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Oscarverleihung 2016: Die Oscars sind nichts für Feiglinge

Leonardo DiCaprio kann einem echt leid tun! Aber nun sieht endlich, endlich alles danach aus, dass er Sonntagnacht seinen lange verdienten Oscar bekommt. Doch die Glamour-Gala hat dieses Mal ganz andere Probleme.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Leo wird seinen Academy Award wohl bekommen. Die Smiths bleiben der Oscarverleihung in diesem Jahr fern.

Leo wird seinen Academy Award wohl bekommen. Die Smiths bleiben der Oscarverleihung in diesem Jahr fern.

Wenn in der Nacht zum Montag endlich seinen schon so lange wohlverdienten Oscar bekommt, hat er genau zwei Möglichkeiten für die Dankesrede. Erstens: Er könnte sich sehr kurz halten und ein "Thank you all" in die illustre Runde werfen, um dann sofort wieder auf Sicherheitsabstand zum Mikrofon zu gehen. Oder zweitens: Der Klimaretter kehrt sein politisches Inneres nach außen, nimmt die Herausforderung an und liefert eine brillante Rede über das Ariel-weiße Hollywood und die Notwendigkeit, sich zu ändern. Oh, mir ist gerade eine dritte Möglichkeit eingefallen: Er könnte den Oscar ablehnen. Haha, war nur ein Scherz!


Lieber Mann, die Oscars 2016 sind wirklich nichts für Feiglinge. Denn in dieser Nacht, die seit Jahrzehnten ihre Stellung als größte Glamour-Gala der Welt verteidigt - mal mehr, mal weniger, aber nie ernsthaft bekrittelt - wird nicht nur jedes Outfit (natürlich wird der   Ihnen einen Style-Watch präsentieren), sondern jedes Wort, jedes Flüstern und jede Geste unters Mikroskop gehalten. Wahrscheinlich sind sogar die Toiletten verwanzt und es gibt Lippenleser, damit ja nichts schiefgeht - was die beste Voraussetzung dafür ist, dass es gewaltig schiefgehen wird.

Chris Rock wird es richten

Würden Sie doch Michael Moore auf die Bühne lassen, der Mann für die klaren wie unterhaltsamen Worte würde dem Laden ordentlich die Leviten lesen - und nach dieser Katharsis könnte Leonardo DiCaprio sich dann seinen Goldjungen abholen. Aber halt. Da steht ein anderes gewaltiges Kaliber auf der Bühne - und das die ganze Nacht: Showhost des Abends ist nämlich der wunderbare  .

Und der Comedian hat von Anfang klar gemacht, was er davon hält, dass der Academy-Awards-Club der "weißen, alten Männer" das zweite Jahr in Folge in keiner entscheidenden Kategorie auch nur einen Nicht-Weißen nominiert hat. Als der unter dem Hashtag #OscarsSoWhite diskutierte Skandal Mitte Januar Fahrt aufnahm, warb Rock auf Twitter mit "Die weißen BET Awards" für seinen neuen Job. BET steht für die Black Entertainment Television Awards, die alljährlich ausschließlich afroamerikanische Unterhaltungs-Leistungen ehren. Diesen Donnerstag hat er noch einmal nachgelegt: "Wir sehen uns am Sonntag", heißt es auf Twitter. Und es folgen die Hashtags "#blackout #oscars" und ein Sendungsausfall-Video. Blackout ist ein Wortspiel: Es kann neben Sendungsausfall auch "Verdunklung" heißen oder Wort für Wort "Schwarz raus".

Spannend ist vielleicht nicht das richtige Wort für die Erwartungen an Sonntagnacht. Sagen wir es so: Wir sind jetzt schon aufgeregt, auf stern ab ein Uhr früh für Sie die Nacht durchzutickern! So unberechenbar wie in diesem Jahr waren die Oscars noch nie!

Nicht auch noch eine "weiße" Oscarverleihung 

Wer der Oscarverleihung in diesem Jahr aus Protest fernbleiben wird - außer Spike Lee und Will Smith nebst Gattin Jada Pinkett Smith, die das bereits angekündigt haben - ist unklar. Sich für eine größere Vielfalt und dringend nötige Academy-Reformen ausgesprochen haben unter anderem: Academy-Präsidentin Cheryl Boone Isaacs, George Clooney, Whoopi Goldberg, Danny DeVito, Don Cheadle, Lena Dunham, Ice Cube und Lupita Nyong'o. Tatsächlich wäre der krasseste Prostest gegen die "weißen Oscars" die Abwesenheit. Man stelle sich das einmal vor: leere Reihen bei der meist begehrten Party des Jahres. Na, wer traut sich?

Das sind wirklich beachtliche Aussichten. Nein, in Leonardo DiCaprios Haut möchte ich Sonntagnacht nicht stecken.


Mehr:

Der britische Late-Night-Talker John Oliver hat das #OscarsSoWhite-Thema für seine Sendung "Last Week Tonight" ganz wunderbar zusammengefasst:

How Is This Still A Thing? https://soundcloud.com/supremescientist7

Posted by Eric Cohen on Monday, 22 February 2016


Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo