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Tui-Marathon: Promis gegen den inneren Schweinehund

Auf Mallorca startet am 21. Oktober der Tui Marathon. Auch viele deutsche Fernsehstars laufen mit - für einen guten Zweck. Auf stern.de berichten sie von ihren Trainigserfolgen und Rückschlägen.

Auf Mallorca startet am 21. Oktober der "Tui Marathon Palma de Mallorca". Auch viele deutsche Fernsehstars laufen die 42,195 Kilometer - für einen guten Zweck: Der Erlös kommt der Tabaluga-Kinderhilfe zugute. Vergangenes Wochenende trafen sich die Promis im Seebad Damp, um unter Anleitung von Sportarzt Dr. Thomas Wessinghage für den Lauf zu trainieren. Ein Kamerateam von stern.de begleitete die Promis bei ihren Trainingsläufen.

Moderatorin Milka Loff träumt beim Laufen oft vom Marathon, ist jedoch nie in der Gruppe gelaufen. Bisher hielt sie der psychische Druck davon ab, an einem solchen Laufwettbewerb teilzunehmen - ein Relikt aus dem Horrortagen des Schulsports. Moderatorin Andrea Ballschuh schafft schon locker die zehn Kilometer, doch im Winter streckte sie ihr Schweinehund nieder. Dafür soll er nun auf der Halbmarathons-Distanz büßen. Schauspieler Tim Bergmann wagt sich auf die große 42-Kilometer-Runde. Warum? "Weil der tui-Marathon eine Kombination aus vielen gesellschaftlichen Aspekten ist, die mir wichtig sind: der sportliche, der gemeinschaftliche und der Aspekt, sich für eine gute Sache einzusetzen."

Milka Loff Fernandez, 26 Jahre

5. Tagebucheintrag

Also so langsam wird es spannend. Keine vier Wochen sind es noch bis zum Marathon und ich kann nur hoffen, dass mein Trainingspensum ausgereicht hat. Denn ganz konsequent war ich nicht.

Ich glaube, am Ende ist und bleibt es eine Kopfsache. Ich werde 50 Mal aufgeben wollen und es dann doch nicht tun und kann nur hoffen, dass ich beim 51sten Mal schon durchs Ziel bin.

Mittlerweile bin ich überzeugt davon, dass ich circa drei Stunden brauchen werde, bis ich die Ziellinie erreiche. Ich bin nicht besonders schnell merke ich im Training und mein Ehrgeiz packt mich in dieser Hinsicht bis heute noch nicht. Also habe ich irgendwann beschlossen, dass ich es ganz entspannt angehen werde. Schließlich will ich erst einmal abchecken, wie lang mir die Strecke vorkommt, ob ich sie überhaupt packen werde und was mir dabei so durch den Kopf geht. Bisher kann ich nur sagen, dass schon die konsequente Vorbereitung auf den Lauf eine so große Herausforderung für mich dargestellt hat, dass ich stolz sein kann, es bis hierhin geschafft zu haben.

Der Spaß ist das Wichtigste

Zu meinen wichtigsten Erkenntnissen gehörte da sicher die Folgende:

Es ist nur ein Halbmarathon. Ich renne nicht um mein Leben. Es geht darum, Spaß zu haben und wenn ich es nicht schaffe, laufe ich halt im nächsten Jahr nochmal und schaffe ihn dann.

Ich bin neugierig geworden. Neugierig zu wissen, wie es ist, diese Hürde zu nehmen und zu schaffen. Neugierde ist meine größte persönliche Motivation. Sie ist das Einzige, was mich dazu bringt, die Dinge zu einem Ende zu bringen, dranzubleiben, nicht aufzugeben und schließlich zu siegen.

Dieser Sieg ist nicht das erfolgreiche Beenden des Mallorca Halbmarathons '07 sondern das Beenden eines Halbmarathons an sich. Die Tatsache, das Wie und Wie viel ich dafür trainiert habe; was ich verändern kann, um noch besser zu werden, schneller, gelassener.

Die Angst vor den Mitläufern

Ich bin furchtbar aufgeregt. Schließlich laufe ich immer allein. Ich meide große Joggermassen sogar. Wie wird es dann wohl sein in einer solch großen Menschenmasse eine so lange Strecke zu laufen. Über was unterhält man sich während des Laufs? Oder unterhält man sich gar nicht, weil einem dafür die nötige Spucke fehlt. Was soll ich anziehen?

Naja, noch ist es nicht soweit.

Berlin ist jedoch schon jetzt von Kopf bis Fuß aufs Laufen eingestellt. Bald ist Berlin-Marathon und Hinz und Kunz verabreden sich im Tiergarten zum gemeinsamen Radfahrer in den Weg laufen. An den Straßen hängen schon jetzt unzählige "Wehe sie stellen ihren Wagen - hier - ab - dies - ist Marathonstrecke"-Schilder und aus dem Radio ertönen schon jetzt "Lassen - sie - ihr - Auto - bloß - stehen" - Aufrufe, so dass man sich leicht fragt: "Ja, wat denn nu? Wo denn nu?" Vielleicht sollten Freunde der Gemütlichkeit und ihres Automobils wohl an jenem Wochenende am Besten die Stadt verlassen.

Genau das werde ich auch tun. Zwar fahre ich kein Auto und ich störe mich auch nicht weiter an den Menschenmassen, die sich in mehr oder weniger zügigem Tempo durch die Stadt wälzen. Ich will nur nicht, dass mir auch nur ein einziges gequältes Gesicht unterkommt. Ich habe gerade eine ganz gute Grundmotivation, wie oben schon beschrieben. Also werde ich schön in Hamburg sein. Locker um die Alster laufen und nebenbei noch etwas Kart fahren - konzentriert und aggressiv. Denn hier kann ich angreifen. Und das Outfit? Uniform: Helm und Raceanzug.

4. Tagebucheintrag

Um es mit Heinz Erhardts Worten zu sagen: "Wenngleich die Nas', ob spitz, ob platt, zwei Flügel - Nasenflügel - hat, so hält sie doch nicht viel vom Fliegen; das Laufen scheint ihr mehr zu liegen." Kurz: Ich bin krank! Erkältet, verfiebert, geplättet. Eine Prise Mitleid bitte! Gut das reicht! Ich habe mir nämlich fest vorgenommen morgen wieder am Start zu sein und in aller Herrgottsfrühe meine Runde zu drehen. Ist ja nicht mehr lang hin bis zum Tag X auf Mallorca.

Doch so langsam wird mir klar, dass ich nicht zu viel von mir erwarten sollte. Ich beginne so etwas wie einen pessimistischen Optimismus (im Volksmund auch Realismus genannt) zu kultivieren, der mich davor bewahren soll, durch all zu hohe Erwartungen, à la "Ich schaffe den Halbmarathon in unter zwei Stunden" mitten im Lauf enttäuscht aufzugeben. Ich kenne mich mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass genau das mein größter Feind sein wird.

Also werde ich sehen, wie ich nach diesen (hoffentlich nur) fünf Tagen Pause zurück ins Training finden werde. Werde mir meine Laufschuhe zubinden, das Laufband oder die Straße malträtieren und selbst wenn mir alle anderen Läufer um so vieles schneller erscheinen, -die Pulsuhr fest im Blick - meine Runden drehen.

Was es mit Angelinas Mördermöpsen auf sich hat

Nicht unwichtig bei diesem Unterfangen ist, wie sich herausstellte, das dazugehörige Unterhaltungsprogramm. Denn: "Langeweile ist die Halbschwester der Verzweiflung." (Marie von Ebner-Eschenbach)

In meinem Fitnessstudio suche ich mir Sendungen aus, die ich gerne sehe und die etwa eine bis anderthalb Stunden lang sind, so dass ich keinen Grund habe, das Laufband zu verlassen, weil mir langweilig ist. Das funktioniert hervorragend und dem kommt zugute, dass ich zu Hause keinen Fernseher besitze.

