Zwei Männer erkunden die Welt der Musik und entdecken dabei vor allem eins: die wunderbare Macht der Liebe. Während und unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg treffen der Musikstudent Lionel (Paul Mescal) und der Komponist David (Josh O'Connor) in Boston, USA, zufällig aufeinander. Aus der Bekanntschaft erwächst eine innige Zweisamkeit, die ab dem 9. April in den deutschen Kinos zu sehen ist.
Gemeinsam ziehen sie eine Zeit lang über Land und sammeln Zeugnisse lebendiger Volksmusik. Was sie vor allem finden, ist weder in Worten noch in Musik zu spüren: Die Kraft der Gefühle, die sie füreinander empfinden. Davon wird Lionel (nun verkörpert von Chris Cooper) noch zehren, wenn ihm Jahrzehnte später nur Erinnerungen geblieben sind.
Warum Paul Mescal und Josh O'Connor eine clevere Besetzung sind
Der irische Schauspieler Paul Mescal hat mit Rollen in Hits wie "All of Us Strangers", "Gladiator II" und zuletzt "Hamnet" weltweit eine große Fan-Gemeinde errungen. Auch Josh O'Connor ("The Crown", "Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery") zählt zu den aktuell gefragtesten Darstellern seiner Generation.
Beide gelten als Publikumslieblinge. Es wirkt daher wie ein geschickter Besetzungszug, ausgerechnet diese beiden Schauspieler als Liebespaar zusammenzuführen - ein Duo, das dem Film zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen dürfte.
Die beiden Stars überzeugen in dieser Literaturadaption ohne Wenn und Aber. Sie punkten mit Sensibilität und kraftstrotzender Körperlichkeit. In kleinsten Gesten, oft nur mit leisem Lächeln oder flackerndem Blick, kehren sie das Innerste der Figuren nach außen.
Ein Film, der auf deutliche Gefühle setzt
Die Intensität ihres Schauspiels sorgt dafür, dass jeder Anflug von Kitsch im Keim erstickt wird. Das ist ab und an notwendig. Denn die Inszenierung des aus Südafrika stammenden Regisseurs Oliver Hermanus ("Living – Einmal wirklich leben") setzt mit auf Hochglanz polierten Bildern und einem raffiniert auf der Klaviatur der Gefühle spielenden Sound gelegentlich doch überdeutlich auf emotionale Überrumpelung der Kinobesucher.
Der Glanz der routinierten Hollywood-Ästhetik entspricht der Vorlage nicht ganz. Die kurze Novelle ist im vorigen Jahr in Deutschland bei Hanser in einer exzellenten Übersetzung von Dirk van Gunsteren unter dem Titel "Die Geschichte des Klangs" erschienen.
Der Reiz der Buchvorlage
Der US-amerikanische Autor Ben Shattuck fesselt mit einer schlichten, schnörkellosen, dabei philosophisch reichen Sprache. Die Sexualität beispielsweise wird nicht schamhaft umschifft, aber doch nie explizit ausgestellt. Einige entsprechende Szenen im Film muten etwas vordergründig an. Irritierend ist zudem, dass Paul Mescal mit Ende 20 und Josh O'Connor mit über 30 Jahren während der Entstehung doch schon etwas zu alt für die Rollen sind.
Das Drehbuch zum Film hat Ben Shattuck selbst verfasst. Eine alte Branchen-Regel behauptet, es sei stets ein Wagnis, die Autorin oder den Autor eines Romans bei dessen Verfilmung mit ins Boot zu holen. "The History Of Sound" scheint das zu bestätigen.
Es drängt sich der Verdacht auf, Ben Shattuck habe sich nicht weit genug von seinem Buch entfernen können, um die im Kino auch bei leisen Filmerzählungen notwendige Dynamik zu erreichen. Wer die Vorlage nicht kennt, wird das wohl gar nicht empfinden, sich vermutlich nur hier und da etwas wundern, warum das Geschehen gelegentlich etwas stockend anmutet.
Erinnerung an "Brokeback Mountain"
Fans verhalten erzählter Geschichten erleben sicherlich einen Hochgenuss. Die Story und das Können des Hauptdarsteller-Duos erinnern an den legendären Kino-Erfolg "Brokeback Mountain" (2005). Die Parallelen sind unübersehbar. Mehr sei allerdings um der Spannung willen nicht verraten.
Nur dies: Am Ende nimmt man keine sensationellen Weisheiten mit nach Hause, aber viele lohnende Gedanken. Vor allem bewegt einen die Erkenntnis, dass man in den entscheidenden Momenten meist nicht merkt, wie glücklich man ist. Oft erkennt man das erst viel, viel später. Dann sollte man den Schatz, den man in seinen Erinnerungen entdeckt, sorgsam hüten. Achtung: Taschentuchalarm!