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Tödliche Schüsse am Set Tod von Kamerafrau löste "Schock und Trauma" aus: "Rust"-Filmset-Sanitäterin reicht Klage ein

Das Filmset von Rust, bei dem die Kamerafrau Halyna Hutchins erschossen wurde
Das Filmset von "Rust": Hier wurde die Kamerafrau Halyna Hutchins durch eine Kugel aus Alec Baldwins Filmwaffe tödlich getroffen.
© Imago Images
Im Oktober war Kamerafrau Halyna Hutchins bei Dreharbeiten zum Western "Rust" tödlich verletzt worden. Eine Sanitäterin, die beim Set Erste Hilfe leistete, hat jetzt Klage gegen Crew und Produzenten eingereicht. 

Eine Sanitäterin, die am Set des Westerns "Rust" nach den tödlichen Schüssen der verletzten Kamerafrau Halyna Hutchins Erste Hilfe leistete, verklagt die Produzenten des Films und mehrere Crew-Mitglieder auf Schadenerstatz. In der Klage, die Ende letzter Woche in Santa Fe County eingereicht wurde, erklärt Cheryln Schaefer, sie könne nach ihren Erfahrungen am Filmset nicht mehr arbeiten.

Schaefer war laut eigenen Angaben die erste, die Halyna nach den Schüssen medizinische Hilfe leistete und verzweifelt darum kämpfte, ihr Leben zu retten, indem sie Druck auf ihre Wunden ausübte, ihr Sauerstoff gab und ihre Vitalwerte überprüfte. Auch soll sie den Notruf gewählt und einen Hubschrauber angefordert haben, um Hutchins ins Krankenhaus zu fliegen, wo sie wenig später starb.

Alec Baldwin wird in der Klage nicht erwähnt

Wie unter anderem der "Rolling Stone", "TMZ" und Fox News berichten, heißt es in ihrer Klage, dass sie durch "Handlungen und die Untätigkeit aller Beklagten einen enormen Schock, ein Trauma und schweres emotionales Leid erlitten" habe. Ihr Trauma habe sich auf "alle Aspekte ihres Lebens ausgewirkt und sie medizinisch daran gehindert, in ihren gewählten Beruf zurückzukehren." Schaefer habe nicht nur Einkommensverluste erlitten, sondern auch "psychische Gesundheitskosten, emotionales Trauma sowie Lebensfreude verloren", da sie sich von "Therapeuten und anderen" behandeln ließe. Für die ganze Tortur macht sie die Mängel der Produktion in Bezug auf Sicherheitsfragen verantwortlich.

Neben dem stellvertretenden Regisseur Dave Halls, der Requisiteurin Sarah Zachry, der Waffenmeisterin Hannah Gutierrez Reed und dem Waffenlieferanten Seth Kenney werden in der Klage auch die Rust Movie Productions, LLC, und der Drehort, die Bonanza Creek Ranch genannt. Der Name von Produzent und Hauptdarsteller Alec Baldwin wird nicht aufgeführt.

Sanitäterin verklagt Waffenmeisterin und Requisiteurin

Schaefer verklagt Reed und Halls, weil sie ihrer Meinung nach dafür verantwortlich sind, dass Alec Baldwin die Waffe mit einer scharfen Patrone erhielt, die Hutchins tötete. Sie verklagt auch die Requisiteurin des Films, Sarah Zachry, und behauptet, sie habe gewusst oder hätte wissen müssen, dass die Waffe scharfe Munition enthielt.

Halyna Hutchins wurde von einer Kugel aus Alec Baldwins Requisitenwaffe getroffen
Halyna Hutchins wurde von einer Kugel aus Alec Baldwins Requisitenwaffe getroffen und verstarb
© CAPITAL PICTURES / Picture Alliance

In Übereinstimmung mit anderen Berichten über den Vorfall wird in der Klage behauptet, dass Gutierrez Reed die geladene Waffe an Halls übergab, der daraufhin offen erklärte, die Waffe sei "kalt", was bedeutet, dass er glaubte, sie enthalte keine Munition. Der Regieassistent übergab die Waffe dann an den Schauspieler Alec Baldwin, heißt es in der Klage.

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Weitere Punkte, die in der Klage genannt werden, sind unter anderem Fahrlässigkeit, vorsätzliche Vernichtung von Beweismaterial, fahrlässiges Anvertrauen von beweglichen Sachen sowie fahrlässige Einstellung, Ausbildung und Überwachung. 

Tödlicher Unfall am Set von "Rust": Ermittler finden echte Patronen

Der tödliche Unfall liegt inzwischen knapp vier Monate zurück. Bei dem Vorfall während der Dreharbeiten zu dem Low-Budget-Western "Rust" auf einer Filmranch in Santa Fe war am 21. Oktober die Chef-Kamerafrau Hutchins tödlich verletzt und Regisseur Joel Souza an der Schulter getroffen worden. Alec Baldwin, der als Hauptdarsteller und Produzent bei dem Film mitwirkt, hatte die Waffe bei der Probe für eine Szene bedient. Bisherige Ermittlungen ergaben, dass in dem Colt eine echte Kugel steckte. Nach einem Durchsuchungsbefehl wurden am Drehort etwa 200 bis 300 scharfe Patronen sichergestellt, was zu einer erneuten Diskussion über die Sicherheit am Arbeitsplatz und den Gebrauch von Schusswaffen am Drehort führte. In einem Interview mit ABC News nach der Schießerei betonte Baldwin, er habe "nicht abgedrückt".

Quellen:"Rolling Stone", "TMZ", Fox-News, DPA

jek

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