Wenn diese Sendung allerdings "Nur die Liebe zählt" oder "Email für Dich" heißt, komme ich mit der Atmung schon mal durcheinander. Filme, wie "New York Taxi" oder "Tomb Raider" eignen sich ebenfalls sehr gut, doch treiben die den Puls schon mal gerne in die Höhe, weil mich beim Anblick einer Gisele Bündchen oder einer Angelina Jolie mit Mördermöpsen (warum trägt die überhaupt noch Waffen mit sich rum mit diesen zwei schussbereiten Kalaschnikows unter dem Schiesser-Shirt?) schon so manches Mal die Sprintwut überkommt. Doch Beides erfüllt im Endeffekt seinen Zweck: Ich schaffe die langen Läufe.

Ich habe ganz im Übrigen noch etwas gefunden, was noch langweiliger ist, als stundenlanges Laufen: INDOOR CYCLING! Aber das nur mal so am Rande.

Visuelle Abwechslungen bietet mir Draußen natürlich die Natur... Oder vielmehr: die wechselnde Intensität des Grüns der just von den Landschaftsgärtnern der Stadt Berlin am Straßenrand gepflanzten Linden an den unterschiedlichen Tagen, im jeweils unterschiedlich intensiven Licht der Sonne, bei bewölktem Himmel, bei Regen oder im morgendlichen Dunst des Berufsverkehrs.

Das Bäume doch so groß werden können...

Ich freue mich jedes Mal, wenn ich mich für einen Lauf entschlossen habe, in den Grunewald zu fahren, oder an den Wannsee. Plötzlich wird das Laufen zum Erlebnis und ich werde zum Kundschafter, Pionier und Stöberer. Nicht selten passiert es so jedoch auch, dass ich stehenbleibe und staune. Als Stadtkind finde ich es immer wieder toll, wie groß Bäume werden können oder wie leicht man in einem Wald verloren gehen kann.

Ganz wichtig beim Laufen draußen ist auch die Musik. Zu Zeiten von iPod und Co. kann man ja aus einem schier unerschöpflichen Pool aus Liedern wählen, die während des Laufens für Tempo und noch mehr Unterhaltung sorgen. Ganz toll finde ich auch Hörbücher. Da man ja in der Regel gestresst ist, kommt ab und an mal eine Meditations-CD auf den Memory Stick, obwohl man bei denen auch nicht selten aufpassen muss, welche man mitnimmt - Augen zu beim Laufen kann jedenfalls ganz gewaltig in die Hose gehen. (Mann bin ich heute wieder witzig...haha)

Na ja, jedenfalls wollte ich an dieser Stelle mal meine aktuelle Lauf-Top-10 veröffentlichen: 1. Satisfaction - Benny Benassy
2. Feeling Good - Michel Bublé
3. Vamp - Trentemoller
4. Slow - Mayer - Aguayo
5. Love Stoned - Justin Timberlake
6. Brianstorm - Arctic Monkeys
7. Supermassive Black Hole - Muse
8. Pageant of the Bizarre - Zero 7
9. Song 4 Mutya (Out of Control) - Groove Armada
10. Sunday Morning - Maroon 5

3. Tagebucheintrag

Etwas anzufangen ist so unglaublich einfach. Etwas beizubehalten hingegen so unendlich schwer. Soll heißen: Es ist soweit. Ich kämpfe mit dem Motivationsloch. Ich frage mich, wozu das ganze eigentlich gut ist. Schwänze den langen Lauf am Samstag, weil ich am Freitagabend zu lange auf einer Party war. Trinken und Rauchen UND Laufen? Das verträgt sich nur schlecht.

Während die Sommersonne freundlich durch einen Spalt der Gardinen lugt, blinzele ich die Zimmerdecke an. Das schlechte Gewissen zieht an meinem Bettlaken. Die Laufklamotten habe ich mir noch in der Nacht mit viel Klarem im Kopf akkurat zurechtgelegt. Die verschwitzten, nach Rauch und Clubmief stinkenden Sachen habe ich auf den Boden daneben geschmissen. Ich habe noch nicht einmal Kopfschmerzen. Was wäre wenn ich nur einen kurzen Lauf machen würde. Wäre wohl besser als nichts...

Genau in diesem Moment legt mein Freund seinen warmen, trägen Arm um mich. "What a tender trap", um es mit Frank Sinatras Worten zu sagen. Ich lasse die Sonne, Sonne sein (es ist ja noch lang hin zum Tui-Marathon) und schließe meine Augen.

Das Problem langer Laufeinheiten

So, oder so ähnlich, sehen die Situationen aus, die sich in letzter Zeit massiv bei mir zu häufen scheinen. Noch siegt meistens die blanke Vernunft, die mir von der Wichtigkeit des regelmäßigen Trainings und langer Laufeinheiten erzählt. Letztere stellen das größte Problem dar.

Es ist für mich kein Ding jeden Tag eine halbe Stunde laufen zu gehen, aber jeden zweiten oder dritten Tag eine bis anderthalb Stunden lang meine Runden zu drehen, erscheint mir wie ein nicht enden wollender Hürdenlauf. Eine Stunde ist so eine Zeiteinheit, die sich, wenn man sich gerade an ihrem Anfang befindet - also nach circa zehn Minuten - lang anfühlt.

Eine Strecke, die ich in einer Stunde ablaufe, würde ich nie und nimmer zu Fuß gehen. Für solche Strecken gibt es in Berlin schließlich Fahrradrikschas. Eine Stunde und mehr bin ich bisher auch nur gelaufen, wenn ich das mal zur Entspannung brauchte, oder wenn ich mich in einer fremden Stadt verlaufen hatte, aber niemals als reguläre Trainingseinheit. VIIIIIIIIIIEEEEEEL zu eintönig auf Dauer.

"Die Tugend der Jugend"

Mir fällt an dieser Stelle ein, dass die meisten Menschen, die einen Marathon laufen wollen, so Mitte Dreißig sind. Ich frage mich, warum das so ist. Steht jugendlicher Ungestüm dem beharrlichen "Auf-ein-Ziel-zuarbeiten,das-so-weit-weg-ist,-dass-man-es-nicht-sieht" eventuell im Weg? Nun, auf mich trifft das sicherlich zu.

"Die Tugend der Jugend", ihre Ungeduld, wird für mich in diesem Fall zum echten Problem. Ich mache keine Trainingsfortschritte. Deswegen trainiere ich nicht. Ich laufe nicht schnell genug. Also beschließe ich zu gehen. Andere Läufer überholen mich. Wenn ich jetzt umdrehe, bin ich ganz bestimmt schneller zu Hause als die! Na ja, ganz so schlimm ist es auch wieder nicht, aber diese Gedanken schwirren mir tatsächlich durch den Kopf. Ob ich damit alleine bin?

Apropos durch den Kopf schwirren. Ich finde, die Gedanken, die einem bei den längeren Läufen durch den Kopf gehen, verdienen hier erwähnt zu werden. Auf unserem Laufseminar hieß es: "Legt euch zurecht, woran ihr während des Halbmarathons denken wollt!"

Das Laufen als Meditation nutzen

Ungeachtet der Tatsache, dass das für mich damals schon genauso klang, wie die Aufforderung, den Inhalt meines Kleiderschranks nach Farben zu ordnen, die Pullover auf Kante zusammenzulegen und das Ganze über mehrere Monate so geordnet zu halten, es gibt Dinge, die einfach nicht zu bewerkstelligen sind.

Aber getreu meiner Devise: "Alles ist unmöglich, wenn Du es nicht versuchst" habe ich es halt versucht. Ich las in Laufratgebern, dass man den täglichen Lauf als Meditation nutzen könne - mit gewollt sinnfreien Begriffen, wie z.B. "iamon", die man währenddessen repetitiv vor sich herdenken solle. Bei mir hat es nicht funktioniert.

Anstatt irgendwann in einen Zustand der Gedankenlosigkeit zu geraten, dachte ich immer wieder so was wie: "iamon...iamon...blöde Fußgängerzone, alle so langsam hier... iamon... hört sich an wie yummy... ich habe Hunger... riecht so lecker... iamon... nach Pizza... iamon... iamon... ja man, ich mach ja schon platz... Blöde Fahrradfahrer, denken wohl sie wären allein auf der Straße..."

Ich kam mir dabei irgendwann ziemlich doof vor. Dann las ich noch, man könne sich vorstellen man stehe vor einem tosenden Wasserfall, vor Wassermassen, die sich mit ihrer ganzen Kraft über eine Klippe schieben, um mit einem gewaltigen Donnern zwanzig Meter weiter unten aufzuschlagen. Diese Kraft solle man sich zu Eigen machen. Das wäre die Kraft, die in den eigenen Beinen stecken würde, die einen unablässig weiter bis ins Ziel tragen würde...

Die Hoffnung auf Abwechslung

Diesen Gedanken fand ich eigentlich gar nicht so schlecht. Nur leider hielt meine Blase dem ständigen imaginären Anblick von Wasser nicht stand und ich musste bald einen Umweg zu einer Lokalität nehmen, in der mich die freundliche Bedienung die Örtlichkeiten benutzen ließ.

Mir sind mitunter auch tolle Dinge eingefallen, über die man so nachdenken könnte, ohne sich dabei vor sich selbst total lächerlich zu machen. Wie zum Beispiel solche über den Sinn und Unsinn von Entwicklungshilfe, die Frage: "Was genau bedeutet die Föderalismusreform?" oder "Ob ich wohl wieder in meine 27ger Jeans passe?"

Zwei Stunden füllte jedoch keiner dieser Gedankengänge aus. Ich hoffe sehr, dass bei dem Marathon eine Menge Leute für sehr viel Ablenkung sorgen werden, denn selbst wenn ich diese Strecke mangels Training irgendwann gehen muss, sehe ich das als einzige Möglichkeit, mich nicht bei Kilometer zehn selbst an den Rand zu stellen.

2. Tagebucheintrag

Ich meine mich erinnern zu können, dass ich mich darauf gefreut habe meinen ersten Halbmarathon auf der schönen Insel Mallorca zu laufen. Ich hatte die Vorstellung von einem Marathon mit Meerblick. Dazu nette Jungs mit nacktem Oberkörper, die schwitzend neben mir herlaufen, und vielleicht sogar einem lustigen Stopp am Ballermann. Man soll ja viel trinken? Hihi. Ich muss mir eingestehen, dass ich mich mal wieder stark geirrt habe...

Schon seit einem halben Jahr wollten mein bester Freund und ich uns eine Woche Relaxen unter mallorquinischer Sonne gönnen. Vor drei Wochen war es dann endlich soweit. Und natürlich hatte ich auch, den mahnenden Ton der Stimme des Dr. Wessinghage im Kopf, meine neuen Laufschuhe und meinen Trainingsplan dabei. Von nix kommt ja nix! Auch nicht im Urlaub! Beim Blick auf den Trainingsplan habe ich dann aber doch beruhigt aufgeatmet. Für die Woche waren lediglich drei Läufe vorgesehen. Es konnte also gleich am nächsten Morgen losgehen.

Als dann aber unser Mietwagen den schmalen, steilen Bergweg zum Hotel im ersten Gang hoch ächzte, kam mir der Gedanke, dass der Urlaub vielleicht doch nicht ganz so entspannend werden würde. Im Hotel angekommen raste ich also zuallererst ins Businesscenter und suchte im Internet nach dem TUI Marathon und vor Allem danach, wie viele Höhenmeter man im Streckenverlauf hinter sich bringen musste. Die Zahl, die mir vom Bildschirm entgegenflimmerte, klingt für eine in Berlin lebende Hamburgerin, vernichtend. Mallorca ist eine Insel, verdammt noch mal! Warum ist die nicht so flach wie Helgoland? Wunschdenken macht blauäugig.

Der Wille zählt

Nichtsdestotrotz zog ich am nächsten Morgen meine Laufschuhe an und machte mich auf den Weg. Man hatte mir gesagt, dass die Straße in einem Kreis um das Hotel führt und man für den Weg etwa eine Stunde benötigt. Soweit, so gut. Nun stellte sich mir die Frage: Wohin zuerst? Nach oben oder nach unten? Ich entschloss mich für oben, den schwierigen Part zuerst, und machte mich auf den Weg. Einen Weg, der sich am Anfang mit einer noch moderaten Steigung von vielleicht sieben Prozent und ein paar Ebenen noch als recht gnädig erwies. So zuckelte ich etwa 20 Minuten den Berg hoch, in andächtiger Bewunderung des traumhaften Blickes auf die Bucht von Palma. Ich fand es auch gar nicht wirklich anstrengend. Ich freute mich sogar, dass ich die Anmerkung FS (Fahrtspiel) endlich mal ernst nehmen würde.

Nach einer engen Kurve dann der Schock! Asphalt auf Augenhöhe!!! Schlagartig fing ich an zu trippeln und mein Herz trippelte scheinbar gleich mit. An kontrolliertes Atmen war gar nicht mehr zu denken, und so kurz vor meinem letzten Atemzug fing ich an zu überlegen, ob ich denn schon mein Testament verfasst hätte und wenn ja, wohin ich es denn verlegt hätte? Schließlich würde die Guardia Civil in dieser Einöde ewig brauchen, bis sie mich fänden. Jedenfalls spürte ich mein Herz schon in meiner Speiseröhre.

Hundegebell riss mich schließlich aus meinem verzweifelten Kampf gegen den Brechreiz. Aus meiner Erfahrung von den Kapverdischen Inseln wusste ich nur noch zu genau, dass Hunde in südlicheren Gefilden in den seltensten Fällen bellen, weil Frauchen Stöckchen werfen soll. Ich wusste auch, dass, wenn ich nicht selbst zum Stöckchen werden wollte, ich mir schleunigst was überlegen musste. Da allerdings die Versorgung meiner kleinen grauen Zellen im Kopf aufgrund der Anstrengung viel zu kurz gekommen war, fiel mir genau das ziemlich schwer. Viel später sollte mir dieser Umstand noch ein Lächeln ins Gesicht zaubern, weil ich nun endlich nachvollziehen kann, wie Mann sich wohl ab und an mal fühlt.

Ich machte also auf dem Absatz kehrt und lief ziemlich schnell, dem Gefälle sei dank, zurück. (Übrigens sollte ein Läufer genau DAS beim Anblick eines keifenden Hundes NICHT tun). Um die Zeit dann doch noch voll zu kriegen, drehte ich noch ein paar Runden auf den wesentlich überschaubareren Hügeln des an das Hotel grenzenden köterfreien Golfplatzes. Dort lief ich dann auch für den Rest der Woche, wenn ich mich nicht für das Laufband im Hotel entschied, in der Hoffnung, dass beim Marathon im Oktober unbedingte Leinenpflicht für Hundehalter gilt.

1.Tagebucheintrag

"Ich kann laufen!", denke ich mir. "Ich kann laufen. Ich kann laufen. Ich kann laufen." Gerade jogge ich durch den Berliner Tiergarten. Es ist verdammt heiß und ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich 45 Minuten an diesem Morgen bereits mit Laufen verbracht habe. Außer mir sind vielleicht drei oder vier andere Läufer unterwegs. Alle nass bis auf die Knochen. Wir alle springen von Schatten zu Schatten in der vagen Hoffnung, es dort etwas kühler zu haben und ich habe den Eindruck, dass noch nicht einmal die Gassi gehenden Hunde Lust auf ihr Stöckchen haben. Ich hoffe sehr, dass dieser Oktober auf Mallorca verhältnismäßig kühl wird.

45 Minuten sind bei mir die obere Grenze. Ich laufe ganz gerne, aber hier hört das Laufvergnügen auf und die Arbeit beginnt. Ich suche in meinem Trainingsplan ständig nach Möglichkeiten nur eine 40 Minuten Runde zu laufen, doch leider gehen die meisten Laufeinheiten erst bei 40 Minuten los. Habe ich die ganze Zeit völlig umsonst trainiert?

Hätte, wäre, könnte

"Ich kann laufen" - mit diesem Mantra versuche ich mir klar zu machen, dass es doch ein Geschenk ist, überhaupt gesundheitlich in der Lage zu sein zu laufen und ich dieses Geschenk nicht ungenutzt in die Ecke feuern sollte. Dankbarkeit als Schlüssel zum Lauferfolg. Leider funktioniert es heute nicht wirklich.

