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Kinofilm "Der Spion" Benedict Cumberbatch als Anti-Bond in Moskau: Geschäftsmann Greville Wynne unterwandert den Kalten Krieg

CIA-Mitarbeiterin Emily Donovan und der Briten Greville Wynne stehen auf einem Empfang
CIA-Mitarbeiterin Emily Donovan (l., Rachel Brosnahan) hat den Briten Greville Wynne (Benedict Cumberbatch) dazu bewegt, sich in Moskau als Geschäftsmann auszugeben. Die glaubwürdige Tarnung soll ihn unverdächtig machen.
© Liam Daniel & Telepool
"Der Spion" basiert auf wahren Gegebenheiten. Ein britischer Geschäftsmann wird von der CIA und dem MI6 überredet, als Kurier nach Moskau zu fliegen, mehrere Jahre lang. Seine tatsächliche Rolle wird ihm allerdings vor Ort erst richtig bewusst: Er soll den Ausbruch eines Krieges verhindern.

Greville Wynne (Benedict Cumberbatch) erhält eine Einladung ins Hauptquartier des britischen Geheimdienstes MI6. Der arglose Geschäftsmann hat keine Ahnung, was ihn dort erwartet. "Was soll ich machen?", fragt er bei dem Treffen mit einem britischen Agenten und der CIA-Mitarbeiterin Emily Donovan (Rachel Brosnahan). Der Agent antwortet: "Sie sollen sich ganz normal verhalten, besser, wenn Sie keine Details kennen." "Aber würde ich mich in Gefahr bringen? Dieses Detail sollte ich wissen", entgegnet Wynne. "Greville, ich sage es höflich", beginnt der Agent, "Sie sind ein Geschäftsmann mittleren Alters, Sie trinken zu viel und sind nicht in Topform. Während des Krieges waren Sie Gefreiter und nie im Gefecht. Ich will damit sagen: Wenn diese Mission gefährlich wäre, wären Sie der Letzte, den wir schicken würden." 

Plakat zum Film "Der Spion" (Originaltitel "The Courier"), der am 1. Juli 2021 in den deutschen Kinos anläuft
Plakat zum Film "Der Spion" (Originaltitel "The Courier"), der am 1. Juli 2021 in den deutschen Kinos anläuft

Wir schreiben das Jahr 1960. Der US-amerikanischen Botschaft in London war ein Umschlag zugespielt worden, dessen Inhalt die CIA in große Aufregung versetzt. Der Regierungschef Nikita Sergejewitsch Chruschtschow arbeitete daran, der UdSSR durch Raketentechnik und atomare Aufrüstung die globale Führungsrolle zu verschaffen. Die CIA muss dringend ihren Mann in Moskau schützen, ohne Aufsehen zu erregen. Sie will einen "unverdächtigen Geschäftsmann" einschleusen, der mit Oleg Wladimirowitsch Penkowski (Merab Ninidze) Kontakt aufnehmen und von ihm ablenken soll. So kommt Wynne ins Spiel, der sich widerstrebend darauf einlässt: Seine Geschäfte laufen nicht so gut, er hat Geldsorgen und erzählt seiner Frau, er glaube an neue Handelspartner in Russland. Dass er brisante Geheimdokumente schmuggeln wird, ist ihm zunächst nicht klar.

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"Das war der Punkt, als bei mir als Drehbuchautor alle Alarmglocken zu schlagen begannen"

Was auf den ersten Eindruck wie ein zum Scheitern verurteilter Plan wirkt, nimmt im Laufe der Geschichte eine rasante Wendung. Aus dem vermeintlichen Weichei Wynne entwickelt sich ein Spion, der diesen Namen verdient. Zwischen Kaltem Krieg und Kubakrise begreift er, worum es wirklich geht und bis dahin verborgene Fähigkeiten werden in ihm wach. Penkowski wird für ihn zum echten Freund. In Moskau besuchen sie das Bolschoi-Ballett, "Schwanensee" treibt Wynne Tränen in die Augen. Bei einem Besuch in London lädt Wynne Penkowski zu sich nach Hause ein und gestaltet ein "britisches Kulturprogramm" für ihn.

Drehbuchautor Tom O'Connor begann 2016 damit, sich intensiv mit der Geschichte russisch-amerikanischer Spionage zu befassen. "Ich habe angefangen, Geschichtsbücher zu lesen", sagt er. "Oleg Penkowski, der in unserem Film von Merab Ninidze gespielt wird, ist eine der legendären Quellen, die für die Amerikaner in der Sowjetunion spionierte. In einem der Bücher fand ich eine Zeile, in der es hieß, dass Oleg Penkowskis Kontakt in Großbritannien ein Zivilist namens Greville Wynne war. Das war der Punkt, als bei mir als Drehbuchautor alle Alarmglocken zu schlagen begannen."

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Man muss kein Bond-Fan sein, um diesen Film zu lieben, doch das Setting erinnert natürlich an die 1963 entstandenen "Liebesgrüße aus Moskau". Inhaltlich allerdings beeindruckt "Der Spion" dadurch, dass die Verfilmung auf einer wahren Geschichte fußt. Der Mut und die Fantasie, die Wynne im Laufe der Zeit entwickelt, hätte ihm niemand zugetraut. Um seinen neu gewonnen Freund zu retten, unternimmt er eine 1963 eine letzten Reise nach Moskau – entgegen der Wünsche der Geheimdienste – gerät in Gefangenschaft und lernt die volle Härte russischer Gefängnisse kennen.

Spannung, Humor und Drama – eine perfekte Mischung, um die Wiedereröffnung der Kinos in Deutschland zu genießen. Benedict Cumberbatch und Merab Ninidze bilden ein perfektes Paar für eine britisch-russische Freundschaft. Und die kluge und charmante CIA-Agentin, gespielt von Rachel Brosnahan, bringt nicht zuletzt ein wenig Bond-Atmosphäre ins Bild.


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