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Film von Bong Joon-ho: "Parasite": Darum geht es im Überraschungs-Abräumer der Oscars

Der südkoreanische Regisseur Bong Joon-ho und sein Film "Parasite" sind die großen Gewinner der 92. Oscar-Verleihung. Vier Trophäen hat der Streifen gewonnen. Darum geht es in der Gesellschaftssatire.

Im Haus der wohlhabenden Familie Park spielen sich seltsame Dinge ab

Im Haus der wohlhabenden Familie Park spielen sich seltsame Dinge ab

Bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes hat Bong Joon-hos Film "Parasite" (Originaltitel: "Gisaengchung") bereits im vergangenen Jahr Geschichte geschrieben. Die Tragikomödie wurde als erster südkoreanischer Film überhaupt mit der Palme d'or, der Goldenen Palme, ausgezeichnet.

Nun wurde der Streifen auch bei den Oscars zum Überraschungs-Hit. Sechsmal war "Parasite" nominiert, vier Trophäen konnte der Film gewinnen, darunter für die beste Regie, als bester fremdsprachiger Film und in der Königskategorie "Bester Film". Es ist das erste Mal in der Oscar-Geschichte, dass in dieser Sparte ein nicht-englischsprachiger Film gewonnen hat. Aber worum geht es eigentlich in der Satire?

In "Parasite" treffen zwei Welten aufeinander

Die vierköpfige Familie Kim lebt am absoluten Existenzminimum. Um gratis Wlan von gegenüber nutzen zu können, müssen sie ins hinterste Eck ihrer Toilette kriechen. Als Lebensunterhalt falten sie im Verbund Pizzakartons zusammen und schauen, wie jeden Tag, einem besoffenen Idioten dabei zu, wie er gegen das Küchenfenster ihrer Kellerwohnung pinkelt. Doch dann meldet sich Knall auf Fall ein alter Schulfreund von Sohn Ki-woo (Choi Woo-shik) bei ihnen und stellt diesem einen gutbezahlten Job in Aussicht.

Der clevere Ki-woo soll der Tochter einer wohlhabenden Familie, auf die sein Freund ein Auge geworfen hat, Englisch-Nachhilfe geben und gleichzeitig aufpassen, dass sie sich keinen anderen jungen Mann anlacht. Mit gefälschtem Diplom ergattert er in der Tat den Job, hat aber gänzlich andere Absichten als den keuschen Aufpasser zu mimen. Stattdessen nisten sich unter falscher Identität immer mehr Mitglieder seiner Familie in den Haushalt der Familie Park ein: seine Schwester als angebliche Kunst-Therapeutin, dann sein Vater als Chauffeur und zu guter Letzt seine Mutter als Hausdame für alles. Dafür mussten ihre jeweiligen Vorgänger aber natürlich erst einmal verschwinden.

92. Academy Awards: Oscars 2020: Die besten Bilder der Verleihung
Oscars 2020

Sprachlosigkeit bei den Filmemachern des süd-koreanischen Streifens "Parasite". Der Thriller gewann den Oscar als bester Film und setzte sich damit gegen große Favoriten wie "1917" oder "Joker" durch. Es ist das erste Mal, dass ein nicht-englischsprachiger Film in dieser angesehenen Kategorie triumphiert. "Parasite" war für sechs Oscars nominiert - und hat vier gewonnen, eine Sensation!

AFP

Klassenkampf auf südkoreanisch

Hier die bettelarme Lotter-Familie, da die ebenfalls vierköpfige Prunk-Sippe: Überdeutlich inszeniert Bong Joon-ho die gigantische Kluft, die zwischen seinen Protagonisten klafft. Die einen repräsentieren alles, was vermeintlich wünschenswert ist, während die anderen augenscheinlich zu bemitleiden sind. Doch ganz so einfach macht es der Regisseur sich und seinem Publikum nicht.

Dysfunktional wirkt wenn überhaupt nur die reiche Familie, die Armen ziehen derweil stets an einem Strang. Schon durch ihre Mini-Bude sind die Kims dazu gezwungen, einander nahe zu sein und zu einander zu stehen; die Parks können sich in ihrem riesigen Anwesen dagegen herrlich leicht aus dem Weg gehen. Und so schafft es der Film zumindest in seiner ersten Hälfte, dem Zuschauer für beide Parteien Mitgefühl abringen zu können.

Im Haus der wohlhabenden Familie Park spielen sich seltsame Dinge ab

Im Haus der wohlhabenden Familie Park spielen sich seltsame Dinge ab

Die einen lügen zwar wie gedruckt und ersinnen Gemeinheiten, um ihre Konkurrenz aus dem Haus zu treiben und sich so ein besseres Leben leisten zu können. Die anderen legen in all ihrem Reichtum eine gewisse Borniertheit an den Tag. Insgesamt sind sie sich aber durchaus sympathisch und erwecken den Eindruck, dass Geld eben nicht alles ist - man ohne glücklich und mit unglücklich sein kann. Dass die Menschen, ungeachtet ihrer finanziellen Lage, doch irgendwie alle gleich sind. Diese positive Note verfolgt "Parasite" aber leider nicht bis zum Ende und wählt stattdessen eine weitaus plakativere Aussage.

Sensation: "Parasite" holt überraschend vier Oscars

Überladenes Finale

Am Ende des Films überschlagen sich die Ereignisse regelrecht, spätestens, wenn die Kims dem Mysterium im geheimen Keller ihrer Arbeitgeber auf die Schliche kommen. Es ist zwar ein interessanter Ansatz des Regisseurs, den so negativ konnotierten Begriff "Parasit" zu nehmen und zum Ergebnis zu kommen, dass letztendlich die Reichen die Schmarotzer sind. Dass sie auf den Schultern, auf "Kosten" des Pöbels leben, der in seiner Kellerwohnung versauert.

Statt sich hier so klar zu positionieren, hätte es dem Film aber gutgetan, bis zum Schluss die anfangs etablierte Balance zu halten, beiden Seiten Zuneigung entgegenbringen zu können. Stattdessen wirkt das Finale von "Parasite" jedoch gehetzt und erzwungen.

"Parasite" beginnt als interessante Milieustudie einer Kultur, die europäische Zuschauer wohl nur selten auf der Leinwand zu sehen bekommen. Wo der Film zu Beginn einen cleveren Blick auf die sozialen Missstände wirft, die keine der beiden Gegenseiten dämonisiert, passiert genau das aber im Finale des Films.

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