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Kultfilm "Titanic" wieder im Kino: Blick zurück in 3D

Vor 15 Jahren hat James Cameron mit "Titanic" Kinogeschichte geschrieben. Nun kommt die dreidimensionale Version. Noch gewaltiger - und irgendwie auch persönlicher.

Von Sophie "Rose" Albers

Als James Camerons Überfilm "Titanic" 1997 den Triumphzug durch die Kinos antrat (in Deutschland startete er 1998), hat er nicht nur Filmgeschichte geschrieben. Das Drei-Stunden-Epos vom ultimativen Untergang gehört für viele Menschen zu den Kinocharts des eigenen Lebens. Eigentlich jeder, der damals ins Kino ging, kann eine "Titanic"-Geschichte erzählen: Der Typ aus Nürnberg, der erst nach der Pause kam, weil er nicht die Liebesschnulze, sondern nur die Katastrophenaction sehen wollte, und dann entsetzt feststellen musste, dass er die nackte Kate Winslet verpasst hat. Die frisch getrennte Studentin aus Bonn, die nach dem Kino mit feuchten Augen und roten Wangen "Rette mich" hauchte und schon ihren Ehemann in spe im Sack hatte.

Oder dieser Aprilscherz: Ein cooler Junge erzählt einem naiven Mädchen, dass wegen des überwältigenden Erfolges nun ein "Titanic"-Director's Cut in die Kinos komme, in dem erstens Arnold Schwarzenegger Jack und Rose durch den sinkenden Ozeanriesen jagen werde, und zweitens Liebes- und Untergangsgeschichte in 3D zu sehen seien. Das naive Ding hat den coolen Kerl daraufhin so begeistert angestrahlt, dass er sich nicht getraut hat, den Scherz aufzuklären. 14 Jahre später wird immerhin Teil zwei Wirklichkeit.

18 Millionen Dollar

Zum Glück hat Cameron so lange damit gewartet. Der Regisseur, der sein "Titanic"-Rekord-Einspielergebnis von 1,85 Milliarden Dollar ein Jahrzehnt später mit 2,78 Milliarden für "Avatar" selbst gebrochen hat, ist derzeit der wohl erfolgreichste und auch einflussreichste Filmemacher des großen Hollywoodfilms. Der veritable Nerd, der mit "Avatar" die Kameratechnik revolutionierte, versucht, die Bilder noch schärfer, noch gewaltiger, noch tiefer zu machen - während er nebenbei mal eben den tiefsten Punkt der Erde besucht. Und weil er immer alles noch besser machen will, haben 300 Mitarbeiter 60 Wochen lang "Titanic" die dritte Dimension verabreicht. Frame für Frame Tiefen, Proportionen und Schatten berechnet. 18 Millionen Dollar hat das alles gekostet.

3D erhöhe das Drama, sagt der Mann, der fürs Geld zuständig ist, Produzent Jon Landau. Und so ist das Ergebnis denn auch die gewaltigste Portion Drama, die es - sagen wir seit "Vom Winde verweht" - im Kino zu sehen gab. Alles ist noch größer und noch beeindruckender geworden: das Tauchen im Wrack, die Fahrten durch Roses Korridore der Erinnerung, die riesigen, ölglänzenden, stampfenden Pleuelstangen im Maschinenraum, der glitzernde Dinnersaal, der gigantische Hintern des Schiffes, der sich hebt, als die "Titanic" auseinandergebrochen ist und in die Tiefe gerissen wird, das Wasser, das sich durchs Schiff frisst. Und natürlich die nackte Kate Winslet.

Die Brille ist längst vergessen, und man lehnt sich im Sitz zurück, weil man meint, sonst nicht alles fassen zu können, was die Leinwand bietet. Der 3D-Effekt springt einem nicht ins Gesicht, er ist Teil des Films, Mittel zum Zweck, das den Zuschauer noch tiefer ins Drama zieht. So wie es sein sollte. Cameron sagt, er hoffe, so auch ein Kinopublikum zu erreichen, dass den Film nur von DVD kennt, dabei "müsse" man ihn einfach im Kino sehen. Genau.

Demnächst auf wackelnden Sitzen

Natürlich wird es trotzdem Leute geben, die sich empören, dass 3D diesem Film nichts hinzufüge, außer den Aufpreis an der Kinokasse. Der Rest darf sich auf die nächste Stufe des "Titanic"-Erlebnisses freuen: Eine südkoreanische Firma will den Film mit dem eigenen Format 4DX ausstatten. Das gestaltet den Kinobesuch interaktiv, indem der Zuschauer - in sicherer, Entertainment-angemessener Form - den Bedingungen der Filmumgebung ausgesetzt wird. Das heißt unter anderem, dass der Sitz sich entsprechend dem Filmgeschehen dreht und wendet. Außerdem werden "kalte Luftstöße" und "Wasser ins Gesicht" versprochen.

Jetzt fehlt mir nur noch Arnold Schwarzenegger.