VG-Wort Pixel

Kein Schwarzer nominiert Jada Pinkett Smith erklärt den Oscars den Krieg

Alarmstufe Rot bei den Oscars 2016 - schon vor der Gala. Grund sind die Nominierungen ausschließlich weißer Schauspieler. Das zweite Jahr in Folge. Sogar die Oscar-Präsidentin ist frustriert. Die Stimme des Zorns aber ist Jada Pinkett Smith, die Frau von Will Smith.
Von Sophie Albers Ben Chamo

Das zweite Jahr in Folge sind in den Darstellerkategorien ausschließlich weiße Schauspieler nominiert. Kurz nach der offiziellen Bekanntgabe der diesjährigen Oscar-Anwärter am vergangenen Donnerstag war es eine Feststellung, dann ein Affront, jetzt herrscht Alarmstufe Rot.

Die Oscars 2016 haben ein Problem, und das ist wohl die Academy selbst. Der Witz von den alten, weißen Männern, die alljährlich entscheiden, wem Hollywoods höchste Ehren zuteil werden, bringt niemanden mehr zum Lachen. Sogar Academy-Präsidentin Cheryl Boone Isaacs hat sich ganz offiziell in einem Statement auf der Oscar-Website geäußert und "große Veränderungen" angekündigt: "Ich bin zugleich untröstlich und frustriert über diesen Mangel an Inklusion. Es ist eine schwierige aber wichtige Diskussion, und die Zeit ist reif für große Veränderungen."

Jada Pinkett Smith ruft zum Oscar-Boykott auf

Jada Pinkett Smith ("Set it of", "Matrix", "Gotham"), die Frau von Kinokassenfüller Will Smith, hat der Academy dagegen den Krieg erklärt. Zusammen mit dem Regisseur Spike Lee hat sie soeben verkündet, die Oscars zu boykottieren. In einem Video auf ihrer Facebook-Seite geht die 44-Jährige aber noch weiter und wandte sich direkt an die afroamerikanische Community:

"Die Academy hat das Recht zu nominieren und einzuladen, wen sie will, aber ich denke, jetzt liegt es in unserer Verantwortung, etwas zu ändern. Es ist an der Zeit, dass wir unsere Kräfte abziehen und sie in unsere Gemeinschaft stecken, in unsere eigenen Programme. Die wir für uns selbst machen, und die uns angemessen wertschätzen, die genauso gut sind wie der sogenannte Mainstream." Die Zeit des Bettelns um Liebe und Anerkennung sei vorbei, so Pinkett Smith. "Wir haben Macht, benutzen wir sie."

Zeitgleich postete sie drei Tweets hintereinander:

(Bei den Oscars sind farbige Menschen immer willkommen, um Preise zu vergeben oder um zu unterhalten. Aber wir werden selten für unsere künstlerischen Leistungen geehrt. Sollten farbige Menschen überhaupt noch teilnehmen? Wir können nur so behandelt werden, wie wir es zulassen. Mit großem Respekt inmitten tiefer Enttäuschung. Jada)

Spike Lee fragt: Können wir nicht schauspielern?

Spike Lee wiederum sucht die Schuld nicht nur bei der Academy, sondern auch bei den Studiobossen von Film und Fernsehen. Der Kultregisseur ("Do the right Thing", "Malcolm X") schrieb auf Instagram anlässlich der Feierlichkeiten zum Martin-Luther-King-Gedenktag: "Wie ist es möglich, dass im zweiten Jahr in Folge in den Darsteller-Kategorien alle 20 Bewerber weiß sind? Von den anderen Sparten ganz zu schweigen. 40 weiße Schauspieler in zwei Jahren und kein bisschen Geschmack? Können wir nicht schauspielern? WTF!!" Deshalb würden er und seine Frau in diesem Jahr nicht an der Oscar-Verleihung teilnehmen.  

Chris Rock, der in diesem Jahr als Gastgeber durch die Oscar-Nacht führen soll, hat sich bisher zurückgehalten. Er postete allerdings auf Twitter einen Oscar-Werbespot mit dem Hinweis, dass es sich um die "weißen BETs" handle. BET steht für die Black Entertainment Television Awards, die alljährlich ausschließlich afroamerikanische Unterhaltungs-Leistungen ehren. Die Warnung vor der Trennung in schwarze und weiße Unterhaltung sitzt.

Auch Hollywoodstar Don Cheadle ("Hotel Ruanda", "Miles Ahead") ließ sich einen Kommentar nicht nehmen. Er tweetete Chris Rocks Timeline: "Yo Chris, komm' bei den Oscars doch mal vorbei. Sie lassen mich Autos parken auf Level G."

 

Und natürlich gibt es einen Hashtag: #OscarsSoWhite ist noch immer trending.

Traum und Wirklichkeit

Das letzte Wort soll Idris Elba haben, einer der Schauspieler, die zu den aktuell Übergangenen gehören. Der seit Jahren als erster schwarzer James Bond gehandelte Brite ist bekannt aus "The Wire", "Luther", "Pacific Rim" und "Thor". Zuletzt hat er in "Beasts of no Nation" beeindruckt. Elba hat gerade im britischen Fernsehen vor Parlamentsabgeordneten und TV-Chefs gesprochen - zum Thema Vielfalt. Während er vor allem die schlechten Chancen für farbige Schauspieler in Großbritannien ansprach, hat er auch eine Meinung über die (immerhin bessere) Besetzungspolitik in den USA: Der "american dream" sei der berühmteste Vielfalts-Grundsatz überhaupt. "Das Problem dabei ist die Kluft zwischen Traum und Wirklichkeit." 

Mehr zum Thema

Newsticker