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Kinostart Horrorfilm "The Crazies": Filmische Schlachtplatte mit blutrünstigen Bestien

Im knackigen Horror-Remake "The Crazies" mutieren nette Kleinstädter zu Bestien. Ein Kinofilm mit infektiöser Verzombisierung.

Das Städtchen Ogden Marsh im ländlichen Iowa sieht so aus, als gäb's keine Bosheit auf der Welt. Als jedoch ein Farmer mit gezückter Schrotflinte in ein Baseballfeld torkelt, wo gerade ein lokales Match stattfindet, ist die Idylle schlagartig dahin. Der Sheriff muss ihn erschießen und ist darüber so schockiert wie die freundlichen Anwohner. Doch das ist nur der Anfang vom bösen Ende im Horrorfilm "The Crazies" (ab 27. Mai in den Kinos), dem Remake eines Genreklassikers von George A. Romero von 1973.

Als Regisseur fungiert Breck Eisner, Produzent ist der Horrorpapst selbst. Romero, dessen eigene Neuverfilmung seines Klassikers "Survival of The Dead" vor drei Wochen in hiesigen Kinos startete, macht sich selbst Konkurrenz. Schon seit langem sind filmische Schlachtplatten fast ausschließlich mit Dauerwürsten bestückt - mit Remakes wie vergangene Woche von "A Nightmare on Elm Street", endlosen "Spin-Offs" genannten Fortsetzungen wie zum Beispiel von "Saw", sogar Gipfeltreffen der Monster à la "Freddy vs. Jason", in dem Freddy Krueger auf den Killer aus "Freitag der 13." trifft. Am schnellsten vermehren sich Zombie-Filme, und ab und zu findet sich darunter sogar ein Kleinod.

So gelingt es ausgerechnet Eisner, dem Regisseur des unterbelichteten Abenteuerfilms "Sahara", den Meister in puncto Spannung, Intensität und Atmosphäre zu überholen. Zwar ist nichts neu beim Prozess der infektiösen Verzombisierung, die hier der Tollwut ähnelt: Biokampfstoffe eines in einem Teich abgestürzten Militärflugzeugs vergiften das Trinkwasser und machen die Einwohner sukzessive zu blutrünstigen Bestien. Das Militär riegelt das Gebiet weiträumig ab und sperrt die Einheimischen in Lager. Sheriff Dave, seine schwangere Frau Judy, eine Ärztin, ihre Sprechstundenhilfe und Daves Kollege versuchen zu fliehen.

Romero veredelte seinen oft holprig inszenierten Horror mit gesellschaftlichen Anspielungen, Eisner konzentriert sich dagegen auf Charaktere und Angst-Timing. So sind Timothy Olyphant ("Stirb langsam 4.0) als Sheriff und Radha Mitchell ("Surrogates") als seine Frau keine Dumpfbacken, sondern rufen bei ihrer Odyssee Anteilnahme hervor. Wenn innerhalb weniger Stunden die heile Welt zum Teufel geht, Pfarrer und Lehrer mit blutunterlaufenen Augen herumschwanken, rechtschaffene Farmer ihre Häuser anzünden und Soldaten ihrerseits die Bewohner massakrieren, dann schaut man gebannt zu. Was bei einem Horrorthriller gar nicht so oft passiert.

Dabei verzichtet die vollkommen unironische, wiewohl blutige Inszenierung auf allzu voyeuristische Metzeleien. Gekonnt durchmisst sie stattdessen den Radius, in dem sich das verzweifelte Quartett durchschlägt, die Tankstellen, Drugstores und Autowerkstätten, in deren Nischen Infizierte herumhängen. Das wahre Ausmaß der Mausefalle wird angedeutet, wenn die Kamera à la Google Maps hochzoomt und in einer militärischen Satellitenaufnahme endet. Zwar hat auch dieser Hochglanz-Reißer seine unlogischen Momente - doch als knackige Apokalypse-Fantasie kann er geneigten Zuschauern ungemütliche 100 Minuten bescheren.

Birgit Roschy, APN / APN