HOME

Kriegsfolgen: Museen schicken Experten in den Irak

Führende Museen der Welt wollen Experten in den Irak schicken, um bei der Wiedererlangung geraubter Kunstschätze zu helfen. Die USA werden wegen ihrer Untätigkeit für die Plünderungen mitverantwortlich gemacht.

Führende Museen der Welt wollen nach einem Bericht des Londoner «Independent on Sunday» Experten in den Irak schicken, um bei der Wiedererlangung geraubter Kunstschätze zu helfen. Das internationale Team unter Leitung des Britischen Museums in London werde unter anderem Fachleute aus dem Louvre in Paris, dem Getty Museum in Los Angeles, dem Metropolitan Museum in New York und der Hermitage in St. Petersburg umfassen, berichtete die Zeitung. Mit den geplünderten Museumsgütern ist nach Ansicht des Altorientalisten Gernot Wilhelm auch ein Teil der abendländischen Kulturgeschichte verloren gegangen. "Bei dem Diebesgut handelt es sich um wesentliche Dokumente der Menschheitshistorie und damit auch der Geschichte Mitteleuropas", sagte der Würzburger Wissenschaftler.

Niemand weiß, was fehlt

Das Britische Museum schickt seinen Experten für antike Kunstschätze des Nahen Ostens, John Curtis, sechs Restaurateure und drei Kuratoren. "Erstaunlich ist, dass bisher kaum jemand weiß, was genau fehlt", sagte der Direktor des Britischen Museums, Neil MacGregor. Deshalb müsse zunächst einmal der entstandene Schaden dokumentiert werden. "Wir müssen die Regierungen außerdem dazu bringen, dass sie jeden daran hindern, diese Objekte in ihre Länder einzuführen." MacGregor, der den USA auch vorwarf, das Irakische Nationalmuseum in Bagdad viel zu spät unter Bewachung gestellt zu haben, forderte zudem den Schutz wichtiger Ausgrabungsstätten außerhalb der irakischen Städte.

US-Truppen tragen Verantwortung

Der Wissenschaftler Wilhelm verwies auf "absolut entscheidende Vorgänge" in der altorientalischen Kultur wie die Entstehung von Städten und die Einteilung der Zeit in Stunden und Minuten, die Grundsteine auch für das Leben in der westlichen Kultur gelegt hätten. Die Verluste bei Plünderungen in Bagdad träfen deshalb auch Europa und Deutschland. Der Wissenschaftler betrieb selbst von 1983 bis 1986 Grabungen im Irak. Die Verantwortung für die Plünderungen im Bagdader Nationalmuseum tragen nach Meinung Wilhelms die US-Truppen. Sie hätten Kulturgüter nicht ausreichend geschützt. Die von den USA eingesetzte einheimische Verwaltung habe jetzt die Chance, verlorenes Kulturgut unter Umständen zu finden, betonte Wilhelm.