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stern-Gespräch

Dominik Elstner: "Sie war eine Löwenmutter" - nach Hannelore Elsners Tod spricht erstmals ihr Sohn

Im April starb Hannelore Elsner. Zum ersten Mal spricht ihr Sohn Dominik über ihre letzten Tage, seine besondere Kindheit und über seinen Vater Dieter Wedel. Die Fotos, die er von seiner Mutter machte, zeigen die große Schauspielerin ganz intim.

Hannelore Elsners Sohn über ihre Lebenslust und Vater Dieter Wedel

Hannelore Elsner mit ihrem Sohn Dominik Elstner 2014 während eines Fotoshootings am Starnberger See. Sie strich das T zu Beginn ihrer Karriere aus ihrem Nachnamen.

Herr Elstner, Sie hatten den Wunsch, dass wir uns für dieses Gespräch im Hotel Bayerischer Hof in München treffen. Was verbinden Sie mit diesem Ort?

Wenn ich hier bin, habe ich immer noch das Gefühl, meine Mutter könnte gleich um die Ecke kommen. Dieses Hotel war wie ein zweites Zuhause für sie. Und ihr Geist ist immer noch da. Wir haben hier viel gemeinsame glückliche Zeit verbracht, wenn sie in München vor der Kamera stand.

Erinnern Sie sich an das letzte Mal?

Das war vor etwa einem Jahr. Wir wollten so viel Zeit wie möglich miteinander haben. Deshalb teilten wir uns tagsüber sogar ein Zimmer. Sie saß auf dem Bett und lernte ihre Texte, während ich am Computer Fotos bearbeitete. Ab und zu hat sie aufgeschaut und mir zugewinkt. Da war immer eine Art Symbiose zwischen uns. Ich musste sie nur anschauen und wusste sofort, was in ihr vorgeht. So eine Mutter-Sohn-Beziehung ist ein großes Geschenk. Von solchen Erinnerungen zehre ich jetzt.

Ihre Mutter starb im April an Krebs. Wie geht es Ihnen heute?

Es haut mich hin und her. Jeder Tag ist anders. Heute früh habe ich mir ein paar alte Fotos angeschaut. Das hat mich wieder sehr traurig gemacht. Ich hätte nicht gedacht, dass ich in der Lage wäre, heute hier mit Ihnen zu sprechen. Aber jetzt gerade ist es okay. Ich glaube, solange ich mich mit meiner Mutter beschäftige, ist sie nicht weg. Aber mir graut schon vor dem Gang in ihre leer stehende Wohnung in Frankfurt.

Es ist die Wohnung Ihrer Kindheit.

In dieser Wohnung bin ich aufgewachsen, dort hat mich meine Mutter großgezogen. Es gibt dort sogar noch mein altes Kinderzimmer. Auf dem Bett liegt mein alter Teddy. Der trägt meine Babyklamotten. Nun muss ich in ein paar Tagen in die Wohnung, um einige Dinge zu regeln. Das schiebe ich wie eine Last vor mir her. Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum ich nach dem Tod erst einmal zu meiner Freundin geflüchtet bin. Vor meiner Wohnung in Köln und der meiner Mutter in Frankfurt haben sich Paparazzi postiert.

Innige Verbindung – Elsner zog ihren Sohn, hier 10, allein groß

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Zur öffentlichen Trauerfeier in München kamen Menschen aus ganz Deutschland, um Ihre Mutter zu verabschieden.

Die große Anteilnahme hat mich sehr berührt. Mir schreiben fremde Menschen, was ihnen meine Mutter bedeutet hat, und sprechen mir ihr Beileid aus. Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat mir in einem Brief kondoliert, der Außenminister Heiko Maas auch. Aber auch viele Freunde meiner Mutter stehen mir jetzt zur Seite, die ich vorher vielleicht gar nicht so auf dem Zettel hatte. Ich werde nicht alleingelassen. Das ist auch das Vermächtnis meiner Mutter.

Der Tod Ihrer Mutter hat viele Menschen überrascht. Niemand ahnte etwas von ihrer Erkrankung.

Sie wollte nicht als kranke Frau in der Öffentlichkeit stehen. Es gab nur ganz wenige enge Freunde, die Bescheid wussten. Ich erinnere mich, wie wir einmal vor ihrer Wohnung standen und ein paar Nachbarn sie etwas merkwürdig anschauten. Meine Mutter sagte: Warum gucken die mich so mitleidig an? Das hilft mir doch gar nicht. Sie wollte kein Mitleid. Sie wollte leben.