Ich bin ganz ehrlich. Ich hätte auch früher aufstehen können, dann wäre die Sonne vielleicht nicht ganz so unerträglich gewesen. Trotzdem bin ich froh, dass ich überhaupt noch los bin. Wie aus einem unsichtbaren Tonbandgerät hat mein Kissen mir nämlich 1000 "Pro-noch-einmal-umdrehen-und-weiterdösen-Argumente" zugeflüstert. Einer davon war: "Deine Beine schmerzen immer noch. Gönn Dir doch ne Pause!" Wohlgemerkt wäre diese dann schon DREI Tage lang. Ein gutes Gegenargument ist (und hier spricht sie - die FRAU): "Über 30% Körperfettanteil ist definitiv mal zu viel. Die Jeans passt nicht. Du beschwerst Dich. GEH LAUFEN!"

Ich bin jedenfalls jetzt wieder unterwegs gewesen. Eine gute Stunde und einen halben Liter Wasser auf Ex später geht es mir sogar ganz gut. Im Grunde genommen blendend. Meine Beine? Der Schmerz war gar nicht so dramatisch. Ich denke ich werde übermorgen einen weiteren so langen Lauf machen. Und sonst? Naja, vielleicht kühlt es ja ab.

Andrea Ballschuh, 34 Jahre

5. Tagebucheintrag

Nach den ersten 15 Kilometer meines Lebens war ich ja unglaublich euphorisch. Drei Tage später wurde ich allerdings mit einem lauten Knall wieder auf den Boden geholt. Ich quälte mich regelrecht über sechs Kilometer. Das, was ich sonst mit Leichtigkeit bewältige, was inzwischen für mich Kinderkram ist (Im Sommer 2006 waren sechs Kilometer für mich eine fast unerreichbare Distanz), das machte mir drei Tage nach meiner Meisterleistung unglaublich zu schaffen. Ich hatte das Gefühl, noch nie im Leben gelaufen zu sein, kaum Kondition zu haben und Beine, die zehn Zentner schwer sind. Das hat mich richtig frustriert. Aber das Training ist wie das richtige Leben - es gibt Tage, da ist man gut drauf und es gibt Trainingstage, da ist man schlecht drauf. Und es ist verdammt hart, sich an den Tagen, wo man sich nicht gut in Form fühlt, durch den Lauf zu kämpfen und das angestrebte Ziel zu erreichen. Hinzu kamen Blasen an den Füßen, weil ich nicht meine Sportsocken, sondern normale Socken anhatte. Aufgescheuerte Haut, weil ich nicht meinen Sport-BH, sondern einen normalen BH trug. Und ich wurde von meinen extra angefertigten Laufschuhen enttäuscht. Die Dinger wurden nach den Maßen und dem Abdruck meines Fußes angefertigt und auf der rechten inneren Seite drückt es einfach nur wie blöd und ist unbequem. Die müssen leider zu Hause bleiben. Dabei sind sie so schön - schwarz und pink - mit meinem Namen drauf, ich hätte richtig schön angeben können - aber es soll nicht sein. Ich laufe besser mit den Schuhen "von der Stange".

Zwei Wochen vor dem großen Tag X bin ich dann im letzten langen Trainingslauf 17 km durch den Stadtwald von Frankfurt-Sachsenhausen gelaufen. Nach wochenlangem Training im Taunus ging mir das ständige Bergauf und Bergab auf die Nerven, ich brauchte mal eine durchgängig flache Strecke. Mit Schrecken stellte ich fest, dass ich meinen iPod im Hotel in Leipzig vergessen hatte. Eine so lange Strecke ohne Musik? Ein Alptraum. Es ist ja oft ganz sinnvoll, mal in Ruhe über sich und sein Leben nachzudenken, aber das muss ja nicht zwei Stunden sein. Für einen Lauf von einer Stunde ist das fein - aber zwei Stunden ohne Musik oder einen Menschen an meiner Seite finde ich zu öde. Da besteht die Gefahr, dass ich die Lust verliere... Gott sei Dank hat sich der beste Freund meines Mannes überreden lassen mitzulaufen, der läuft mein Tempo. Mein Mann wollte in seinem letzten langen Trainingslauf natürlich sein eigenes Tempo laufen und das ist um einiges schneller als meins.

Auch mit schweren Beinen ist noch ein Sprint drin

So habe ich die ersten 17 Kilometer meines Lebens ganz gut gepackt - Hayo und ich haben uns immer wieder gegenseitig motiviert - er ist auch noch nie so viele Kilometer gelaufen. Wir spürten allerdings beide auf den letzten drei Kilometern unsere Beine sehr stark. Die fühlten sich irgendwie müde und schwer an. Und das schon beim 16. Kilometer? Am 21.10. muss ich mit den schweren Beinen 21 Kilometer schaffen! Ich dachte an die, die den Marathon laufen werden, die müssten damit noch 26 Kilometer laufen! Was für eine Horrorvorstellung! Naja, sooo schwer waren die Beine auch nicht, aber es wurde schon immer anstrengender und Hayo und ich sprachen immer weniger. Trotzdem schafften wir auf den letzten 300 Meter sogar noch einen Sprint und kamen extrem glücklich im Ziel an.

Und dann die Enttäuschung!!!! Auf meiner Uhr, die nicht nur den Puls sondern auch die Kilometer und die Geschwindigkeit misst, leuchteten 18,5 Kilometer! Aber die abgemessene Strecke war 17 Kilometer lang. Verdammt! Ich hatte die Uhr noch nicht geeicht. Das heißt, die hat mich die ganze Zeit betrogen. Auch bei meinem angeblichen 15 Kilometer-Lauf. Ich rechnete nach und kam drauf, dass ich 15 Kilometer doch nicht in 01:38 h gelaufen war, sondern in der Zeit nur Kilometer... Egal - dieses Mal hatte ich wirklich 17 Kilometer geschafft und vier mehr sollten auch noch zu schaffen sein. Und ich will doch die Zeit nicht im Kopf haben beim TUI-Halbmarathon! Ich will doch einfach nur Spaß am Laufen haben, ohne mir selbst Druck zu machen mit einer Zeitvorgabe. Aber ich kenne mich, so ganz werde ich das nicht verdrängen können. Ich möchte die 21 Kilometer in 02:30 h schaffen. Wenn ich mich exakt an den Trainingsplan gehalten hätte, hätte es die Chance gegeben, die Strecke in 02:15 h zu schaffen. Aber für wen? Wer fragt am Ende wirklich danach, wen interessiert es? Keiner wird sagen "Waaas, so lange hast Du gebraucht?" (und die, die so reden sind Idioten) - die meisten werden sagen "Toll, dass Du mitgemacht hast" und vielleicht im Stillen denken "Naja, sie war ja ein bisschen langsam...."

Nicht immer habe ich den Schweinehund Besiegt

Ja, Herr Dr. Wessinghage, ich gestehe, ich habe gesündigt! Ich habe mich nicht exakt an den Trainingsplan gehalten. Es war schwer bei der vielen Arbeit, die ich in den letzten Monaten hatte, den Hochzeitsvorbereitungen, der Hochzeit und allem, was damit verbunden ist, fünf Mal pro Woche laufen zu gehen. Ich frage mich wirklich, wie Tim Bergmann das bewältigt hat neben seinem Drehplan. Und der trainiert sogar für den Marathon. Nun, der Ehrgeiz von Tim ist um das Zehnfache stärker ausgeprägt als bei mir. Er scheint auch keine Trainingstiefs gehabt zu haben, der Glückliche. Allerdings glaube ich, wenn ich das Ziel hätte, den Marathon zu laufen, dann würde ich mich auch exakt an den Trainingsplan halten aus Angst, an der sogenannten "Wand", die irgendwann zwischen Kilometer 30 und 40 kommt, schlapp zu machen und nur noch kriechend ins Ziel zu kommen. Wenn überhaupt. Ich hatte auch immer im Hinterkopf "21 Kilometer sind schon zu schaffen, auch wenn Du nur drei mal pro Woche trainierst". Mein Schweinhund und ich hatten des Öfteren mal intensive Auseinandersetzungen, aus denen ich nicht immer als Gewinnerin hervor gegangen bin...

