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KULTURPOLITIK: Filmförderung: Alles neu macht der Minister

Julian Nida-Rümelin will im Herbst sein neues Konzept zur Filmförderung vorlegen. Ob's ein bisschen mehr kosten darf, verrät der Minister aber noch nicht.

Der Staatsminister für Kultur und Medien, Julian Nida-Rümelin, will im Herbst ein Konzept zur Reform der Filmförderung in Deutschland vorlegen. Das Motto könnte lauten »Von Frankreich lernen«, sagte Nida-Rümelin beim deutschen Empfang während des Filmfestivals in Cannes. Das System der Länder-Filmförderung müsse sich in manchen Punkten ändern. »Eine Zentralisierung der föderalen Strukturen kommt dabei aber nicht in Frage«, betonte der Staatsminister.

Schwerpunkte verlagern

Frankreich gebe jedes Jahr 70 Millionen Euro für die Filmförderung aus, Deutschland 110 Millionen. Dennoch sei Frankreich als Filmland erfolgreicher als Deutschland. Für seine Überlegungen bedeute das französische Vorbild unter anderem, dass der Schwerpunkt nicht auf der bloßen Herstellung von Filmen liegen dürfe, sondern Produzenten und Filmverleiher am Markt effektiver unterstützt werden müssen. »Für die Auswertung der Filme an den Kassen müssen mehr Anreize geschaffen werden«, sagte Nida-Rümelin. Außerdem möchte er die Export-Union zur Vertretung des deutschen Films im Ausland stärken.

Das Bündnis für den Film, von seinem Amtsvorgänger Michael Naumann ins Leben gerufen, »ist nicht tot«. Die Gespräche hätten Schwachstellen aufgezeigt und würden in kleineren Runden fortgesetzt, sagte der Beauftragte des Bundeskanzlers.

Kritik an Programmauswahl in Cannes

»Der deutsche Film ist besser als manche meinen - und Sie alle wissen das«, erklärte Nida-Rümelin bei einer kurzen Ansprache zur Eröffnung des deutschen Empfangs. Die Szene stecke in einem Generationswechsel. Mit Blick auf die fehlende Präsenz deutscher Produktionen in der diesjährigen Festivalauswahl übte er auch leise Kritik an den Programmmachern von Cannes: »Es hat keinen Sinn, dieser Generation die Zukunft zu verbauen, indem sie an den Maßstäben der Vergangenheit gemessen wird.«

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