Seit wann wusste Ihre Mutter, dass sie krank ist?

Schon seit einiger Zeit. Ich war bei der Untersuchung dabei, als sie die Diagnose bekam. Brustkrebs, etwas später kam Leukämie dazu. Aber die Ärzte haben damals gesagt, sie hätte gute Chancen, zu überleben.

Wie hat Ihre Mutter darauf reagiert?

Sie hat gesagt: Okay, ich bin wohl doch nicht unsterblich. Ich bin jetzt verwundet. Ich muss jetzt etwas tun, auf mich achten, mich schonen. Sie hat dann eine Krebstherapie begonnen. Ich hatte den Eindruck, es würde ihr wieder besser gehen.

Nur den Eindruck?

Ja, meine Mutter vermied es, über ihren Zustand zu sprechen. Sie klagte nie. Wahrscheinlich wollte sie mich nicht belasten. Sie selbst ließ sich aber auch nicht von der Krankheit dominieren. Sie nahm die Sache ernst, aber schenkte ihr im Alltag keine Bedeutung. Sie sagte immer: Wenn ich so viel über diesen Tumor rede, dann stachele ich ihn noch an, und er frisst mich noch mehr auf.

Stattdessen arbeitete Ihre Mutter weiter. Drei Wochen vor ihrem Tod stand sie noch vor der Kamera.

Das war ja eine ihrer größten Ängste: dass sie nicht mehr arbeiten kann. Sie wollte spielen bis zum Schluss. Meine Mutter war im Kern ihres Herzens immer noch ein Kind. Sie hatte starke Energien, die auf andere abstrahlten. Ich habe schon bemerkt, dass meine Mutter in den letzten Jahren etwas abgebaut hatte. Aber sie konnte immer noch extrem nach vorne gehen. Vor ein paar Jahren begleitete ich sie als Fotograf für den stern einmal über die Berlinale. Da tanzte sie morgens um vier noch auf den Film-Partys, während ich schon völlig erledigt war und nur noch ins Bett wollte.

"Sie liebte ihn sehr, ohne sich ihm jemals zu offenbaren", sagt Dominik Elstner über seine Mutter und DJ Hell

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Die Dreharbeiten ihres letzten Films "Lang lebe die Königin" musste sie Anfang April dieses Jahres abbrechen.

Das Extreme war: Sie spielte eine krebskranke sterbende Frau. Es gab eine Szene, in der sie sich in einen Sarg legen musste. Aber niemand am Set ahnte, wie es meiner Mutter tatsächlich ging. Auch mir gegenüber hat sie versucht, das bis zum Schluss zu verheimlichen. Bis es nicht mehr ging.

Was war passiert?

Sie lag eines Morgens im Bett im Bayerischen Hof und konnte nicht mehr aufstehen. Sie rief ein paarmal an der Rezeption an, wo ein Fahrer wartete, der sie zum Filmset bringen sollte. "In zehn Minuten bin ich unten", sagte sie. Aber sie kam nicht. Sie konnte sich nicht mehr rühren vor Schmerzen.

Sie waren da gerade in Köln, wo Sie leben. Wie haben Sie davon erfahren?

Ein Arzt aus München rief mich an. Er sagte: "Herr Elstner, Ihrer Mutter geht es sehr schlecht. Sie müssen sofort nach München kommen." Ich wurde wütend, schrie ihn an, er solle mir keine unnötige Angst machen. Dafür habe ich mich später entschuldigt. Es war nur so, dass ich es in diesem Moment nicht wahrhaben wollte. Meine Mutter war die Kraftquelle meines Lebens.

Was sind Ihre ersten Erinnerungen an sie?

Ich erinnere mich noch gern daran, wie sie nachts zu mir ins Zimmer kam, nach einer Theaterpremiere. Ihr Gesicht erschien über mir in meinem Hochbett. Ihre schwarze Mähne, die roten Lippen, sie trug ein schönes Kleid. Sie sah wunderschön aus. Ich sagte zu ihr: "Du, Mama, du riechst so nach Nacht." Dieser Geruch hatte etwas Geheimnisvolles für mich.

Wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie der Sohn einer der berühmtesten Schauspielerinnen Deutschlands sind?

Es mag merkwürdig klingen, aber diesen Moment gab es nie. Sie hat mir früh erklärt: "Dominik, ich bin eine Art Gauklerin, ich spiele auf der Bühne, damit die Leute Freude haben." Das fand ich ziemlich cool. Im Kindergarten erzählte ich allen: "Meine Mutter ist eine Gauklerin." Und erntete damit staunende Blicke.