Noch eine Woche bis zum Lauf und ich muss nur noch zwei kurze Läufe absolvieren, bevor es richtig ernst wird. Einerseits freue ich mich drauf, andererseits ist mir auch mulmig zumute. Eben weil ich den Trainingsplan nicht genau eingehalten habe. Und weil ich weiß, wie es mir letztes Jahr beim 10-km-Lauf erging. Und weil ich weiß, wie es sich anfühlt und wie wahnsinnig schwer es ist, wenn man einen schlechten Tag erwischt hat. Aber vielleicht meint es der Laufgott ja gut mit mir und schenkt mir eine gute Form und Kondition für den 21.10., genug Motivation und nicht zu viel Sonne. Ich werde wohl mit Musik laufen, aber nur bis 1 km vor dem Ziel. Den Zieleinlauf, den möchte ich bewusst wahrnehmen und genießen!

Und wenn ich eine Prognose abgeben darf: Ich glaube, von den Damen aus der Promigruppe wird Milka als Erste im Ziel sein. Sie ist uns schon in Damp davon gelaufen, ich glaube, sie hat richtig Biss, wenn's drauf ankommt. Ich freu mich drauf!

4. Tagebucheintrag

Ich platze gerade vor Stolz. Ich habe meine ersten 15 km geschafft!!!! In 1:38 h mit einer durchschnittlichen Herzfrequenz von 158, das ist im untersten gelben, also mittleren, Trainingsbereich. Im Durchschnitt habe ich für einen Kilometer 6 Minuten und 20 Sekunden gebraucht! Ich weiß, erfahrene Läufer schmunzeln über diese Zeit. Schneckentempo. Aber für mich bedeutet dieser Lauf in dieser Zeit mit den Werten viel mehr als Ihr glaubt.

Für meinen ersten längeren Lauf vor Wochen über 12 Kilometer habe ich 1 1/2 Stunden gebraucht und weit über 7 Minuten pro Kilometer. Ich habe also eine deutliche Leistungssteigerung erreicht. Denn das Tolle war - ich hätte nach den 15 km noch locker weiter laufen können. Ich fühlte mich wunderbar und war überhaupt nicht fertig. Und das, obwohl ich bergauf und bergab gelaufen bin. Hier im Taunus gibt es nur wenige durchgehend flache Strecken, aber für mein Training für Mallorca ist das natürlich großartig.

Mein Mann hatte mich schon lange gedrängt, nun endlich den 15 km-Lauf anzugehen. Meine Läufe gingen mit Ausnahme des einen 12-km-Laufs nie über 10 km hinaus. Und da war ich meist froh, dass es vorbei war und fragte mich selbst die ganze Zeit, ob ich nicht ganz bei Sinnen gewesen bin, als ich für den Halbmarathon zugesagt habe. Ich hätte ja auch die 10-km-Strecke wählen können! Warum musste ich mich denn für den Halbmarathon melden? Hat mich doch keiner gezwungen! Doch! Mein Ehrgeiz. Eine Stimme, die in Schweinehundmanier sagte: "Ach Ballschuh, vergiss es, das schaffst Du doch nicht, Du Laufmuffel" und eine andere Stimme, die plötzlich lauter dagegen hielt: "Das wollen wir doch mal sehen. Ich werd´s Dir beweisen. Ich schaffe das". Naja, und dann ging ja der Kampf los, in dem der Schweinhund leider auch sehr oft an Stärke gewann. Aber gestern habe ich ihn in die Knie gezwungen! Gestern lag er winselnd am Boden und zog seinen Schwanz ein, gab keinen Ton mehr von sich! Ich gebe zu, ich habe das nicht allein geschafft. Wenn mein Mann nicht wäre - der selbst für den Marathon trainiert, motiviert ist und seinen Trainingsplan genau einhält - mich nicht immer wieder antreiben würde, die Laufsachen anzuziehen und loszulaufen, dann würde ich wohl öfter Ausreden erfinden und denken "Ach komm, der Trainingsplan ist für Leute gemacht, die den Halbmarathon unter 2 Stunden laufen wollen. Dir ist die Zeit doch egal, Hauptsache Du kommst an. Da kannst du auch mal einen Tag Training ausfallen lassen"... Nee, kann ich eben nicht. Auch wenn ich die Zeit unter 2 Stunden gar nicht schaffe. Ich brauche das Training trotzdem, um die 21 km gut zu überstehen und nicht ins Ziel zu kriechen...

Ich hatte mich bisher nicht an die 15 km getraut, weil ich befürchtete, ich würde damit erkennen, dass ich es nicht schaffen werde - eben weil ich durch die Hochzeit ja auch so viele Trainingseinheiten ausfallen ließ. Aber mein Mann ist mit mir mitgelaufen, hat sich meinem Tempo angepasst und ich habe darauf geachtet, auch wirklich mein Wohlfühltempo zu laufen. Wenn ich das einmal gefunden habe, bleibe ich dabei.

Eigentlich sollte ich ja im Tempo variieren, aber ich laufe immer konstant ein Tempo. Und gestern habe ich MEIN Halbmarathontempo gefunden. Wenn ich das auch in 4 Wochen auf Mallorca laufe, immer mit dem Gefühl, ich könnte noch schneller, dann halte ich das durch und kann auf den letzten Kilometer Gummi geben. Ich habe nun das Selbstbewusstsein, das ich für den TUI-Marathon brauche. Ich weiß jetzt, dass ich das durchhalten kann. Eben weil ich mein Tempo gefunden habe. Wäre ich langsamer gelaufen, hätte mich das wahrscheinlich nicht genug motiviert für Palma, weil ich dann das Gefühl gehabt hätte, ich würde als Letzte im Ziel einlaufen und das will ich ja auch nicht. Ich will nicht Erste sein. Aber eben auch nicht Letzte...

Mir geht es heute sooo gut, ich fühlte mich gestern nach dem Lauf sooo glücklich. Das hat mich einen ganz großen Schritt nach vorn gebracht. Und ich weiß - ich brauche Musik zum Laufen. Für 45 Minuten kann ich ganz gut ohne. Aber darüber hinaus fällt es ohne Musik schwer, da zieht sich alles so sehr in die Länge. Die richtige Musik auf den Ohren, mal schnelleres Tempo, mal ruhiger, motiviert unglaublich.... Noch 4 Wochen bis zum Tag X... ich hoffe, der Schweinehund bleibt nun da, wo er jetzt ist. In der Ecke, winselnd....

3. Tagebucheintrag

Wenn ich in den letzten Wochen etwas gelernt habe, dann das: Heiraten und auf einen Marathon vorbereiten, passen einfach nicht zusammen. (Nicht vergessen, für mich als absolute Laufanfängerin fühlt sich der Halbmarathon wie ein Marathon an). Nachdem ich ja nach meiner Woche des schlechten Gewissens, während meine Eltern zu Besuch waren, wieder ganz gut im Training war und ohne Probleme 1 1/2 Stunden unterwegs sein konnte, ohne ein Gefühl der Erschöpfung zu zeigen und nachdem ich auch das ständige auf und ab im Taunus immer besser vertrug, ohne dass ich das Gefühl hatte mir platzt gleich der Kopf, brach ich im August wieder ein.

Gerade war ich so weit, dass ich mich selbst nicht immer wieder neu überreden musste zu trainieren, sondern es sogar gern tat, gerade da war plötzlich der Termin meiner Hochzeit ganz nah. Und ich bekam Panik. Nein, nicht vor dem Jag-Sagen, sondern vor all dem, was wir bis dahin noch schaffen mussten. Es gab soooo viel zu organisieren! Der Tag hätte 48 Stunden haben müssen. Jeder, der gern heiraten möchte, sollte wirklich bedenken, dass das mit sehr viel Mühe und Zeitaufwand verbunden ist, mit endlosen Diskussionen. Und das schlimme ist, du kannst bald an nichts anderes mehr denken oder über was anderes sprechen. Leute, vor allem Frauen, die heiraten werden, sind fast genauso schlimm wie Mütter, die nur über ihre Kinder sprechen können. Wenn ich irgendwann mal welche habe, werde ich das sicher auch tun, aber als Braut ging ich mir schon selbst auf die Nerven.

Was mich aber noch mehr nervte als das, war die Tatsache, dass ich bei all dem Vorbereitungs- und Organisationsstress überhaupt nicht zum Laufen kam. Es gab einfach keine Zeit! Ja, ihr denkt, eine Ausrede. Wer noch nicht geheiratet hat, denkt ich übertreibe mit dem Vorbereitungsstress. Aber es wurde viel mehr, als wir vorher angenommen haben. Zumal wir alles allein organisiert haben, wir wollten keinen Weddingplaner. Stattdessen hätte ich mir einen Laufplaner organisieren sollen. Bis zum Tag der Hochzeit hatte ich schon wieder eine Woche im Trainingsplan in der nichts drin stand. Aber wenigstens hat mein schlechtes Gewissen mich am Hochzeitstag selbst mal kurz in Ruhe gelassen. Dafür schlug es umso heftiger in den Flitterwochen in Mexiko zu: „Ihr habt jetzt Urlaub, ihr habt Zeit, laufen kann man überall, es gibt jetzt keine Ausreden mehr...“ Aber es gab einen Hurrican, es gab lange Touren mit dem Auto zu Maya-Stätten, sodass wir erst sehr spät am Hotel ankamen und dann war es plötzlich dunkel - viel früher als in Deutschland. Das schlechte Gewissen rief: „Früher aufstehen!“ Ich rief: „Aber es sind meine Flitterwochen! Ich habe in den letzten Wochen sooo viel gearbeitet und sooo wenig geschlafen – lass mich doch wenigstens im Urlaub mal ausschlafen!“.

Es war ein ewiger Schlagabtausch. Bis zu dem Tag, an dem ich es tatsächlich mit Unterstützung meines Mannes schaffte trotz der wirklich sehr hohen Luftfeuchtigkeit loszulaufen. 7 km am Strand entlang. Ein Traum. Ein anstrengender Traum in dieser Schwüle. Aber ich schaffte 7 km. Und fühlte mich hinterher richtig glücklich.

Ich gebe zu, ich hätte im Urlaub wirklich mehr laufen können, wenn ich extrem diszipliniert gewesen wäre. Aber diese Disziplin fiel mir in diesem besonderen Urlaub sehr schwer. Ich finde es viel schwieriger im Urlaub diszipliniert zu sein, als während der Arbeitswoche. Ist das nicht seltsam? Ich hatte auch die ganze Zeit die mahnenden Worte von Dr. Wessinghage im Kopf: „Laufen kann man überall. Und im Urlaub erst recht!“ Im Urlaub erst recht. Im Urlaub erst recht... Aber nicht, wenn man Andrea Ballschuh ist..... Ich weiß, ich werde dafür bestraft am 21.10.07. Das wird mich sicher 5 Minuten kosten, auch wenn ich jetzt wieder gut im Training bin und die ansteigenden Straßen im Taunus viel leichter nehme als noch vor ein paar Monaten.

Ich muss mich selbst frei machen von dem Druck, eine gute Zeit laufen zu müssen. Muss ich überhaupt nicht. Ich muss ankommen und zwar einigermaßen lächelnd und nicht als halbes Wrack, das gleich nach der Ziellinie in sich zusammen fällt. So ging es mir im letzten Jahr beim 10-km-lauf, als ich zu schnell unterwegs war, um eine gute Zeit zu laufen, um mich nicht zu blamieren. Völliger Humbuck. Also lautet mein Ziel jetzt erst einmal nur: Einen guten Lauf machen, sich gut dabei fühlen, Spaß haben – ohne Zeitvorgabe an mich selbst. In 4 Wochen schreibe ich wahrscheinlich, ich will in 02:15:00 Std. die 21 km schaffen. Und das sollte ja zu schaffen sein, denn schließlich steht keine weitere Hochzeit an.

2. Tagebucheintrag

Ich sollte irgendwann wirklich mal ein Buch über meinen inneren Schweinehund schreiben. Dieser Kerl treibt mich in den Wahnsinn! Nicht nur, dass er mir das Leben schon mit Süßigkeiten und dem Essen generell schwer macht und mich darin immer wieder bezwingt. Nein, er versucht es auch in meinem großen Vorhaben beim Training für den Halbmarathon. Und ich muss gestehen - eine Woche lang hatte er leider die Oberhand. Aber mein schlechtes Gewissen war so erdrückend, dass ich plötzlich wieder alle Kräfte in mir mobilisieren konnte, um den Mistkerl in die Knie zu zwingen...

Meine schwache Woche war die Woche, als der Sommer begann. Das Problem war, meine Mutter kam mit ihrem Mann zu Besuch, und als gute Tochter fühlte ich mich natürlich verpflichtet, für die beiden da zu sein. Seit ich aus Berlin weg gezogen bin, haben wir kaum noch Zeit füreinander. Also absolvierte ich jeden Tag mit ihnen ein Sightseeingprogramm. Abends wollte ich dann laufen gehen. Aber es war wie verhext. Jedes Mal, wenn es losgehen sollte, fing es wie bekloppt an zu regnen und ich verschob das Laufen auf den nächsten Tag. War das Wetter dann schön, nutzte ich es für meine Eltern, die sollten ja nicht den ganzen Tag in der Bude hocken, wenn sie schon mal im Taunus waren - sonst hätte ich ihnen gegenüber ja ein schlechtes Gewissen gehabt. Waren wir wieder zu Hause, regnete es wieder usw... Ich hätte natürlich morgens eine Stunde früher aufstehen können, aber zu der Zeit war mit meinem Schweinehund erst recht keine Diskussion möglich. Und so kam es doch wirklich, dass ich in der 25.KW nicht trainiert habe.

Bloß nicht übertreiben

Oh je, habe ich mich schlecht gefühlt! Ich spürte von allen Seiten strafende Blicke (die es natürlich nicht gab, ich bildete sie mir nur ein) und wollte es dann sofort wieder gutmachen. Ich bekam die Chance dazu bei den Dreharbeiten zur "Zauberwelt der Berge" im Salzkammergut. Ich nahm mir für meinen ersten Lauf nach der Pause gleich 10 km vor. Was für ein Quatsch, ich hätte mit 6 oder 7 km anfangen sollen, aber mein Gewissen drückte so fürchterlich. Es trieb mich förmlich an. Ich schaffte sogar an einem freien Drehtag 10 km, aber ich fühlte mich hinterher nicht wirklich toll. Ich habe daraus aber gelernt und mich an die mahnenden Wort des Dr. Wessinghage erinnert, der da meint, man darf es mit dem Ehrgeiz nicht übertreiben, damit macht man mehr kaputt, als dass man etwas erreicht.

Seitdem trainiere ich Gott sei Dank wieder regelmäßig, bewege mich aber gerade immer nur zwischen 6 und 8 km pro Einheit. Und musste, da sich bedingt durch viel Arbeit und daraus resultierendem Zeitmangel der Schweinehund schon wieder stark zu machen versuchte, auf Laufen ganz früh am Morgen ausweichen, um mein Ziel zu erreichen. Und so sieht man mich zum Teil schon um 5:30 Uhr am Rhein entlanglaufen, voller Stolz, dass ich es geschafft habe, mich trotz bleierner Müdigkeit aus dem Bett zu schwingen und einen knurrenden Schweinehund zu Hause gelassen zu haben. Ich hätte nie gedacht, dass ich um diese Zeit schon meine Gliedmaßen bewegen könnte. Aber oh Wunder, es geht. Und was noch viel besser ist - ich fühle mich in der Sendung viel konzentrierter und frischer. Zugegeben, nicht jedes Mal schaffe ich es, gleich nach dem Weckerklingeln um 5:15 Uhr (ich muss um 7:00 Uhr bei der Arbeit sein) das Licht anzumachen und in die Laufsachen zu schlüpfen. An diesen Tagen lege ich meine Termine aber so, dass ich nach der Arbeit laufen kann.

Ich glaube, der Kampf mit dem Schweinehund wird eine never ending story bleiben. Aber dafür erlebt man mit ihm, wenn man den Kampf gewonnen hat, auch viel öfter Gefühle voller Stolz auf sich selbst, als würde es diese Auseinandersetzung gar nicht geben. In diesem Sinne: keep on running!

1.Tagebucheintrag

"Ich will einen Halbmarathon laufen" - mit diesem Satz habe ich Einige in meinem näheren Umfeld geschockt. Die dachten, ich will sie auf den Arm nehmen. Denn jeder, der mich besser kennt, weiß wie schwer ich mich immer mit dem Laufen getan habe. Früher habe ich es regelrecht gehasst. Ich fand es langweilig und die Anstrengung hat mich immer schon von vornherein davon abgehalten, loszulaufen. Dann lieber Inlineskaten, oder Fahrradfahren. Aber nicht laufen! Bis ich letztes Jahr im August gefragt wurde, ob ich mir zutrauen würde, zehn Kilometer zu laufen. Achtung, ich muss jetzt kurz zu einem Rückblick ausholen, damit Ihr versteht, wie es mir heute beim Training ergeht.

Da ich nicht als Weichei dastehen wollte und das Gefühl hatte eine neue Herausforderung zu brauchen, habe ich zugesagt. Als Erstes besorgte ich mir ein Laufbuch und habe nach einer ganz simplen Methode meinen Körper ans Laufen gewöhnt. Es ging los mit zwei Minuten laufen und eine Minute gehen. Für eine halbe Stunde. Ganz zu Anfang hatte mir das echt gereicht und ich dachte, ich werde die zehn Kilometer NIE schaffen. Doch ich bewies erstaunlicherweise Disziplin und ging jeden 2. Tag mit Joggingsachen vor die Tür und verlängerte meine Laufphasen um eine Minute. Irgendwann lief ich 30 Minuten am Stück. Und ich konnte sogar noch atmen! Dann 35 - 40 - 45! Mann, war ich stolz. Der Wettkampf fand in Bad Homburg statt. Ich war immerhin nicht die Letzte, als ich nach 1:04:10 im Ziel ankam. Hinter mir waren noch 5 Leute.

Kampf gegen die eigene Zeit

Als ich dann beim Zehn-Kilometer-Lauf in Palma beim TUI-Marathon mitlief, war ich schon ganz gut in Übung - und fing an, mich zu überschätzen. Ich lief zu schnell los, hatte die ganze Zeit über einen zu hohen Puls. Ich ließ die erste Wasserstation aus und es war zu warm. Bei Kilometer acht fühlte ich mich plötzlich richtig mies und war kurz vor dem Aufgeben. Dann wäre ich wirklich ein Weichei gewesen. Ich musste gehen und dachte, die verbleibenden zwei Kilometer schaffe ich nicht mehr. Aber dann lief ich wieder weiter und kam völlig fertig im Ziel an. Und ärgerte mich, denn ich war mit 1:05 Std. langsamer war als bei meinem ersten Zehn-Kilometer-Lauf. Dabei sollte es darum ja eigentlich nicht gehen. Und trotzdem wurmte es mich.

Nach diesem Erlebnis lief ich, allerdings nicht mehr so oft, noch zwei Monate weiter und schaffte sogar schon zwölf Kilometer. Aber dann kamen zwei Monate mit viel Arbeit, kaltem Wetter und mein Schweinehund hatte wieder das Kommando. Das schlechte Gewissen plagte mich die ganze Zeit, aber der Antrieb fehlte. Ich musste mir wieder ein Ziel setzen, dann würde ich mich wieder aufraffen können. Der Vorschlag, für die Tabaluga-Kinderstiftung 21 oder zehn Kilometer war dieses Ziel. Todesmutig entschied ich mich für 21 Kilometer. Denn zehn hatte ich ja schon mal geschafft, das war keine Herausforderung mehr für mich. Also 21 Kilometer.

Und das Training dafür hat es in sich: Es passt oft nicht in meinen Arbeitsalltag. Drei bis fünf Einheiten die Woche zwischen 40 und 80 Minuten rauben schon viel Zeit vom Tag. Aber irgendwie schaffe ich es doch meistens, die Zeit dafür freizumachen. Wenn man will, geht es ja doch. Ich sollte zurzeit auf 25-45 Kilometer pro Woche kommen, muss aber zugeben, fünfmal pro Woche habe ich es bisher nicht geschafft zu laufen. Höchstens viermal. Aber dafür war ich an einem Tag, an dem ich nur 80 Minuten hätte laufen müssen, gleich 90 Minuten am Stück unterwegs. Sehr langsam - verteilt auf zwölf Kilometer. Das ist echt langsam. Aber die Empfehlung von Dr. Wessinghage hieß ja, im unteren Pulsbereich, bei einer Herzfrequenz bis 158 zu laufen. Das Erstaunliche war - ich hätte sogar noch weiter laufen können, ich war überhaupt nicht platt! Es fühlte sich sogar richtig gut an.

Tim Bergmann, 35 Jahre

5. Tagebucheintrag

"Die Ruhe vor dem Sturm" - so könnte man die jetzt noch zwölf Tage vor Mallorca beschreiben. Am Sonntag habe ich meinen letzten langen Lauf hinter mich gebracht. 31 Kilometer in 2 1/2 Stunden, war gar nicht so dramatisch, aber wie gesagt, die richtig harte Phase, denke ich, kommt erst ab Kilometer 35. Ich werde mich einfach überraschen lassen.

Nach den Nachrichten vom Wochenende (Chicago-Marathon bei über dreißig Grad im Schatten - etliche Verletzte und ein Toter) ist mein Motto um so mehr: Alles über 31 Kilometer ist Klasse, aber im Zweifelsfall geht die Gesundheit vor...

Das muss doch zu schaffen sein!

Ich werde jetzt bis zum 21. Oktober ganz in Ruhe meine letzten Trainingsläufe absolvieren (noch vier Stück), alle sind sehr entspannt, von kurzer Länge und Weite. Des Weiteren werde ich mich ganz gewissenhaft ernähren und mich schonen, so dass schließlich nach wochenlanger, genauer gesagt monatelanger Vorbereitung, diese 42,195 Kilometer doch zu schaffen sein müssen.

Es ist schon verrückt, wenn ich mir überlege, dass ich seit Mai bisher 1033 Kilometer gelaufen bin. Wahnsinn! Ich bin wirklich froh mich für den Marathon entschieden zu haben. Jetzt will ich ihn aber auch endlich laufen! Nur noch ein paar Tage Geduld, dann ist es soweit...!

4. Tagebucheintrag

So, ich bin zurück aus besagtem Urlaub. Die Tage der Ruhe haben nach den anstrengenden Dreharbeiten sehr gut getan. Ich muss sagen, dass ich selten einen so intensiven Dreh hatte. Hinzu kam dann noch als i- Tüpfelchen das Training - aber ich habe es geschafft und durchgehalten.

Am Wochenende bin ich zum ersten Mal 28 km gelaufen; in einer Zeit von 2 Std. und 15 Min. Jetzt habe ich eine ungefähre Ahnung was mich in der nicht ganz einfachen Phase zwischen Kilometer 30 - 40 erwartet. Das wird glaube ich ziemlich heftig! Ich merke aber weiterhin wie sinnvoll das Training von Woche zu Woche aufeinander aufbaut, und wenn es keine größeren Einbrüche geben wird, muss die Strecke eigentlich zu schaffen sein.

Es liegen jetzt noch zwei sehr intensive Trainingswochen vor mir. Beide mit fünf Einheiten, eine davon jeweils über 150 Minuten. Ich müsste somit also zwei Mal in den Bereich über 30 Kilometer kommen. Danach dann zwei Wochen Regenerationszeit mit einfachen Laufeinheiten, bis es schließlich am 21. Oktober heißt: Laufen, laufen, laufen...!

