mit diesem auch nach Jahrzehnten noch erstaunlich frisch wirkenden Film wurde die dicke Staubschicht des in Konventionen erstarrten europäischen Kinos fulminant weggefegt. Für Regisseur Godard war die Besetzung der Hauptrolle von "Außer Atem" ein Glücksfall: "Ich habe Belmondo wie eine Art Block empfunden, den man formen muss, um zu sehen, was dahinter steckt. Hinter dem Block gab es eine Seele." Die Spontaneität und Ungezwungenheit, die dem jungen Franzosen so eigen schienen, hatten eine solide handwerkliche Basis. Diese hatte sich Belmondo nämlich in vier Jahren Schauspielkonservatorium angeeignet.

"Schauspielern muss man lernen"

"Schauspielern muss man lernen. Es ist nicht allzu schwer, aber man muss es lernen." Als Belmondo das 1964 zu einem Freund sagte, war er bereits ein internationaler Leinwandstar. Dabei hatte es etliche Jahre zuvor noch nach einer ganz anderen Karriere ausgesehen: Im heimischen Paris hatte der Jüngling mit familiären Wurzeln in Sizilien zuerst mit boxerischer Begabung auf sich aufmerksam gemacht. Seine berühmte gebrochene Nase entstammt einer Jugendschlägerei. Doch Belmondo entschied sich zu seinem Glück für die Schauspielerei.

Meisterregisseure rissen sich um den Star

Nach mehreren eher unbedeutenden Rollen seit Beginn der Filmlaufbahn 1957 und den ersten großen Erfolgen wirkte der Franzose 1960 gleich in neun Streifen mit. Meisterregisseure wie Claude Chabrol, Jean-Pierre Melville, Louis Malle und Francois Truffaut rissen sich um den Star. Belmondo hat neben großartigen Filmen zweifellos auch in vielen mittelmäßigen und rein kommerziellen Produktionen mitgewirkt. Der Popularität von "Bebel" hat das nie geschadet. Mitte der 80er Jahre kehrte er triumphal auf die Bühnen von Paris zurück, er kaufte sich sogar dort das "Theatre de Varietes".

Nicht nur vor der Kamera Frauenheld

Dass der mittlerweile weißhaarige Schauspieler nicht nur auf der Leinwand ein Frauenheld war, ist allgemein bekannt. Die frühe Ehe mit einer Tänzerin hielt nur zwölf Jahre. Von den drei Kindern aus dieser Verbindung starb eine Tochter bei einem Brand 1993. Am 30. Dezember vergangenen Jahres heiratete Belmondo seine Lebensgefährtin Natty, mit der er 13 Jahre ohne Trauschein zusammen war. In Deutschland stand Belmondo zuletzt 1998 im Blitzlichtgewitter, als er die Goldene Kamera der "Hörzu" gemeinsam mit seinem Freund Alain Delon in Empfang nahm.

Wolfgang Hübner