Erlebten Sie auch manchmal Neid gegenüber dem Sohn einer Frau, die von Männern umgarnt wurde und von Frauen für ihr Selbstbewusstsein bewundert wurde?

Nein, warum auch? Meine Mutter war keine Multimillionärin. Bis sie 40 war, lebte sie eher von der Hand in den Mund. Das Geld war immer knapp. Erst als sie die Rolle in der Krimi-Serie "Der Kommissarin" übernahm, liefen die Dinge in eine bessere Richtung.

Gestellte Idylle – Elsner und Dieter Wedel mit Dominik, 1981. Die Beziehung hielt nicht lange 

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Ihre Mutter hat Sie allein großgezogen. Über Ihren Vater, den Regisseur Dieter Wedel, sagte sie einmal: "Er ist nicht der Vater von Dominik, er ist sein Erzeuger."

Das war in Ordnung für mich, weil er sich nie wirklich um mich gekümmert hat.

Sie waren bereits 16, als Sie Ihren Vater das erste Mal trafen.

Das war in einem italienischen Restaurant in München. Meine Mutter, Bernd Eichinger und ich saßen dort zusammen. Da kam Dieter Wedel zur Tür herein, aber er ignorierte uns erst einmal. Bernd Eichinger hat ihn dann auf der Toilette zur Rede gestellt. Hat ihm gesagt: Pass mal auf, du musst da jetzt mal den ersten Schritt machen! Das ist dein Sohn! Er kam dann zu unserem Tisch. Ich stand ungelenk auf, war wie erstarrt und habe kaum ein Wort herausbekommen.

Ihre Mutter nennt Dieter Wedel in ihrer Biografie "Im Überschwang" immer nur "den Anderen". Noch vor Ihrer Geburt trennten sich die beiden. Sah es Ihre Mutter gern, dass Sie Kontakt zu Ihrem Vater suchten?

Sie wollte mir nicht vorenthalten, meinen Vater kennenzulernen.

Dieter Wedel lud Sie dann in den Schneideraum ein, damit Sie ihm bei der Arbeit zusehen konnten.

Ja, und ich weiß noch, dass meine Mutter furchtbare Angst davor hatte, dass er mich irgendwie verletzen könnte. Aber ich habe schnell gemerkt, dass er nicht der Vater ist, den ich brauche.

Im Januar 2018 warfen mehrere Schauspielerinnen Dieter Wedel gewaltsame sexuelle Übergriffe vor. Die ehemalige Schauspielerin Jany Tempel bezichtigte ihn, sie bei einem Vorsprechen vergewaltigt zu haben. Dieter Wedel hat die Vorwürfe bestritten.

Diese Geschichte hat meine Mutter und mich erschüttert und mitgenommen. Gleichzeitig hatte sie auch große Schuldgefühle mir gegenüber. Sie sagte, es tue ihr leid, dass sie mir so einen Vater angetan habe. Da habe ich ihr gesagt: Mama, du bist für mich Vater, Mutter, Oma, Onkel. Alles in einem. Du bist mehr, als ich mir wünschen kann.

Waren Sie erschüttert über das, was Ihrem Vater vorgeworfen wurde?

Ich habe Mitleid mit diesen Frauen. Aber ich wollte damals und will heute nichts dazu sagen, weil ich nichts von dem bestätigen kann, was angeblich passiert ist. Ich weiß nur, was zwischen meiner Mutter und meinem Vater passierte. Und das war schon zu viel.

Warum hat sich Ihre Mutter nie zu diesen Auseinandersetzungen geäußert?

Sie wollte nichts mehr mit ihm zu tun haben. Nie hat sie ein böses Wort in der Öffentlichkeit über ihn verloren, weil sie der Meinung war, dass sie die Dinge persönlich regeln muss. Nur einmal ist sie gegen meinen Vater vor Gericht gezogen. Er hatte in seiner Autobiografie behauptet, meine Mutter hätte mich ihm untergejubelt. Sie hätte ihm gesagt, sie könne gar nicht schwanger werden. Das hat meine Mutter sehr gekränkt. Weil es gelogen und verachtend war. Das Gericht entschied, dass die Passagen im Buch geschwärzt werden mussten.