Als letzte "Vorsichtsmassnahme" habe ich letzte Woche ein Belastungs-EKG bei meinem Arzt gemacht. Alle Werte sind sehr gut. Umkippen dürfte ich also wohl nicht...

Wenn ich an die letzten Monate zurückdenke, muss ich sagen, dass ich sehr froh über das Angebot bin diesen Marathon zu laufen. Das regelmäßige Training hat in jeder Hinsicht einen positiven Einfluss. So habe ich mich im Internet schon nach den nächsten interessanten Läufen umgeguckt. Vielleicht werden es ja sogar 2008 zwei - einer im Frühjahr und dann im November New York. Mal sehen, step by step...!

Wichtig ist jetzt erst einmal Mallorca gut zu überstehen. Der erste Marathon bleibt denke ich eine unvergessene Erfahrung. Ich werde ihn also in vollen Zügen genießen!

In diesem Sinne, liebe Grüsse und bis bald...

3. Tagebucheintrag

Sorry, aber diesmal muss ich mich sehr kurz fassen. Ich versinke in Dreharbeiten und schaffe es Gott sei Dank noch im Trainingsplan zu bleiben. Ansonsten bleibt gerade noch Zeit für Nahrungsaufnahme und Schlaf...! Anfang September geht es dann endlich in den Urlaub und in die entscheidende letzte Phase der Vorbereitung. Deshalb: ich bleibe am Ball! Bald lasse ich wieder von mir hören!

2. Tagebucheintrag

Was gibt es Neues zu berichten!? Es läuft - sogar sehr gut!

Ich bin seit Trainingsbeginn immer noch im Soll, führe genau Buch, und erlebe von Woche zu Woche, wie sich mein Leistungsstand verbessert. Vorletzte Woche bin ich innerhalb des Trainings meinen ersten Halbmarathon gelaufen - in 1:45 Std., und damit genau in der vorgegebenen Zeit. Wenn ich mir überlege, dass dies mein ursprüngliches Ziel für den Mallorca-Marathon war, ist es doch erstaunlich, wie weit ich mittlerweile gekommen bin - und dies vorrangig durch die Hilfe, beziehungsweise durch die Richtlinien des Trainingsplans von Dr. Wessinghage.

Sehr hilfreich für mein tägliches Training ist auch meine Pulsuhr, die mir beim Laufen ermöglicht im empfohlenen Herzfrequenzbereich zu bleiben. Ohne diese Kontrolle würde ich, so glaube ich, immer noch tendenziell zu schnell und zu weit laufen. Aber ich arbeite daran! Aber ich merke, dass mit zunehmender Lauferfahrung und damit wachsender Selbsteinschätzung, die ständige Kontrolle durch die Uhr, die momentan noch ziemlich wichtig ist, immer mehr wegfällt.

Als meine Lieblingstrainingsorte haben sich in den letzten Wochen drei "Gebiete" etabliert: der nördliche Englische Garten, die Isarauen und die Strecke rund um die Theresienwiese. Für lange Läufe bevorzuge ich vor allem die Theresienwiese, da sie mit ihrer knapp drei Kilometer langen Umrundung wie ein großes Stadion wirkt. Das Gefühl "Runden" zu drehen, erinnert mich an die Zeit, als ich noch im Leichtathletikverein war. Deshalb kommt es mir entgegen so zu trainieren, auch wenn es für andere vielleicht monoton und nicht abwechslungsreich genug erscheinen würde. Und als kleinen Nebeneffekt sehe ich bei meinen täglichen Runden, wie die Bauten für das Oktoberfest stetig wachsen... ganz spannend! Denn die Vorbereitungen für die Wiesn nehmen viel mehr Zeit in Anspruch, als das eigentliche Fest selber. Genau wie bei meinem Training für den Marathon! Wenn es die Zeit erlaubt, werd ich aber sicher auch mal vorbeischauen...

Jetzt bin ich zunächst gespannt auf die nächsten Wochen, da zum einen das Trainingspensum steigt (es kommen immer mehr Langstreckenläufe von zwei bis drei Stunden), und zum anderen ein sehr intensiver und sicherlich zeitaufwendiger Dreh vor mir liegt. Ich hoffe, es lässt sich alles weiterhin gut miteinander vereinbaren.

In diesem Sinne: bis zum nächsten Mal!

1.Tagebucheintrag

Hallo liebe Lauffreunde!

Als Mitte März der Anruf vom stern kam und die damit verbundene Frage, ob ich nicht zu Gunsten der Tabaluga-Kinderhilfe am Marathon auf Mallorca teilnehmen möchte, sagte ich ohne lange nachzudenken zu. Im Gegensatz zu anderen Charityanfragen war mir die Idee, etwas Gutes zu tun und es mit hohem persönlichem Aufwand zu kombinieren, auf Anhieb sympathisch. Ein paar Tage später schnürte ich dann auch schon meine Laufschuhe. Voller Enthusiasmus drehte ich meine ersten Trainingsrunden. Und habe es dabei wohl etwas übertrieben. Aber diese Erkenntnis sollte ich erst deutlich später gewinnen.

Zunächst einmal war ich leicht frustriert. Ich bescheinigte mir selbst eigentlich eine solide körperliche Verfassung, habe mich mit regelmäßigem Fitnesstraining und Joggen in Form gehalten. Doch trotz intensiver und sehr anstrengender Dauerläufe habe ich bei meiner Form keine großen Fortschritte bemerkt. Ich machte mir so meine Gedanken, ob ich wirklich die volle Distanz bewältigen kann.

Kampf gegen die inneren Zweifel

Dementsprechend gespannt bin ich zu unserem Trainingswochenende im Mai nach Damp gefahren. Aber diese Tage kann ich rückblickend mit Fug und Recht als Wendepunkt in meiner Vorbereitung auf den Marathon bezeichnen. Mit einer gewissen Unsicherheit über mein Leistungspotenzial bin ich an die Ostsee gereist, hatte mir insgeheim nur den Halbmarathon auf Mallorca zugetraut. Aber am Ende der zwei Trainingstage waren diese Zweifel dann wie weggeblasen und wichen einer Mischung aus Zuversicht und Ansporn die volle Distanz unter die Füße nehmen zu wollen.

Maßgeblichen Anteil an meinem gesteigerten sportlichen Selbstvertrauen haben Dr. Thomas Wessinghage und sein Team. Unter der Anleitung des ehemaligen Weltklasseläufers und heutigen Sportarztes haben wir gemeinsam in Damp trainiert und dabei eine Menge gelernt. Ein Laktattest und eine Laufstilanalyse standen dort ebenso auf dem Programm wie Hinweise zur richtigen Ernährung und Trainingsplanung.

Steigerung von Tag zu Tag

Dieses kleine Trainingslager hat mir wirklich sehr viel gebracht. Heute weiß ich, dass ich im Vorfeld von Damp viel zu schnell und zu lange gelaufen bin. Ich habe meinen Körper schlichtweg überfordert. Mir fehlte die richtige Grundlage, die ich nun mit vielen Läufen bei unterschiedlicher Herzfrequenz von ungefähr 135-160 Schlägen pro Minute aufbaue, dies drei bis fünf mal die Woche. So ist mittlerweile auch nach einem anstrengenden Drehtag noch eine Laufeinheit problemlos zu schaffen.

Mittlerweile befinde ich mich schon in der fünften Trainingswoche nach unserem Treffen in Damp und halte mich seit dieser Zeit auch sehr genau an die Vorgaben von Dr. Wessinghage. Es ist schon erstaunlich wie ich in diesem kurzen Zeitraum meine Ausdauerleistung verbessern konnte. Ich merke förmlich wie die Form von Tag zu Tag besser wird. Natürlich könnte ich morgen jetzt noch keinen Marathon bestreiten, aber das ist ja auch nicht nötig. Denn abgerechnet wird ja erst im Oktober auf Mallorca. Aber meine anfängliche Panik weicht doch mehr und mehr einer gewissen Gelassenheit, dass ich es mit richtigem Training schaffen kann.

In ein paar Tagen und mit einigen Kilometern mehr auf dem Tacho lasse ich wieder von mir hören.