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Google-Doodle-Clip für Charlie Chaplin: Ein Stummfilm-Star aus dem Armenhaus

Charlie Chaplin wurde die Künstler-Seele mit in die Wiege gelegt: Beide Eltern arbeiteten für die Music Halls in London. Als Vagabund in viel zu großer Hose, mit Melone und Bambusstock wurde er weltberühmt. Zu seinem 122. Geburtstag drehte ihm Google einen Doodle-Film.

Bereits als Fünfjähriger stand Charles Chaplin als Sänger auf der Bühne. Mit neun Jahren bekam er ein Engagement für die britische Music-Hall-Gruppe The Eight Lancashire Lads, mit denen er auch auf Tournee ging. Es folgten mehrere Bühnenauftritte in verschiedenen Theatergruppen. Da sein Vater Charles Chaplin Senior früh starb und Mutter Hannah Harriet aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht mehr arbeiten konnte, lebte die Familie in großer Armut, musste immer wieder im Armenhaus wohnen.

1908, im Alter von 19 Jahren, unterschrieb Charlie Chaplin einen Vertrag bei Fred Karno, der komische Pantomimenstücke inszenierte - was sich als Chaplins Spezialität entpuppen sollte. Schnell wurde er zum Hauptdarsteller der Theatergruppe. Von 1910 bis 1912 tourte Karnos Truppe durch die USA. Ein voller Erfolg: Das amerikanische Publikum und die Presse waren begeistert - vor allem von den Darbietungen Chaplins. Nach seiner zweiten US-Tournee weckte er das Interesse der amerikanischen Filmindustrie.

In der Rolle des "Tramp", die ihn weltberühmt machte, stand er erstmals 1914 für die Filme "Kid Auto Races at Venice" und "Mabel's Strange Predicament“"vor der Kamera - in abgewetzten Schuhen, übergroßer Hose, zu kleiner Jacke, samt Melone, Stock und zwei Finger breitem Bart - wie wir ihn heute kennen. Mit den humoristischen Anekdoten um den verarmten Landstreicher wurde Chaplin zur Filmikone. Das American Film Institute wählte ihn auf Platz zehn der größten amerikanischen Filmlegenden. 1972 erhielt er den Ehrenoscar für sein Lebenswerk.

Regisseur, Schauspieler, Komponist - und Kritiker

Mit Produzenten und deren Regieanweisungen kam Charlie Chaplin nur widerstrebend zurecht. Doch der Erfolg seiner Figur "Tramp" gab ihm Recht und so durfte er schließlich selbst Regie führen. In vielen Fällen schrieb er auch die Musik selbst. Trotz des aufkommenden Tonfilms war er mit den Stummfilmen "Lichter der Großstadt" (1931) und "Moderne Zeiten" (1936) erfolgreich.

1936 heiratete er seine Filmpartnerin Paulette Goddard, war aber nach sechs Jahren bereits geschieden. Kurze Zeit später lernte Chaplin seine große Liebe, Oona O’Neill, kennen, die er 1943 ehelichte. Die beiden bekamen acht gemeinsame Kinder.

Am 15. Oktober 1940 feierte Chaplins erster Tonfilm "Der große Diktator" seine Premiere. Der Anti-Hitler-Film wendet sich nicht nur gegen das Nazi-Regime, sondern auch gegen den Militarismus der USA. Die Nationalsozialisten beschimpften den Komiker als Juden. Aus Solidarität mit den Verfolgten räumte er dieses Missverständnis nie aus dem Weg. Aber nicht nur aus Deutschland, auch aus den Amerikas erhielt Chaplin Widerstand - seine Parodien und die Kritik am eigenen Land behagte der Regierung nicht. Nach einem Besuch in der britischen Heimat 1952 ließen ihn die USA nicht mehr einreisen.

Chaplin kaufte sich daraufhin ein Anwesen am Genfer See in der Schweiz, wo er im Dezember 1977 im Alter von 88 Jahren starb.

Marion Martin