Hannelore Elsner wurde als Hannelore Elstner 1942 im oberbayerischen Burghausen geboren und wuchs dort, in Neuötting und in München auf. Mit 17 Jahren hatte sie ihre erste Kinorolle. Sie absolvierte die Münchner Schauspielschule, trat im Theater und in Kino- und Fernsehfilmen auf. Von 1994 bis 2006 spielte sie die Hauptrolle in der ARD-Fernsehserie "Die Kommissarin". Für ihre Darstellung der depressiven Schriftstellerin Hanna Flanders in Oskar Roehlers Film "Die Unberührbare" gewann sie mehrere Preise. Elsner starb am 21. April 2019 im Alter von 76 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

Hannelore Elsner wurde als Hannelore Elstner 1942 im oberbayerischen Burghausen geboren und wuchs dort, in Neuötting und in München auf. Mit 17 Jahren hatte sie ihre erste Kinorolle. Sie absolvierte die Münchner Schauspielschule, trat im Theater und in Kino- und Fernsehfilmen auf. Von 1994 bis 2006 spielte sie die Hauptrolle in der ARD-Fernsehserie "Die Kommissarin". Für ihre Darstellung der depressiven Schriftstellerin Hanna Flanders in Oskar Roehlers Film "Die Unberührbare" gewann sie mehrere Preise. Elsner starb am 21. April 2019 im Alter von 76 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

Hat Ihr Vater Ihnen nach dem Tod Ihrer Mutter kondoliert?

Er hat einige Nachrichten auf meiner Mailbox hinterlassen. Ich werde entscheiden, wann ich mich bei ihm melde. Und wenn er irgendwann meine Hilfe brauchen sollte, werde ich da sein.

Weil er Ihr Vater bleibt und Sie ihn lieben, egal, was er getan hat?

Nein, mit Liebe hat das nichts zu tun. Er hat extreme Fehler gemacht. Ich werde ihn nicht ändern können, aber ich kann ihm vergeben. Aber nur für mich selbst. Wenn die anderen Dinge, die man ihm vorwirft, stimmen – dafür kann er von niemandem Vergebung erwarten.

Der Produzent Nico Hofmann sagt über Ihre Mutter: "Bei allen Männern und Liebschaften, ihr Sohn Dominik war das Zentrum ihrer Kraft." Haben Sie das auch so empfunden?

Meine Mutter hat alles für mich getan. Ihre größte Angst war, dass ich nicht zurechtkomme im Leben, nicht genug Geld verdiene als Fotograf oder auf die falschen Freunde reinfalle.

Woher kam diese Angst?

Das liegt sicherlich auch an den Umständen meiner Geburt. Ich kam drei Monate zu früh auf die Welt, und es war lange nicht klar, ob ich überleben würde. Jeden Tag sah meine Mutter auf der Kinderstation andere Babys sterben. Ich kam durch, weil sie wie eine Löwenmutter um mich gekämpft hat. Das hat unsere Bindung noch einmal verstärkt.

Waren Sie eifersüchtig, dass Sie Ihre Mutter mit der Öffentlichkeit teilen müssen?

Nein, ich war ja gern mit ihr unterwegs. Irgendwann sagte mir meine Mutter einmal: "Ach, Dominik, jetzt gehst du mit deiner alten Mutter in die Diskothek!" Ich habe ihr gesagt: Ach, Mama, du tanzt mit 70 noch so toll! Ich liebe es, mit dir unterwegs zu sein. Da können sich viele junge Mädchen etwas von abgucken.

Ihre Mutter war auf jeder Veranstaltung das Zentrum der Aufmerksamkeit. Sie kletterte und tanzte auf Tischen. Mit Rotweinglas in der einen Hand, die Zigarette in der anderen.

Aber sie war keine Partyfrau, die sich verschwendete. Sie achtete sehr auf sich. Sie hatte den schwarzen Gürtel in Kung-Fu und konnte mit 60 noch ins Spagat gehen. Ich muss laufen, springen, hüpfen, hat sie immer gesagt. Sie hatte eine unglaubliche Lebenslust, die in Gesellschaft von Kollegen aufblühte. Und sie konnte anderen Menschen unheimlich viel Energie geben. Doch danach zu Hause ist sie oft selbst in sich zusammengefallen.

War Ihre Mutter einsam?

