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Kino: Wall-E - Müllroboter mit Herz

Unermüdlich räumt der kleine Roboter Wall-E die völlig verdreckte Erde auf, die Menschen sind längst abgehauen. Was wie ein trostloser Blick in die Zukunft klingt ist nichts anderes, als das neueste Meisterwerk von Pixar. Die Animationsgötter haben uns einen neuen Helden geschenkt.

Von Gerd Blank

Mit einer langen Kamerafahrt über sepiafarbene Landschaften beginnt das neueste Abenteuer von Pixar. "Wall-E - Der Letzte räumt die Erde auf" zeigt einen fast toten Planeten. Die Erde. Das einzige Leben findet im Prozessor eines kleinen Müllroboters statt, der darauf programmiert wurde, den Dreck der Menschen wegzuräumen. So zieht der kleine Bursche als letzter seiner Art seine Bahnen durch riesige Müllberge. Ein schier unerfüllbare Aufgabe, doch Wall-E geht ihr täglich nach. Und die Menschen? Die haben den verdreckten Planeten längst verlassen, einzig ein paar Werbefilme und die Aufnahme eines alten Musicals erinnern an deren Anwesenheit.

So wird das erste Wort im Film auch nicht gesprochen, sondern gesungen. Denn Wall-E ist Freund der Musik. Er ist eh ein Freund der menschlichen Überreste, sammelt vom Zauberwürfel über Büstenhalter alles, was halbwegs nützlich - oder zumindest interessant -erscheint. Was für einen Menschen ein eintöniges Leben wäre, scheint für den Roboter sein einziger Zweck zu sein: täglich seinem Job nachzugehen, egal wie schmutzig er dabei wird. So hätte es auch ewig weiter gehen können, wenn nicht plötzlich ein Besucher aufgetaucht wäre.

Anspruch und Unterhaltung

Klimakatastrophe, Umweltverschmutzung, Müllberge und Ernährungssünden sind die Themen, die wohl kaum jemand in einem Animationsfilm vermuten würde. Dazu in einem Film, der unterhalten soll. Doch in "Wall-E" funktioniert die Vermischung von Anspruch und Unterhaltung prächtig. Es gibt keinen erhobenen Zeigefinger, der auf die Probleme der Welt hinweist. Diese dienen lediglich als Kulisse für eine witzige Tour de Force - sie geben der künstlichen Welt einen realistischen Anstrich.

Und die Sammelwut des Roboters sorgt dafür, dass in den fast 100 Minuten unzählige Gegenstände und Zitate aus der Kultur- und Filmgeschichte am Auge vorbeiziehen. So ist der Computer, der zur Bedrohung der Besatzung eines Raumschiffs wird, eine Verneigung vor dem Sci-Fi-Klassiker "2001" von Stanley Kubrik. Ein Clou und gleichzeitig ein netter Gruß an "Aliens" ist zudem die Verpflichtung von Sigourney Weaver, die in der englischen Originalversion diesem Schiffscomputer ihre Stimme leiht.

Pixar, inzwischen von Disney gekauft, schafft es wie kein anderes Animationsstudio, seltsame Charaktere zu glaubwürdigen Stars ihrer Geschichten zu machen. Nach Spielzeugpuppen, Monstern und Autos, Superhelden, Fischen und Ratten wurden diesmal Roboter beseelt. Die große Kunst besteht darin, dass der Film über lange Zeit auch ohne Worte funktioniert. Schon nach wenigen Minuten ist man von der Welt absolut gefangen und verzaubert. Dass es sich um einen Animationsfilm handelt, ist dabei schnell vergessen.

Wieder einmal zeigt Pixar, was nicht nur einen guten Trickfilm ausmacht, sondern was aus einen Film ein Klassiker macht: Virtuos verbinden sie eine gute Story, viel Liebe zum Detail mit tollen Charakteren, mit denen man gerne mitfiebert. "Wall-E - Der Letzte räumt die Erde auf" funktioniert auf vielen Ebenen. Es ist ein Film für Erwachsene, der auch Kindern Spaß bringen wird. Oder ein Kinderfilm, bei dem auch Erwachsene voll auf ihre Kosten kommen. Der größte Trick des Films ist es aber, dass wir Menschen uns in dem kleinem Müllroboter wieder erkennen.

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