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Matrix III: Zwischen Karma und Koma

Ohne Erleuchtung kommt das Ende des Kino-Dinosauriers "Matrix": Mit immer größerem Aufwand und immer weniger Erfolg soll das Puplikum hypnotisiert werden.

Im falschen Film wähnte sich einst in "Matrix" der Computerhacker Neo, als er entdeckte, dass die Welt nur ein abgefeimtes Computerprogramm namens Matrix ist. Der Zuschauer indes fühlt sich dagegen im letzten Teil der Matrix-Trilogie, "Matrix Revolutions", nicht nur wie im richtigen Film, sondern gleich wie in vielen Filmen: in "Terminator", "Star Trek", "Herr der Ringe, "Supermann" und andere mehr.

Die finalen Special-Effects-Schlachten, die das Fantasy-Spektakel entfaltet, erinnern zutiefst an andere Großetat-Produktionen, die das Publikum mit immer verzweifelterem Aufwand und immer weniger Erfolg zu hypnotisieren suchen. Das unterirdische Zion, Stadt der rebellischen Menschen, die im zweiten Film "Matrix Reloaded" eingeführt wurde, muss zum Showdown die entscheidende Schlacht gegen die Maschinenherrscher gewinnen. Derweil versucht der messianische Neo, entrückter denn je, mit Guerillataktik ins metallene Herz des Bösen vorzustoßen.

Jetzt gibt's Armageddon samt Erlöser

Wo "Matrix 1" eine Initiation in die Welten mit Anführungszeichen und eine ästhetisch fantasievolle Reise in virtuelle Realitäten war, verliert sich der einstige Ideenreichtum der regieführenden Wachoswki-Brüder nun vollends im kommerziellen Getöse. Um im Jargon des Filmes zu bleiben: ein uraltes Computerprogramm wird geladen - das biblische Armageddon samt Erlöser. Und da, wie das spirituelle Sprüche klopfende Drehbuch dem Publikum einhämmert, alles ein Ende hat, landet Neo, der einst wie Alice im Wunderland zwischen den Welten hin und her "zappte", in einem Schrotthaufen.

Eine Minute für den Busenausschnitt von Monica Bellucci

Zuvor erlebt man ihn ratlos zwischen Koma und Karma, und seine herbe Geliebte Trinity erweist sich erneut als der eigentlich "Mann" in dieser Beziehung, da sie ihn ohne viel Federlesens aus aller Unbill heraushaut - und dabei manchem pompösen Salbaderer-Programm, wie dem zynischen Franzosen "Merowinger", mit der Knarre am Kopf das Wort abschneidet. Frauen - besonders afro-amerikanische - nehmen, wie bereits in "Matrix 2" vorgemacht, das Steuer noch fester in die Hand - wenn man von Monica Bellucci absieht, die als Persephone nur eine Minute ihren eindrucksvollen Busenausschnitt vorzeigen muss.

Der Übermensch kann Kung-Fu

Nicht nur da gelingen den Wachowskis jedoch bleibende Eindrücke: Immer wieder hat das langatmige Schlachtengetümmel, bei dem organische Kampfroboter mal wie Wespenschwärme, mal wie Kraken Zion heimsuchen, durchaus imposante Momente. Auch die Übergänge zwischen real-rostiger und virtueller Realität, bei der Neo einmal in einem klinisch weißen U-Bahnhof strandet, sind zunächst vielversprechend. Die originellen Ansätze werden in diesem dritten Teil jedoch einmal mehr durch Computerspiel-Ästhetik und ausuferndes Übermenschen-Kung-Fu überdeckt, unterbrochen wie gehabt durch küchenphilosophisches Gelaber: kämpfen, reden, kämpfen, reden!

Der sich vervielfältigende "Agent Smith", ein Virus-Programm, ist erneut Vertreter eines letztlich sich selbst zersetzenden Nihilismus, was von Neo als erleuchtetem Jesus-Download mit ebenso nichtssagendem Idealismus pariert wird. Bereits Regisseur Bernardo Bertolucci hatte ja in Keanu Reeves glattes Gesicht "Buddha" hineinprojiziert.

Das Orakel backt Plätzchen

Am deutlichsten wird das lieblos gewordene Verwurstungsprinzip dieses Fantasy-Spektakels in Gestalt des Plätzchen backenden schwarzen Orakels (gespielt von Mary Alice als Ersatz für die verstorbene Gloria Foster). In bedeutungsschwangeren Dada-Dialogen verliert sich sein einstiger philosophischer Nährwert vollends im Nirwana esoterischer Beliebigkeit. Kein Wunder, dass auch dem Zuschauer alles Wurst ist.