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Heinz Erhardt: Seine Filme der fünfziger und sechziger Jahre

Auch 25 Jahre nach seinem Tod zählt Heinz Erhardt noch immer zu den beliebtesten deutschen Komikern. Ein neuer Bildband widmet sich seinem filmischen Schaffen der Wirtschaftswunderzeit.

Von Carsten Heidböhmer

Die Jahre des Wiederaufbaus waren für die Deutschen alles andere als leicht. Vielleicht war man deshalb so dankbar für ein bisschen Abwechslung und Spaß, wie ihn Heinz Erhardt bot. Ab 1947 machte er eine Blitzkarriere und stieg in den 50er und 60er Jahren zum beliebtesten deutschen Komiker auf.

1909 in Riga geboren, studierte er von 1926 bis 1928 in Leipzig Musik. Nach seiner Beschäftigung im Musikalienhandel wechselte nach Danzig, wo er ohne Erfolg beim Radio arbeitete. In Berlin machte er sich dann mit seinen unpolitischen Witzen am "Kabarett der Komiker" einen Namen.

Für den Film entdeckt

Der große Durchbruch kam nach dem Krieg in Hamburg, wohin Erhardt mit Frau und Kindern gezogen war. Beim Rundfunk konnte er seinen unverwechselbaren Ton verfeinern ("Noch'n Gedicht"). Heinz Erhardt stand für einen milden Humor, voll familientauglich, nicht böse, nicht verletzend. Dazu kam seine lustige Erscheinung: Ein fülliger Herr mit dicker Brille, schütterem Haar und freundlichem Gesicht. Bald wurde der Film auf ihn aufmerksam und verschaffte ihm eine Hauptrolle nach der anderen. Wie kein zweiter brachte Heinz Erhardt die Wirtschaftswunder-Deutschen am Nierentisch zum Lachen.

Einführung in das Filmschaffen

Seiner filmischen Schaffensphase ist ein im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienener Bildband gewidmet. "Heinz Erhardt: Mopsfidel im Wirtschaftswunderland" führt mit mehr als 500 Fotos in die Welt der großen Familienkomödien der fünfziger und sechziger Jahre ein. Filme wie "Witwer mit fünf Töchtern" (1957), "Vater, Mutter und neun Kinder" (1958) und "Natürlich die Autofahrer" (1959) werden samt ihrer Entstehungsgeschichte ausführlich abgehandelt. Der Leser erfährt viel über den Geist der Epoche und die Rezeption der Filme, die anhand von Pressestimmen nachgezeichnet wird. Porträts von beteiligten Schauspielern und Regisseuren, darunter Trude Herr, Peter Frankenfeld und Freddy Quinn, runden die Kapitel ab.

Gut lesbare Abhandlungen

Dem Buch vorangestellt ist ein umfassender biografischer Abriss, der in Leben und Schaffen des Multitalents einführt. Ein zweites Kapitel schildert in die kulturellen und mentalitätsgeschichtlichen Hintergründe der 50er und 60er Jahre. Anhand einer Schilderung der bundesrepublikanischen Filmlandschaft lassen sich die Erhardt-Filme als Kinder ihrer Zeit verstehen. Das alles geschieht in einem erfrischend leichten, unakademischen Ton, der das Werk für Laien und Liebhaber prädestiniert. Der Anhang enthält schließlich einen chronologischen Lebenslauf von Heinz Erhardt und eine kommentierte Auflistung seiner Kino- und TV-Filme. Die Autoren Manfred Hobsch und Michael Petzel sind beides Experten für den deutschen Film und haben bereits in der Vergangenheit mit Veröffentlichungen u.a. zu Karl-May-Filmen oder Heinz Erhardt auf sich aufmerksam gemacht.

Mitte der 60er Jahre schien Heinz Erhardts große Zeit beim Film vorbei, seine Hauptrollen wurden seltener. Die große Karriere endete im Dezember 1971: Heinz Erhardt erlitt einen Schlaganfall und war jahrelang an den Rollstuhl gefesselt. 1979 ist er in Hamburg gestorben. Dieses Buch gibt den vielen alten, aber auch jungen Heinz-Erhardt-Fans die Gelegenheit, seine große Zeit beim Film wieder aufleben zu lassen.

Manfred Hobsch und Michael Petzel

Heinz Erhardt: Mopsfidel im Wirtschaftswunderland


Seine schönsten Filme aus den fünfziger und sechziger Jahren
520 Seiten, etwa 550 Abbildungen, davon ca. 100 in Farbe
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin; 49,90 Euro
www.schwarzkopf-schwarzkopf.de