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Kinostart "Salt": James Bond ist tot, lang lebe Evelyn Salt

Vielleicht ist es gar kein Zufall, dass Agent 007 vorerst kaltgestellt wurde. Angelina Jolie als Superagentin "Salt" lässt männliche Actionhelden von James Bond bis Jack Bauer jedenfalls ziemlich alt aussehen.

Von Sophie Albers

Man muss kein Angelina-Jolie-Fan sein, um diesen Film zu mögen. Es hilft aber. Denn "Salt" ist vor allem auch eine Hommage an eine Leinwandgöttin, deren Schönheit dem Actionanspruch nicht im Wege steht. Will sagen: Die Heldin hat die Augen, die Lippen, die Kurven, die Eleganz von Angelina Jolie, ist am Ende aber genauso dreckig, verschwitzt und hat auch ähnlich viel einstecken müssen wie Bruce Willis, wenn er mal wieder langsam sterben lässt.

Details über die Geschichte von Evelyn Salt zu verraten, würde zum einen den Sehgenuss schmälern, zum anderen würde es nicht wirklich zum besseren Verständnis dieses hochdrehenden Katz-und-Maus-Spiels beitragen. Nur so viel: "Salt" ist endlich eine rundherum gelungene Comic-Verfilmung und zudem ein wunderbar zeitloser Genre-Film. Die CIA-Agenten, zu denen Salt gehört, haben zwar die Technik des 21. Jahrhunderts, doch die Feinde stammen aus dem vergangenen Jahrtausend: Ein KGB-Mann will überlaufen und bietet Namen sowie Anschlagspläne. Ohne zu viel zu verraten: Der Name, der fällt, lautet Evelyn Salt. Los geht die Jagd nach der Wahrheit, der Freiheit und dem ultimativen Kinoerlebnis.

100 Minuten Adrenalin

"Salt" schert sich nicht um physikalische Gesetze, und der Plot ist alles andere als wasserdicht. Aber Regisseur Philip Noyce, der 2002 den großartigen "Long Walk Home" vorlegte, und der Angelina Jolie schon von den Dreharbeiten zu "Der Knochenjäger" (1999) kennt, ist es gelungen, eine perfekt in sich abgeschlossene Welt der Superstunts-vollbringenden Superspione zu erschaffen. Und - als Vergoldung des Ganzen - jagen Jolie und ihre Mit- und Gegenspieler trotzdem auch noch als atmende, fühlende Menschen durch 100 Minuten, deren Intensität man sich im Kino wünscht, aber viel zu selten sieht. "Salt" bietet wirklich alles, was man von einem Actionfilm erwartet.

Und wäre diese Perfektion des Kinoerlebnisses nicht schon genug, setzt Hollywoodschauspielerin und Übermutter Angelina Jolie auch noch sehr entspannt der leidigen Diskussion über die Zukunft des Superagententums ein Ende. James Bond ist kaltgestellt, Jack Bauer hat sich müde gelaufen, und Matt Damon will nicht mehr Jason Bourne sein. Das Agenten-Actionkino steckt in der Sackgasse. Doch Evelyn Salt, die in der Vorlage eigentlich ein Mann sein sollte, springt einfach über Mauern, aus Fenstern und über Autobahnbrücken und findet ihren ganz eigenen Weg. Dabei schlägt sie so viele fulminante Haken, dass man vor Begeisterung einfach hinterherläuft und hofft, dass sie so schnell nicht anhalten wird.