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Mads Mikkelsen über "Men&Chicken": "Ich liebe es radikal"

Seine Frau gähnt schon, wenn er mal wieder zum "Sexiest Man Alive" gewählt wird. Gerade wurde Mads Mikkelsens "Hannibal" abgesetzt, da kommt er mit einer abstrus-düsteren Komödie zurück. Ein Gespräch über das, was zählt.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Mads Mikkelsen

"Wenn ich eine Herausforderung will, dann steige ich nackt auf einen verdammten Berg", sagt Mads Mikkelsen.

Die hellbraune Lederjacke aufs Sofa geworfen, Zigaretten immer griffbereit, fläzt Mads Mikkelsen sich entspannt in den Sessel. Der 49-Jährige ist hellwach, auf den Punkt und gutgelaunt. Und das, obwohl seine gefeierte TV-Serie "Hannibal" soeben abgesetzt wurde. Dafür kommt nun die tiefschwarze Menschheitskomödie "Men&Chicken" in die Kinos, in der Mikkelsen einen triebhaften, zugleich kindischen Schnauzbartträger spielt, der sich mit seinem Bruder auf die Suche nach dem leiblichen Vater macht - und Monströses findet.

Gute Güte, was für ein Film! Ist das die Reaktion, die Sie sich wünschen?

Ja, es ist ein irres Universum, Anders Thomas Jensen ist ein irrer Filmemacher, er ist auch ein Poet, der seine Poesie in Verrücktheit verpackt. Ich bin ein großer Fan. Da ist „Was für ein Film!“ ziemlich präzise. Es ist die David-Lynch-Coen-Brothers-Verrücktheit, aber Jensen hat definitiv seinen eigenen Fingerabdruck hinterlassen.

Sind Sie traurig über das Ende von Hannibal?

Ja und nein. Auch (Serienerfinder) Bryan Fuller ist sehr radikal, was ich liebe. Dürfen wir das im Fernsehen wirklich tun, habe ich gedacht. Durften wir. (lacht leise) Das Ende war keine Überraschung, die Zahlen waren ja da. Die große Überraschung war doch, dass NBC mutig genug war, uns drei Jahre zu geben. Dafür bin ich dankbar, und wenn wir nicht von jemand anderem übernommen werden, war es das eben.

Fans fordern mit dem Twitter-Hashtag SaveHannibal, dass es weitergeht.

Ich habe davon gehört. Da ich ein Kind des letzten Jahrhunderts bin, bin ich aber weder auf Facebook noch Twitter.

Kinotrailer: "Men & Chicken"


Heißt das, Sie haben kein Problem damit loszulassen? Es war schön, danke, nächstes Projekt?

Das hängt mit der Natur meines Berufes zusammen. Wir machen nichts besonders lange. Drei Staffeln "Hannibal" ist das Längste. Filme bedeuten ein paar Monate Vorbereitung, ein paar Wochen Dreh, und dann sagen wir 'Auf Wiedersehen'. Das hat etwas Schönes, Frisches, auch weil wir alle immer wach sein müssen, um immer bereit zu sein. Ich mag diesen Prozess, andererseits mag ich es auch, alte Freunde wiederzusehen - wie jetzt bei "Men&Chicken".

Verstehe ich das richtig, Fernsehen macht Ihnen weniger Spaß?

Ich mag nicht, wenn es sich wiederholt. Mann und Frau machen coole Sprüche, während sie Verbrechen aufklären. Das wäre nicht meins. Aber ich lasse mich gern überraschen. So wie mit "Hannibal".

Herr Mikkelsen, Sie waren schon Bond-Bösewicht, Igor Stravinsky und wie gesagt Hannibal, aber Sie drehen auch immer wieder diese kleinen, spröden Filme, mit denen Sie jedes Image zertrümmern. Warum eigentlich?

Weil ich neugierig bin. Ich bin kein großer Freund von Herausforderungen, die finde ich nicht interessant. Wenn ich eine Herausforderung will, dann besteige ich nackt einen verdammten Berg. Herausforderungen gibt es anderswo...

"Men&Chicken" war keine Herausforderung?

Das ist nicht das Ziel! Das Ziel ist es, dem Film zu dienen. Und ich sehe eine wundervolle epische Geschichte darin, das Leben in allen seinen Formen anzunehmen in einer verrückten Welt. Es ist eine viel größere Herausforderung, einen Film zu machen, der schlecht ist, mit dem du nicht einverstanden bist. Das ist schwierig! (Lacht)

Haben Sie das?

Ich habe Sachen gedreht, bei denen ich zu spät gemerkt habe, dass es nicht mein Geschmack ist. Es sieht manchmal aus wie eine Herausforderung: auf einem Pferd sitzen und Französisch sprechen, was ich nicht kann, ist eine Herausforderung. (Er meint "Michael Kohlhaas") Aber ich habe Ja gesagt, weil ich den Regisseur großartig fand. Ich wollte kapieren, wie er tickt. Ich suche Menschen mit Vision, die Benzin im Blut haben.

Sie wollen das perfekte Werkzeug sein?

Ich will ein Teil des Ganzen sein, nicht bloß ein Werkzeug. Ich bin eine Nervensäge mit meinen ganzen Fragen. (lacht) Aber meistens hören sie mir zu, und manche sagen eben "Nein" und wenn sie mich davon überzeugen, dass ihre Idee besser ist, auch gut. Aber wenn nicht, mache ich weiter.

Was kommt als nächstes?

Ich werde erstmal ein bisschen die Beine hochlegen. (Lächeln)

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