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PORTRÄT: Ran, Franka, ran!

Das geht ja prima los: Erst hat sie Johnny Depp geküsst, dann Matt Damon - und wenn sie will, liegt Franka Potente ganz Hollywood zu Füßen.

Von Christine Kruttschnitt

Kürzlich lernte sie das Hollywood-Spiel. Und das geht so: Pressebetreuer betritt ein Zimmer voller Journalisten; raunt, dass in wenigen Sekunden das »Talent« denselben betreten wird, Journalisten positionieren ihre Aufnahmegeräte, Publizist betritt den Raum, bestätigt, dass das »Talent« jeden Augenblick erscheint, und bittet, nicht zu rauchen, zweiter Pressebetreuer serviert Evian-Wasser und einen Cappuccino mit Magermilch für das »Talent« und weist noch einmal darauf hin, dass selbstverständlich alle Fragen nach Privat- und Vorleben des »Talents« verboten sind, Journalisten atmen scharf durch die Zähne, und der aus England wird rausgeschickt, weil die Londoner Presse schon mal ätzend übers »Talent« geschrieben hat, welches im Übrigen 20 Minuten lang charmant nichts sagt und den Cappuccino unberührt stehen lässt; manche Zimmerpflanze hätte mehr mitzuteilen.

Beinahe unnötig zu sagen, dass Franka Potente im Hollywood-Spiel irgendwie versagt hat. Die knapp 27-jährige Schauspielerin aus Dülmen nahm also an ihrem ersten Presse-Junket teil - so nennt man diese Veranstaltung, bei der Journalisten aus aller Welt nach Hollywood fliegen und streng behütete Moviestars in Grüppchen und 20-Minuten-Häppchen nach ihren aktuellen Filmen befragen -, und man war verblüfft von Japan bis Portugal. Nicht nur, dass das »Run, Lola, Run«-Fräuleinwunder, von der Zeitschrift »Movieline« als neues Mitglied von »Young Hollywood« gefeiert, ohne weitere Entourage hereinspazierte, nein, die junge Frau bat auch noch als Erstes um einen Aschenbecher, was sich in Hollywood anhört wie die Frage, ob man mal eben auf den Balkon pinkeln dürfe.

Ob sie denn viele Angebote aus Amerika bekomme, fragte begeistert die Schweiz, und Franka lächelte und antwortete: Na ja, Actionfilme halt, weil Lola so gut rennen kann.

Zwei US-Spielfilme hat sie nun gemacht - und zwei Hollywood-Helden geküsst: erst Johnny Depp, der im Kokser-Drama »Blow« einen grandiosen Dealer spielt (Franka ist die Stewardess, die seinen Stoff verschiebt), und dann Matt Damon in einem Thriller, der für 60 Millionen Dollar querbeet durch Europa gedreht wurde und Ende des Jahres in die Kinos kommt. In »Bourne Identity« spielt Franka die weibliche Hauptrolle, »aber lassen wir die Kirche im Dorf, in «Blow» habe ich nicht gerade den Megapart, über den man ein Literarisches Quartett veranstalten könnte«.

Sagt sie so in ihrer trockenen Art und lächelt dabei aus braunen Augen. Wie »eine Sonnenblume« solle sie in »Blow« sein, hat Regisseur Ted Demme sie angewiesen - ein sonniges Hippie-Mädchen aus Kalifornien, das den linkischen George (Depp) mit allerlei Gräsern entspannt und bald wie eine Blume von seiner Seite welkt. Der Film - die wahre Geschichte des Schneekönigs George Jung - ist gottlob keine Moralpredigt, sondern eine bonbonfarbene, nietenglitzernde, Disco-Kugel-schillernde Zeitreise durch ein Vierteljahrhundert Pop- und Drogenkultur. Franka nennt ihn »eine gute erste Erfahrung auf amerikanischem Boden - und überhaupt nicht sooo verschieden von dem, was wir in Deutschland machen«.

Ist es wenigstens ein Unterschied, ob man Johnny Depp küsst oder Benno Fürmann?

Bei Johnny habe ich schon ein bisschen länger drüber nachgedacht. Aber ich habe uns Jägermeister besorgt, das entspannt, mein alter Geheimtipp aus Deutschland.

Funktioniert wirklich alles wie zu Hause?

Nein, wenn man einen Big-Budget-Film wie »Bourne Identity« macht, spürt man natürlich sofort die Kohle - die Technik ist so viel aufwendiger. Und die Crew bringt den Schauspielern so viel mehr Respekt entgegen. Das ist schon fast komisch. Einmal kam ich an den Set von »Blow«, da schickte mich ein Assistent wieder weg - Statisten sollten einen anderen Eingang benützen. Als er seinen Fehler bemerkte, war es ihm superpeinlich, er dachte, nun ginge es ihm echt an den Kragen. Ist schon okay, sagte ich, aber der Arme konnte wahrscheinlich zwei Tage nicht schlafen.

Vielleicht ist Ihre lockere Art in der Angststadt Hollywood eher die Ausnahme?

Andere Leute neigen tatsächlich dazu, viel aufgeregter und besorgter zu sein als ich. Natürlich weiß ich, dass hinter mir eine Reihe von hundert Schauspielern wartet, die meinen Job auch machen könnten. Aber ich bin wirklich ruhig, was soll ich machen, mir geht's einfach gut, ich habe total gute Leute um mich herum, und mein Freund Tom ist ja auch da.

Macht Ihnen die Sprache Probleme?

In dem Film mit Matt Damon, den ich übrigens auch mit Jägermeister beruhigen musste, spiele ich eine Deutsche, da war mein Akzent also völlig egal. In »Blow« aber hatte ich einen Sprachlehrer, und das war in den ersten zwei Wochen eher unangenehm, ich fühlte mich total hölzern und dachte, wenn ich jetzt was falsch ausspreche, muss der arme Johnny die ganze schwere Szene noch mal drehen.

Möchten Sie in Los Angeles leben?

Nein, das könnte ich nicht. Ich liebe Berlin, da sind meine Freunde, meine Familie. Und es dauert, anders als in Hollywood, nicht so ewig lang, bis mal einer mit dir ein Bier trinken geht.