Es gab solche Momente. Da sagte sie: "Dominik, immer muss ich alles allein machen. Niemand kümmert sich um mich." Aber sie konnte Nähe auch nur schwer zulassen. Vielleicht hatten auch manche Menschen Angst, sich ihr zu nähern, weil sie diesen Ruf der unnahbaren Diva hatte. Sie ist von vielen Männern enttäuscht worden, aber hat immer daran geglaubt, jemanden zu finden, der mit ihr seelenverwandt ist. Aber sie wollte keinen von diesen, wie sie immer sagte, alten, konservativen Knackern, die sich für sie interessierten. Aber es gab da jemanden, den sie sehr liebte, ohne sich ihm jemals zu offenbaren. Sie war in DJ Hell verliebt, einen Musikproduzenten aus München.

Dominik Elstner wurde 1981 geboren. Sein Vater ist der Filmregisseur Dieter Wedel, seine Eltern trennten sich rasch. Elstner lebt in Köln und arbeitet als Fotograf. Immer wieder fotografierte er auch seine Mutter, die über seine Bilder einmal sagte: "Er hat diesen anderen Blick auf mich. Ich bin es, und ich bin es nicht. Es macht Spaß, als Mutter zu verschwinden. Vor seinen Augen. Diese Spielfreude hat mein Sohn wunderbar eingefangen."

Dominik Elstner wurde 1981 geboren. Sein Vater ist der Filmregisseur Dieter Wedel, seine Eltern trennten sich rasch. Elstner lebt in Köln und arbeitet als Fotograf. Immer wieder fotografierte er auch seine Mutter, die über seine Bilder einmal sagte: "Er hat diesen anderen Blick auf mich. Ich bin es, und ich bin es nicht. Es macht Spaß, als Mutter zu verschwinden. Vor seinen Augen. Diese Spielfreude hat mein Sohn wunderbar eingefangen."

Wie lernten sich der DJ und die Diva kennen?

Sie haben sich vor ein paar Jahren auf einer Party im Garten des deutschen Botschafters in Singapur kennengelernt. Die beiden tanzten die ganze Nacht zusammen auf dem DJ-Pult. Später im Aufzug überlegten sie, ob sie sich noch näherkommen könnten, aber keiner von beiden traute sich. Denn auch Helmut Geier, so heißt DJ Hell, hatte Angst, von der großen Film-Diva Hannelore Elsner abgewiesen zu werden. Heute denke ich: Warum habt ihr euch nicht getraut! Warum seid ihr beide bloß aneinander vorbeigeflogen! Bevor meine Mutter starb, rief ich Helmut an. Ich sagte, wenn du meine Mutter noch sehen willst, musst du dich beeilen! Als er kam, war sie leider schon gestorben.

Gab es Menschen, die Ihre Mutter vor ihrem Tod noch sprechen wollte?

Als sie ins Krankenhaus kam, ging es meiner Mutter schon sehr schlecht. Sie bekam Morphium gegen ihre Schmerzen. Sie war nur selten bei Bewusstsein, aber ich saß die meiste Zeit an ihrem Bett. Hab ihr vorgelesen. Aus ihrem Buch. Geschichten aus ihrer Kindheit.

Hat Sie Ihre Anwesenheit noch wahrgenommen?

Ja, es gab immer wieder klare Momente. Als ich am 18. April Geburtstag hatte, habe ich meiner Mutter ins Ohr geflüstert: Mama, ich habe heute Geburtstag. Da riss sie die Augen auf und war noch einmal da. Sie hat gesagt: "Oh, Gott, oh, mein Gott!" Ich habe sie dann beruhigt und gesagt, dass ich jetzt kein Geschenk von ihr erwarte. Das größte Geschenk sei doch, dass ich jetzt in diesem Moment mit ihr zusammen sein konnte.

Gibt es etwas, was Ihnen Ihre Mutter noch auf den Weg mitgegeben hat?

Sie war niemand, der einem Aufträge erteilt. Bei ihr gab es immer nur ein "Du könntest doch mal". Ich werde mich für den Verein Karuna einsetzen, der Straßenkindern in Berlin hilft. Meine Mutter war dort Schirmherrin. Es soll jetzt eine Montessori-Grundschule in Berlin nach ihr benannt, die "Hannelore Elsner Schule". Und ich plane noch ein großes, wildes Fest. Da soll eine Nacht durchgetanzt werden. Ihre engsten Freunde werden dazu eingeladen. DJ Hell soll auflegen. Ich glaube, das wird ein Fest, das meiner Mutter sehr gefallen hätte.

Sehen Sie einen Rückblick auf de Karriere von Schauspiel-Ikone Hannelore Elsner im Video:

Hannelore Elsner
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