VG-Wort Pixel

Herzergreifender Pixar-Film Der Sheriff, der Millionen Zuschauer rührt

Mit gesenktem Haupt steht der schwermütige Sheriff an der Klippe, an der er durch einen Unfall als Kind seinen Vater getötet hat. Lou Hamou-Lhadj und Andrew Coats erzählen in "Borrowed Time" von seinem traumatischen Schicksal.
Mit gesenktem Haupt steht der schwermütige Sheriff an der Klippe, an der er durch einen Unfall als Kind seinen Vater getötet hat. Lou Hamou-Lhadj und Andrew Coats erzählen in "Borrowed Time" von seinem traumatischen Schicksal.
© Screenshot "Borrowed Time"
Der kurze Animationsfilm "Borrowed Time" ist ein privates Projekt von zwei Pixar-Profis. Sie wollten zeigen, dass das Genre viel mehr bieten kann als Kinderfilme. Ihre anrührende, traurige Geschichte eines Sheriffs wurde ein viraler Hit.

Wenn dein Job dein Traumberuf ist, dich erfüllt und sich nicht nach lästiger Arbeit anfühlt, hast du nicht nur viel Glück im Leben, sondern offenbar auch vieles richtig gemacht. Dann hast du sogar Lust, nach Dienstschluss nicht sofort den Rechner runterzufahren, sondern noch ein wenig weiterzuarbeiten. Weil dir etwas am Herzen liegt und während des Tages keine Zeit dafür bleibt. Weil du beweisen willst, was du kannst. Was dein Job kann. Was deine Kunst kann. So in etwa geht es Lou Hamou-Lhadj und Andrew Coats, die für das Animationsstudio Pixar arbeiten. Sie wollten zeigen, was ihr Genre kann und haben deshalb in ihrer Freizeit den Film "Borrowed Time" (Geborgte Zeit) produziert. Eine bewegende, schwermütige Geschichte eines Sheriffs, den ein Kindheitstrauma fast in den Suizid treibt. Ein Animationsfilm, der sich nicht nur an Erwachsene richtet, sondern auch mit dem Klischee des harten Kerls bricht, des unnahbaren Cowboys, der ungerührt seiner Wege geht.

Eine düstere, trostlose Landschaft, ein rauer Canyon, über den schwere Wolken ziehen, eine Umgebung, die der inneren Verfassung des einzigen Menschen entspricht, der sich dort aufhält. Mit humpelndem Schritt und hängendem Kopf nähert sich ein Sheriff dem Ort, an dem er bei dem Versuch, seinen Vater zu retten, versehentlich an den Abzug eines Gewehres geriet und ihn erschoss. In Rückblenden wird erzählt, was damals geschah und was den Protagonisten noch heute belastet. Ein Schicksal, mit dem er offenbar nicht länger leben kann und will. Bis – plötzlich ein Sonnenstrahl den alten Mann aus seiner Trübsal reißt: Er fällt auf die Taschenuhr des Vaters, die noch immer an diesem Ort liegt und ihn plötzlich blendet. So wie damals, als Kind. Der Sheriff "erwacht", sein Lebenswille kehrt zurück. Ein Foto im Deckel der Uhr, das ihn und seinen Vater zeigt, rührt ihn zu Tränen, verwandelt die Schuldgefühle in Trauer und liebevolle Erinnerung.

Musik vom Profi für Cowboys

Für die ruhige, stimmungsvolle Musik ihres Sechsminüters konnten die beiden Macher einen Profi gewinnen, Gustavo Santaolalla, der für seinen Soundtrack zu "Brokeback Mountain" 2005 einen Oscar erhalten hat. Der am 14. Oktober bei Vimeo veröffentlichte Film fand bereits 5,5 Millionen Zuschauer und Hunderte Kommentare voller Bewunderung und Zuspruch. In einem zweiten Film erzählen Lou Hamou-Lhadj und Andrew Coats von seiner Entstehung, gewähren Einblick in die ersten Storyboards und erläutern, was sie mit "Borrowed Time" beweisen wollten: einen Animationsfilm zu machen, der Erwachsene ergreift. Das ist ihnen zu tausend Prozent gelungen. 


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker