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Götz George: Der große Sohn eines großen Vaters

Er liebt seinen Beruf, aber besessen ist er nicht, sagt Götz George von sich selbst. Der Sohn des berühmten Heinrich George wird heute 65 Jahre alt.

Er liebt seinen Beruf, aber besessen ist er nicht, sagt Götz George von sich selbst. Auf alle Fälle zählt er zu den populärsten deutschen Schauspielern und hat seit mehr als 50 Jahren eine einzigartige Bühnen- und Leinwandkarriere vorzuweisen. Der Mann mit dem "Polter-Image", der in der elterlichen Familie "Putzi" genannt wurde, spielte Wilhelms Tells Sohn 1951 am Berliner Schiller-Theater, das sein berühmter Vater Heinrich George bis 1943 leitete. In Karl Mays "Schatz im Silbersee" war er ebenso zu sehen wie als raubeiniger "Tatort"-Kommissar Schimanski, der Fernsehgeschichte geschrieben hat, und im preisgekrönten Kinofilm "Der Totmacher", der George auch internationale Anerkennung brachte.

Der Mann mit dem "stahlblauen Blick" wird heute 65 Jahre alt. Er ist an diesem Tag nicht in seiner Vaterstadt Berlin, sondern fern der Heimat, vielleicht auf seinem geliebten Sardinien, wo er zusammen mit seiner jetzigen Lebensgefährtin Marika eine "zweite Bleibe" hat - auch wenn ihn damit die Erinnerung an seinen schlimmen Badeunfall 1996 verbindet. Heute blickt er auf sein langes Berufsleben zurück und ist stolz darauf, "dass ich es in diesem Land ohne Skandale, ohne Kloppereien, ohne Besäufnisse, ohne Party so weit gebracht habe".

Schimanski als Schwulen outen

In den vergangenen Jahren hat der nun älter und reifer gewordene George vorwiegend mit jüngeren Regisseuren gearbeitet. Ihm macht das sichtlich Spaß, dem Publikum aber manchmal weniger, wie in dem Film "Das Trio" (1998), in dem George einen Homosexuellen spielte. Früher träumte George auch mal davon, in der allerletzten "Schimanski"-Folge die populäre Kommissar-Figur als Schwulen zu outen.

Es sind oft Rollen am Rande der Gesellschaft, die er zuletzt verkörperte, manchmal sogar ohne Gage, wie in "Gott ist tot". In letzter Zeit fehlen einem George, der sich in Medienauftritten wie bei Thomas Gottschalk auch mal als "Kratzbürste" zeigen kann, ein paar öffentliche "Streicheleinheiten". Er beklagt "extrem schlechte Sehgewohnheiten" der Zuschauer.

Eine raue Schale mit einem weichen Kern

Tief getroffen hatte ihn schon 1976 das mangelnde Zuschauerinteresse an seinem Film "Aus einem deutschen Leben" über den Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß. Nicht viel anders erging es ihm 1999 mit dem ambitionierten Film "Nichts als die Wahrheit" über den KZ-Arzt Josef Mengele. Dafür waren Streifen wie "Schtonk" und "Rossini" große Erfolge.

George ist ein Schauspieler, der eine außergewöhnliche Empfindsamkeit (und damit auch Einfühlungsvermögen) mit ausgeprägter männlicher Energie verbindet - manche nennen das verkürzt und vereinfachend eine raue Schale mit einem weichen Kern. Gerade ist er beim TV-Festival von Monte Carlo als bester männlicher Hauptdarsteller ausgezeichnet worden (für den Fernsehfilm "Der Anwalt und sein Gast"). Davor gab es den Bayerischen Filmpreis und den Adolf-Grimme-Preis für seine einfühlsame Darstellung eines Alzheimer- Kranken in "Mein Vater".

Götz George - medienscheu und introvertiert

Eigentlich hat George sein "Klassenziel" als Charakterdarsteller längst erreicht, wie er es selber sieht. Aber eine Unruhe ist ihm geblieben, wie sie auch seinem berühmten Vater Heinrich George, den er sehr verehrt und dessen Foto meist in den Rollenbüchern des Sohnes liegt, in den Augen abzulesen war. Der war ein Besessener. Er hätte aber in der heutigen Medienwelt keinen Stellenwert mehr, meint sein Sohn in dem jetzt erschienenen biografischen Band "Götz George - Beruf: Schauspieler" von Heiko R. Blum (Henschel Verlag Berlin). Allenfalls hätte man ihm noch einen "Tatort" angeboten und er hätte gesagt: "Ich scheiß' euch vor den Koffer, das hat doch mit dem Beruf nichts mehr zu tun."

Der medienscheue und introvertierte George hat seine Probleme mit dem Umgang mit Prominenten in seiner Heimat. "Es ist kälter geworden in diesem Land, auch für die Promis", sagte er letztens bei Dreharbeiten in Berlin. "Die Promis werden hier von den Medien vorgeführt. Der Deutsche will immer den Jesus haben, der auf die Schnauze fällt, der zugibt: mea culpa." George zieht sich immer öfter nach Sardinien zurück. Er macht's sich jetzt gemütlicher - mit 65 Jahren und zahlreichen Auszeichnungen vom Bambi über den Bundesfilmpreis bis zum Goldenen Löwen von Venedig. Die Schimanski- Jacke hängt jetzt im Filmmuseum in Berlin.