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Stern Logo Academy Awards - Die Oscar-Verleihung

Oscar für Kathryn Bigelow: Die starke Frau von Hollywood

Sie hat es geschafft: Kathryn Bigelow hat als erste Frau den Regie-Oscar gewonnen. Und den Goldjungen für den besten Film gab es gleich dazu. Das Porträt einer Frau, die tut, was sie will - und muss.

Von Sophie Albers

Sie muss es einmal sagen dürfen: "Es gibt wirklich keinen Unterschied zwischen dem, was ich tue, und dem, was ein männlicher Filmemacher tut", betonte Regisseurin Kathryn Bigelow erst kürzlich wieder im Interview mit dem US-Sender CBS. Die Überhöhung ihrer Arbeit über das Filmschaffen hinaus hat sie immer abgelehnt. Doch nun, da die 58-Jährige just am Weltfrauentag als erste Frau den Regie-Oscar gewonnen hat, ist es eben doch etwas anderes. Und so fügt sie hinzu: "Andererseits denke ich, dass der Weg der Frauen, egal in welcher Branche - ob Politik, Wirtschaft oder Film - ein langer ist."

Zumindest diesen einen Weg ist Bigelow nun zu Ende gegangen und hat eine gläserne Decke durchbrochen. Gerade mal vier Regisseurinnen waren vor ihr überhaupt nominiert. Gewonnen hat bisher keine. Filmemacherinnen haben in Hollywoods Blockbuster-Geschäft kaum etwas zu melden: Traurige sieben Prozent der Regisseure der erfolgreichsten Filme 2009 waren weiblich. Da ist es schon ein Zeichen, dass Bigelows Film "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" insgesamt sechs Oscars abgeräumt hat.

Der James-Cameron-Faktor

Die Klatschpresse interessiert allerdings vor allem, dass Bigelow damit ihren als großen Favoriten gehandelten Ex-Mann James Cameron abgehängt hat. Dessen Kinokassenhit "Avatar - Aufbruch nach Pandora" war genau wie der bei Kritikern beliebte, aber an der Kinokasse enttäuschende "The Hurt Locker" neun Mal nominiert. Doch gewann der umsatzstärkste Film aller Zeiten letztlich nur drei Trophäen.

Bigelow lacht über die herbeigeschriebene Rivalität mit Cameron: "Wir waren vor 20 Jahren für kurze Zeit verheiratet. Seitdem sind wir Freunde und arbeiten zusammen", sagt die Kalifornierin, die Malerin war, bevor sie den Film entdeckte.

Aufgewachsen in einem Vorort von San Francisco, ging sie zum Studieren nach New York. Schon ihr erster Kurzfilm "The Set-Up" aus dem Jahr 1978 thematisierte Gewalt. Der erste Langfilm war "The Loveless" (1982), eine Geschichte über Motorradrocker. 1987 wuchs ihre Fangemeinde dank des düsteren Vampirfilms "Near Dark". Der Polizeithriller "Blue Steel" (1990) mit einer wehrhaften Jamie Lee Curtis machte Bigelow auch international bekannt. Ein Jahr später manifestierte sie ihren Ruf als "Frau für Männerfilme" mit dem Surfer-Bankraub-Actionabenteuer "Gefährliche Brandung", in dem FBI-Mann Keanu Reeves den Gangster Patrick Swayze jagt. 1995 inszenierte sie in Zusammenarbeit mit James Cameron den Milleniums-Thriller "Strange Days".

Hart, dynamisch, tief

Kritiker loben immer wieder die Härte, Dynamik und gleichzeitige Tiefe der Filme von Bigelow. "Gewicht des Wassers" (2000) mit Sean Penn und der U-Boot-Actionfilm "K 19 - Showdown in der Tiefe" (2005) floppten allerdings auf voller Linie. Unter Kritikern war deshalb die Freude groß, als 2008 "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" auf dem Filmfest von Venedig vorgestellt wurde.

Das Kriegsdrama berichtet von einem Bombenräumungskommando im Irak. Der Geschichte gelingt das eindringliche Porträt eines Mannes, für den der Adrenalinrausch des Krieges zum Lebenselixier geworden ist. Gespielt wird er vom großartigen Jeremy Renner. Vor dem Oscar hatte Bigelow bereits den Golden Globe gewonnen.

In einem früheren Interview hat die Filmemacherein einmal gesagt: "Falls es einen besonderen Widerstand von Frauen geben sollte, Filme zu drehen, dann ignoriere ich dieses Hindernis aus zwei Gründen: Ich kann mein Geschlecht nicht ändern, und ich weigere mich, damit aufzuhören, Filme zu drehen. Es ist egal, wer oder was einen Film macht. Wichtig ist, ob du dem Ruf folgst oder nicht. Ja, es sollten mehr Frauen Filme drehen. Ich denke, vielen ist nicht bewusst, dass es möglich ist."

Der nächste Kathryn-Bigelow-Film kommt also bestimmt. Bleibt abzuwarten, ob mehr Frauen die Chancen nutzen wollen, die solche Vorbilder auftun.

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